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LICHTENFELS

Neue Teilhabeberatung EUTB: Unbürokratisch und unabhängig

Besuch der Parlamentarischen Staatssekretärin Anette Kramme in der EUTB-Stelle in Lichtenfels, von links: Elisabeth Reich von der AWO, Friederike Müller von der Caritas, die Bad Staffelsteiner EUTB-Stellenleiterin Nadja Motschmann, Bürgermeister Andreas Hügerich, Parlamentarische Staatssekretärin Anette Kramme und der Lichtenfelser EUTB-Stellenleiter Johannes Gilbert. Foto: Alfed Thieret

Am Freitag besuchte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Anette Kramme, die – wie bereits vorgestellt – neu geschaffene Beratungsstelle der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) in der Bamberger Straße 40a in Lichtenfels.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales fördere ab dem 1. Januar 2018 mit dem Bundesteilhabegesetz auf der Grundlage eines neuen Sozialgesetzbuch-Artikels niedrigschwellige, von Leistungsträgern und Leistungserbringern unabhängige Beratungsangebote zur Stärkung der Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen und von Behinderung bedrohter Menschen, sagte Kramme.

Beratung durch Betroffene

Ein besonderes Augenmerk der Förderung liege dabei auf dem Ausbau der Beratung von Betroffenen durch Betroffene. Es gelte die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung der Leistungsberechtigten im sozialrechtlichen Dreieck zu fördern und ihnen eine ihren Wünschen entsprechende Lebensplanung und –gestaltung zu ermöglichen.

Im Vorfeld der Beantragung von konkreten Leistungen solle die unabhängige Beratung Informationen und Orientierung geben, vor allem zu individuellen Teilhabemöglichkeiten und –leistungen sowie zum Teilhabeprozess und Verfahrensablauf. Die Förderung des Bundes laufe bis 2022.

Um den Menschen mit Behinderung eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen, müsse man auch vom klassischen Fürsorgesystem wegkommen. Sei der behinderte Mensch beispielsweise früher einfach mit Beginn seiner beruflichen Tätigkeit in eine Behinderten-Werkstätte gekommen, so sollen jetzt so weit wie möglich seine beruflichen Wünsche berücksichtigt werden.

Friederike Müller, Bereichsleiterin der trägereigenen Einrichtungen der Caritas, verwies in diesem Zusammenhang auf die Schwierigkeiten von Menschen mit Behinderung bei der Wohnungssuche, die bisher die Träger tätigten.

Elisabeth Reich stellte sich als Leiterin der Fachdienste für seelische Gesundheit Kronach und Lichtenfels der AWO vor. Obwohl der Schwerpunkt ihres Fachdienstes auf der Beratung und Begleitung von psychisch belasteten und erkrankten Erwachsenen liege, werde die neue, seit Mai in Lichtenfels bestehende EUTB-Beratungsstelle Menschen mit den verschiedensten Beeinträchtigungen und Behinderungen helfen, sich besser in der Beratungslandschaft zurechtzufinden.

Teilhabe am Leben verbessern

Die Betroffenen sollen ein passendes Leistungsangebot finden, das es ihnen ermöglichen kann, die Teilhabe am Leben in unserer Gesellschaft zu verbessern. Dies erfordere Vernetzung und Kooperation, das Sammeln und Weitergeben von wichtigen Informationen und die fachliche Aufklärung und Beratung der Ratsuchenden, unabhängig von Kostenträgern und Leistungsanbietern.

Der Leiter der Lichtenfelser Stelle, Johannes Gilbert, stellte sich mit seinen Zielen vor. Er sei sechs Jahre in der Jugendhilfe tätig gewesen und habe eine neue Herausforderung gesucht und mit der Leitung der Beratungsstelle für Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung auch gefunden. Er sehe sich als Lotse und möchte gleichsam die Weichen für die hilfesuchenden Menschen mit Behinderung stellen, damit sie auf die für sie infrage kommenden Hilfsangebote aufmerksam werden.

Auch die Diplom-Pädagogin Nadja Motschmann stellte sich als Leiterin der von der Caritas getragenen EUTB-Beratungsstelle in Bad Staffelstein, Viktor-von Scheffelstraße 10, vor. Sie betonte, dass mittlerweile mehrere Ratsuchende pro Woche zu ihr kommen, nachdem sich die Existenz der Beratungsstelle vermehrt bei den Betroffenen herumspreche. Hier sei auch die Mund-zu-Mund-Propaganda wichtig.

Bürgermeister Andreas Hügerich fand es sehr gut, dass eine Anlaufstelle geschaffen wurde, die Menschen mit Behinderung gleichsam an die Hand nimmt und sie unbürokratisch berät, um ihnen eine selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen.

Anette Kramme regte auch eine oberfrankenweite Internetseite an, auf der sich jede Beratungsstelle mit ihrem gesamten Leistungsspektrum präsentieren könne.

Von Alfred Thieret

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