LICHTENFELS / TRIEB

Agrarpolitischer Diskussionsabend: Dem Klimawandel gemeinsam Paroli bieten

Lebhafte Diskussion beim „Agrargipfel“ auf der Karolinenhöhe (v.

Umweltschützer und Bauern wollen Seite an Seite dem Klimawandel Paroli bieten. Das wurde bei einem Agrarpolitischer Diskussionsabend des Bayerischen Bauernverbandes und des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg auf der Karolinienhöhe in Trieb am Dienstag deutlich.

Bei der Diskussion standen Rede und Antwort der unterfränkische Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Stefan Köhler BV, der neue Vorsitzende des Bund Naturschutz in Bayern, Richard Mergner, der Leiter des Fachzentrums Ökolandbau am Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bamberg, Bernhard Schwab, der Biolandwirt Sebastian Porzelt aus Merkendorf und der Landwirt Bernd Schauer aus dem Ebensfelder Ortsteil Neudorf. Die Moderation übernahm Forstdirektor Oliver Kröner, AELF Coburg.

„Wir sind hier, um gemeinsam die Zukunft zu gestalten und nicht um uns gegenseitig zu beschimpfen.“
Richard Mergner, Vorsitzender des BN Bayern

Die sonst übliche Kritik der Bauern auf der einen und der Umweltschützer auf der anderen Seite blieb an diesem Abend aus. Einen kleinen Ausreißer gönnte sich Sebastian Porzelt, der die oft zitierte Formel wiederholte, dass es in Deutschland 80 Millionen „Landwirte“ gebe, die alles besser wüssten und könnten.

Richard Mergner deckelte umgehend den jungen Landwirtschaftsmeister: „Wir sind hier, um gemeinsam die Zukunft zu gestalten und nicht um uns gegenseitig zu beschimpfen“, sagte er sinngemäß. In seinem Statement warb er dafür, die Fronten zwischen BUND und Landwirtschaft abzubauen. „Wir müssen natürliche Partner sein“, wünschte er sich. Kein Verständnis hatte er für eine Partei, die den Klimawandel leugne oder den amerikanischen Präsidenten Trump.

Die Partnerschaft unterstrich auch Stefan Köhler, der als Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbandes den Wettbewerb „Naturschutzpartner Landwirt“ in diesem Jahr mit der bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf ins Leben gerufen hatte. Er warb für den Humusaufbau des Ackerlandes durch den Anbau von Zwischenfrüchten, eine häufiger wechselnde Fruchtfolge und damit die Stärkung des Wurzelwachstums durch Mikroorganismen. Kritisch äußerte er sich über veraltete Bodenuntersuchungen durch die Behörden.

Die Böden besser schützen

Eine Bresche für den ökologischen Landbau schlug Bernhard Schwab. Die Ökoflächen in Deutschland hätten in den vergangenen elf Jahren von 27 000 auf 74 000 Hektar zugenommen. Ökolandwirte seien durch den Klimawandel nicht so stark betroffen. Das hätte sich im trockenen Sommer in diesem Jahr gezeigt. Auch Schwab plädierte für eine häufiger wechselnde Fruchtfolge, um den Humusaufbau zu fördern. Er wünschte sich eine bessere Zusammenarbeit der viehhaltenden und den viehlosen Betrieben, die sich bei Futterknappheit, wie in diesem Jahr, ergänzen sollten.

Sebastian Porzelt war in diesem Jahr mit „einem blauen Auge“ davongekommen, betonte der Biolandwirt. Er habe im letzten Jahr Vorsorge getroffen und Futterreserven angelegt. Beim integrierten Pflanzenschutz sei die mechanische Bearbeitung des Bodens vorzuziehen. Der Neudorfer Landwirt Bernd Schauer befürchtete, dass man durch den Klimawandel die Erträge nicht halten könne. Er sah eine negative Versorgungsbilanz der Bevölkerung durch landwirtschaftliche Produkte voraus. Dies sei nicht zuletzt der kurzen Zeitspanne der Bodenbearbeitung geschuldet. Durch den Klimawandel passten die Zeiten der vorgeschriebenen Gülleausbringung nicht mehr. Auch er war davon überzeugt, dass die Fruchtfolgen deutlich erweitert werden müssten. Bei der Diskussion um den mechanischen Pflanzenschutz solle man den chemischen nicht verteufeln.

