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LICHTENFELS

CHW-Vortrag: In Seubelsdorf Spuren aus der Spätbronzezeit entdeckt

Bei ihren Ausgrabungen im Gewerbegebiet Seubelsdorf fanden die Archäologen unter anderem Keramik. Foto: Stefan Lommatzsch

Die Archäologin Nina Hoffmann aus Bamberg hat 2017 als Grabungsleiterin die archäologische Untersuchung des Baugrunds von „Concept Laser“ vorgenommen. Über erste Ergebnisse berichtete Hoffmann unter dem Titel „Von Gräbern und Gruben“ im Rahmen eines CHW-Vortrags in der ehemalige Synagoge in Lichtenfels. „Die Untersuchung des fünf Hektar großen Geländes zog sich über alle Jahreszeiten hinweg“, wie die Archäologin anhand von Fotografien berichtete.

Bei den Grabungen wurden Siedlungsreste aus verschiedenen Epochen entdeckt – von der Spätbronzezeit bis zum Spätmittelalter. Die von den Archäologen untersuchten Siedlungsspuren stammen zum größten Teil aus der Urnenfelderzeit, eine Zeitspanne, die von 1300 bis 800 vor Christus reicht.

Im Brandschüttungsgrab beigesetzt

Die Menschen der Urnenfelderzeit wohnten in sogenannte Flachlandsiedlungen, an Seeufer oder in befestigten Höhlensiedlungen. Ihre Verstorbenen bestatteten sie in Urnengräbern, Brandschüttungsgräbern oder Steinsetzungsgräbern. Beim Brandschüttungsgrab handelt es sich um eine Grablege, von der heute kaum noch Spuren zu finden sind.

„Das Rasiermesser ist eine typische Grabbeigabe eines Mannes in der Urnenfelderzeit.“
Nina Hoffmann, Archäologin

Deutlich aufwändiger waren die Steinsetzungsgräber. Da der Erhaltungszustand der Fundstücke oft in einem relativ schlechten Zustand war, kommt der Dokumentation ein hoher Stellenwert zu. Das Fundmaterial und der Auffindungsort wurden fotografiert, vermessen, gezeichnet und beschrieben. Auch die Zerstörung durch die Landwirtschaft wurde in Bild festgehalten.

Tierknochen fehlten

Was allerdings in den Gruben fehlten, waren Tierknochen. Die Archäologin machte dafür die Bodenverhältnisse verantwortlich, die über dem langen Zeitraum hinweg alles organische Material zersetzten. Gefunden wurde eine Grube, die auf eine Keramikproduktion hindeutete, mit der für die damalige Zeit übliche grobe Alltagskeramik. Die Archäologin vermutet, dass die Menschen im Tal die Grundversorgung eines zentralen Ortes gesichert haben. Auf dem Staffelberg gab es zur Urnenfelderzeit bereits eine Siedlung.

„Als der Bagger eine dünne Humusschicht abgetragen hatte, kamen Steine zum Vorschein, die auf ein relativ gut erhaltenes Grab hindeuteten“, erklärt Hofmann. Mit Ausmaßen von 1,78 Meter mal 78 Zentimeter dürfte es sich um ein Kindergrab gehandelt haben. Ein relativ unbeschädigtes Steinsetzungsgrab, dessen oberste Steinschicht vermutlich im Laufe der Jahrhunderte dem Pflug zum Opfer gefallen war.

Ähnlich eines Sarges

Das reichhaltigste Grab, das die Archäologen fanden, war eine Grablege, die vermutlich aus einem Holzeinbau bestand. Ähnlich eines Sarges. Der Tote hatte als Ausstattungsmerkmale einen bronzenen Ring, ein Rasiermesser und einen Armring mitbekommen. In diesem Grab befand sich auch ein Etagengefäß, welches von den Archäologen samt Erdschicht geborgen wurde.

„Das Rasiermesser ist eine typische Grabbeigabe eines Mannes in der Urnenfelderzeit“, erklärte Hoffmann. Etwa zehn Gräber haben die Archäologen während ihrer monatelangen Ausgrabungen entdeckt. Die ältesten stammen aus der Glockenbecherzeit. Eine Zeitspanne zwischen 2600 und 2200 vor Christus in der als Kupferzeit (Endneolithikum) bekannten Epoche, die sich von Portugal über Spanien bis nach Deutschland und Österreich bis nach Ungarn und Polen verbreitete. Benannt ist die Epoche nach den für diese Zeit typischen Glockenbecher. Grabbeigaben waren besagter Glockenbecher, Armschutzplatten aus Stein, Silexpfeilspitzen, Halsketten aus Bernstein, Tierzahnanhänger und metallene Ohr- und Lockenringe. Die Frauen wurden immer mit dem Kopf in Richtung Süden beerdigt, die Männer mit dem Kopf nach Norden.

Grabungen auch in Reundorf

Die Ausgrabungen endeten auf dem Gelände von „Concept Laser“ im Mai 2017. Rund 1000 Befunde gilt es auszuwerten. Auch bei den Ausgrabungen in Reundorf erhoffen sich die Experten weitere Erkenntnisse über das Leben unserer Vorfahren. Mit dem CHW-Vortrag über die Ausgrabung bei Seubelsdorf hatte sich Ulrich Sünkel als neuer Bezirksgruppenleiter von Lichtenfels vorgestellt.

Die Archäologin Nina Hoffmann aus Bamberg berichtete von den Ausgrabungen auf dem Gelände von „Concept Laser“ in Seubelsdorf. Foto: Gerda Völk

gst

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