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LICHTENFELS

Lyrischer Goethe-Abend: So manches Kleinod zutage gefördert

Begaben sich musikalisch und Rezitativ auf den Spuren von Goethe: (v. links) Martin Köhlerschmidt, Tom Götz, Birgit Hächl und Wolfgang Krebs. Foto: Gerda Völk

Einen genüsslichen und amüsanten Herbstabend erlebten die Besucher des lyrischen Abends im Stadtschloss mit Gedichten, klassischen Balladen und Musik. Birgit Hächl und Wolfgang Krebs vom Schloss Theater Thurnau sind beim Kulturring Lichtenfels längst keine Unbekannten mehr. Im Frühjahr dieses Jahres begeisterten beide mit einem Wilhelm Busch Abend. Dieses Mal stand der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe im Fokus des Interesses. Der musikalische Part lag in den Händen von Tom Götz (Akkordeon) und Martin Köhlerschmidt (Gitarre).

Birgit Hächl und Wolfgang Krebs haben tief im Goethes Werkschatz gegraben und dabei neben Bekannten auch so manches Kleinod zutage gefördert. Feinsinnig und kreativ nehmen die vier Künstler knapp zwei Stunden lang ihr Publikum mit in Goethes unerschöpfliche Welt.

Trinkfester Zeitgenosse

Goethes Vorliebe für die Damenwelt und einen guten Tropfen Wein sind bis heute legendär. Er war einer der größten Dichter und Lyriker der Weltliteratur. Seine stimmungsvollen Gedichte, klassische Balladen und prägnanten Aphorismen haben bis heute ihren Reiz bewahrt. Goethe soll zu Lebzeiten ein richtiger Zecher gewesen sein. Er hat am Tag bis zu drei Flaschen Wein konsumiert. Entsprechend viele Trinksprüche sind erhalten. „Der liebe Gott hat nicht gewollt, dass edler Wein verderben sollt, drum hat er auch zum Saft der Reben den nötigen Durst dazu gegeben“ ist nur einer davon, der zu Gehör gebracht wurde. Goethe liebte den Wein eher unverdünnt. Als er ihn an einem heißen Tag mit Wasser verdünnte, sah er sich den spöttischen Bemerkungen des Nebentisches ausgesetzt. Seine Verärgerung brachte er mit folgenden Zeilen zum Ausdruck, die er angeblich in die Tischplatte des Wirtshauses einritzte: „Wasser allein macht stumm, das zeigen im Bach die Fische. Wein allein macht dumm, siehe die Herren am Tische. Da ich keins von beiden will sein, trinke ich Wasser mit Wein“.

Frauen mit Nachsicht behandeln

Goethe war auch dem weiblichen Geschlecht sehr zugetan. Die Liste reicht von Anna Katharina Schönkopf, seiner ersten großen Liebe, über Friederike Brion, Charlotte Buff, Elisabeth Schönemann, Charlotte von Stein bis hin zur Liebe seines Lebens Christiane Vulpius. Abwechseln rezitieren Birgit Hächl und Wolfgang Krebs aus Briefen Goethes an seine Frauen und tragen Liebesgedichte vor.

„Liebe gibt der Liebe Kraft“, heißt es in einem Gedicht. Goethe ohne Liebe, Verliebtsein oder Leidenschaft ist kaum vorstellbar. Dies äußert sich auch in einem Gedicht über eine durchwachte Nacht in Erwartung der Geliebten, die aber nicht kommt. Oder in seiner Sesenheimer Lyrik „Sah ein Knab ein Röslein stehen“. Keinen anderen als Goethe gelang es Themen so eindeutig zu formulieren. In seinem Gedicht zum Thema „Mann und Frau“ heißt es „Behandelt die Frauen mit Nachsicht“ um dann darauf hinzuweisen, dass Gott die Frau „aus krummer Rippe“ erschaffen hat. Möchte man sie biegen (die Rippe), bricht sie, lässt man sie in Ruhe, wird sie noch krümmer. Goethe kommt zur Erkenntnis, „Behandelt die Frauen mit Nachsicht. Es ist nicht gut, dass euch eine Rippe bricht.“

„Der Zauberlehrling“ zum Schluss

Am Ende gibt es noch Goethes vielleicht bekannteste Ballade: „Der Zauberlehrling“. Sie entstand in Goethes Weimarer Zeit, dem sogenannten Balladenjahr der Klassik. Goethes Gedichte haben bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Nicht zuletzt auch ein Verdienst von Birgit Hächl und Wolfgang Krebs, die in kongenialer Weise von Tom Götz und Martin Köhlerschmidt musikalisch ergänzt wurden.

Von Gerda Völk

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