Saatgut aus Trockenstandorten

BBV-Kreisobmann Michael Bienlein war überzeugt, dass die Nahrungsmittelproduktion im Ausland nicht der richtige Weg sei. Bedauerlich empfand er den Druck der Öffentlichkeit. „Wir werden durch die Gesellschaft getrieben“, stellte der Biolandwirt aus Siedamsdorf fest. Er konnte sich neue Saatzuchtmethoden vorstellen. Eine Chance wäre Saatgut aus Trockenstandorten zu nutzen.

Hans-Georg Warmuth, Vorsitzender des Maschinenrings Coburg, Kronach, Lichtenfels bedauerte, dass Rapsöl nur schwer abzusetzen sei. Der umweltfreundliche Treibstoff könne nicht mit dem preiswerten Diesel konkurrieren. „Alles andere ist billiger“, stellte der Landwirt aus Tiefenroth fest. Im kommenden Jahr werde erheblich weniger Raps angebaut. Einer der Gründe sei die mangelhafte Technologie bei den Fahrzeugen. Und die fehlende staatliche Förderung, ergänzte der BBV-Präsident Stefan Köhler. Sie sei über Nacht abrupt eingestellt worden, bedauerte er. Bernhard Storath, Bürgermeister in Ebensfeld, der einen Biohof betreibt, konnte die Ansicht nicht teilen, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Landwirtschaft für den Klimawandel verantwortlich mache. „Wir tragen aber zum Teil dazu bei“, schränkte er ein.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt gab einen positiven Impuls angesichts des Klimawandels: „Wir werben für mehr Natur in unseren Fluren. Blühstreifen, Windschutzhecken und Feldraine sind eine Augenweide für den Betrachter und für den Erhalt unserer strukturreichen Kulturlandschaft unverzichtbar“.

Sie böten für Bienen, Hummeln und zahlreiche Insektenarten, Rebhühner, Feldlerchen und andere auf der Roten Liste stehende Vogelarten sowie das Niederwild Unterschlupf und Nahrung. Außerdem sorgen natürliche Elemente der Landschaftsgliederung für weniger Winderosion, Schutz vor Ausschwemmung des Oberbodens bei Starkregen und ein intaktes Bodenleben. „Sie bilden somit Bausteine einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Landbewirtschaftung und sind daher im wahrsten Sinne des Wortes lebensnotwendig“, sagte er.

Gentechnik kein Ausweg

Die Leistungen der Bauern hierfür müssten sich in gerechten Erlösen widerspiegeln und durch die EU-Agrarförderung wesentlich stärker belohnt werden.

Kreisbäuerin Marion Warmuth sah in den Ausgleichsflächen für die Autobahn- und ICE-Trassen keinen großen Sinn. Auf den Brachflächen, die sich selbst überlassen sind, finde man keine Blumen und Insekten, war ihre Beobachtung. Alle Teilnehmer waren sich darüber einig, dass Gentechnik kein Ausweg aus dem Klimawandel sei. Eine Möglichkeit dem Wandel aufzuhalten sei der Einsatz von strombetriebenen Maschinen, die über eine Photovoltaikanlage auf dem Scheunendach aufgeladen werden könnten. Wichtig sei auch eine engere Zusammenarbeit unter den Landwirten.

Der Vorsitzende des Verbandes Landwirtschaftlicher Fortbildung, Rudi Steuer, machte in seinem Schlusswort deutlich, dass sich jede Bewirtschaftung für den Bauern rechnen müsse.