BUCH

„Hochwasserfreilegung“ nimmt Gestalt an: Ackerfurchen wirken wie Drainagen

Die Teilnehmer der Ortsbegehung mit (v. li.): Christian Freiherr von Stockmar-von Wangenheim, Günter Gutgesell, ...

Die „Hochwasserfreilegung“ in Buch am Forst nimmt Gestalt an. Kürzlich kam erstmals ein Lösungsvorschlag auf den Tisch, wie man Überschwemmungen bei Starkregen in den Griff bekommen kann. Am Himmelfahrtstag und zwei weiteren Tagen in diesem Jahr ergoss sich nach Sturzbächen von oben ein Schlammlawine über den Friedhof und angrenzende Grundstücke bis hin zur Hauptstraße. Die Schäden waren immens.

Der Graben oberhalb des Friedhofswegs konnte die Wassermassen vom Friedhofsacker nicht aufnehmen und die drei Gullys waren im Nu durch Schlamm verstopft. Die nachfolgende Reinigung des Grabens war erfolglos, da schon beim darauffolgenden zweiten Starkregen die gleiche Situation entstand. Landwirt Hermann Angermüller machte den Vorschlag, den teilweise verrohrten Graben zu öffnen, damit das Wasser ungehindert in Richtung der Staatsstraße nach Obersiemau abfließen könne. Die zweite Überfahrt zum Friedhofsacker könnte, laut Angermüller, entfernt werden, da nur eine Fahrt gegenüber dem Friedhofstor benutzt werde. Dort sollten größer dimensionierte Rohre eingesetzt werden.

Plausible Erklärung

Günter Gutgesell wies auf eine Maßnahme hin, die Erfolg versprechen könnte. Schutzbacken, ähnlich der Leitplanken an Straßen, am abschüssigen Feldrand aufgestellt, würden die Wassermengen mit dem Schlamm bremsen. „Die Situation würde sich erheblich verbessern“, sagte er. Stadtbaumeister Gerhard Pülz sah als Ursache für die Schlammlawine die Technik der Bodenbearbeitung des Feldes. „Es wurde längs geackert und damit entstand eine Drainage, die das Abschwämmen der Erde begünstigte. Zum anderen fehle ein Feldrain zwischen dem Acker und dem Graben, wo ein Teil des Schlamms abgelagert werden könnte.

Angermüller, seine Familie ist Eigentümerin des Friedhofackers, sah in der Bodenbearbeitung nicht den Hauptgrund für die Überschwemmung. Bei dem extrem trockenen Wetter wurde die obere Erdschicht über dem verdichteten Boden wie loser Staub, der mit dem ersten Wasserguss fortgespült wurde. Seine Einschätzung war: „Bei so einem Unwetter sind wir machtlos“. Christian Freiherr von Stockmar von Wangenheim, seine Familie bestattet ihre Angehörigen auf einem großen mit Hecken umgebenden Areal, hatte nach dem erst Starkregen eine Wagenladung Edelsplit vor den Familiengräbern verteilt. Beim zweiten Guss wurde der Split samt Erde weggeschwemmt.

Ein bisschen mehr Natur

Friedhofsanlieger Achim Sobottka erinnerte daran, dass erst mit dem neuen Weg oberhalb des Friedhofs die Probleme entstanden seien. Bauamtsmitarbeiter Thomas Kraus verwies auf eine ähnliche Situation im Lichtenfelser Stadtteil Trieb. Auch dort sei es zu Erdrutschen gekommen. Der Stadtbaumeister machte schließlich den Vorschlag, eine Hecke zwischen der Baumreihe am Graben und dem Feld anzulegen. Allerdings müsste der Eigentümer dafür einen Streifen Ackerland zur Verfügung stellen. Das Anlegen einer Benjes-Hecke biete sich an. Diese Totholzhecken entstünden durch das linienhafte Aufbringen von dünnerem Gehölzschnitt, wie Ästen und Zweigen. Durch Samenanflug oder Initialpflanzungen würde ein dichtes Geflecht entstehen.

Grundsätzlich zeigt sich Hermann Angermüller mit der Lösung zufrieden, er müsse aber erst mit der Familie darüber reden. Dass für die Säuberung des Grabens die Jagdgenossenschaft verantwortlich sei verneinte ihr Vorsitzender Reinhart Freiherr von Stockmar von Wangenheim aus Obersiemau. Dafür sei die Stadt zuständig. Ortsprecher Andreas Welz, der das Bucher Problem öfter in der Stadtverwaltung angesprochen hatte, war von dem Ergebnis zufrieden.