LICHTENFELS

Vernissage: Wenn Dämonen gegen Roboter kämpfen

In sich verwobene Welten, gespickt mit versteckten Details und Geheinmissen, sind bis zum 7.

Dick und üppig belegt sieht das Baguette aus, das auf dem Kopf einer Frau klebt. Überrascht und den Mund weit aufgesperrt, deutet sie auf den Hund, der über eine Rollschuhbahn schlittert. Ein paar Meter weiter wächst aus einem nackten Bein Zähne fletschend eine Echse. Darüber schwebt – wie soll es anders sein – ein Piratenschiff.

Skurril und geheimnisvoll

Je weiter die Besucher der Galerie in der Spitalgasse am Sonntag von einem Bild zum nächsten gehen, umso skuriller werden die Welten, die sich auf ihnen abbilden. Während in einer noch Star-Wars-Roboter gegen Aliens kämpfen, grinsen in der nächsten plötzlich bösartige Dämonen die Gäste an. Diese schauen sich jedes einzelne der Gemälde ganz genau an, lassen sich nichts entgehen, denn die Bilder sind gefüllt mit Details und versteckten Geheimnissen.

Eine Frage scheint ihnen dabei besonders in den Kopf zu schießen: „Wo fangen die Bildern an, wo hören sie auf?“, meint eine Besucherin. Das ist der Vorteil einer Ausstellung wie dieser: Der Zeichner steht nur ein paar Meter weiter, bereit, alle offenen Fragen zu beantworten. Es ist Michael Gallers erste Ausstellung in dieser Art, etwas völlig neues für den Künstler.

Vom Pizzaessen zur Kunstausstellung

„Ich bin schon ziemlich nervös“, gibt Galler zu, für den sich dieser Vormittag eher durch Zufall ermöglicht hat: Vor rund sechs Wochen lernte er den Vorsitzenden der Kunst & Kultur Initiative, Markus Häggberg, kennen. An einem Ort, der erst einmal wenig mit Kunstausstellungen zutun hat: einer Pizzeria. Während er aß, zeichnete Galler mit Kugelschreiber und Papier vor sich hin. Wie in einer „Meditation“, erinnert sich Häggberg, dem die Zeichnungen von seinem Platz sofort auffielen. „Aus einer Laune heraus trat ich an seinen Tisch. Und dann traf mich der Schlag“, erzählt Häggberg von seinem ersten Treffen mit dem Künstler: In sich verwobene Welten, kompliziert und doch geordnet, entstanden ganz nebenbei beim Pizzaessen. Welten, die sich auch in der Ausstellung offenbaren, für die Häggberg den Künstler unbedingt einladen wollte.

„Ich fange in der Mitte

des Bildes an und lasse

mich überraschen,

wie es weitergeht.

Ganz spontan also.“

Michael Galler, Künstler

Nackte Körper und Geschlechtsteile

Und nun steht er hier, umringt von zahlreichen Besuchern, die seine Bilder bestaunen. Galler wirkt schüchtern, weiß wohl nicht richtig, wie er mit dem Trubel umgehen soll. Im Gegensatz dazu stehen seine Bilder. Sie sind explosiv, bunt, provozieren mit grotesken Szenen. Teilweise auch mit sexuellen Elementen wie nackten Körpern und Geschlechtsteilen. Es komme spontan aus ihm heraus, beschreibt Galler, wenn er Kugelschreiber und Papier zur Hand nimmt. Und um auf die eingängige Frage vom Anfang und Ende einzugehen: „Ich fange in der Mitte des Bildes an und lasse mich überraschen, wie es weitergeht“, erklärt der Zeichner, „Ganz spontan also“.

Wie spontan, das zeigt ein Bildschirm, der am Eingang der Galerie aufgestellt ist. Er spielt einen Film ab, der Galler beim Zeichnen darstellt: Seine Hand fliegt regelrecht über das Papier, fast so, als würde er nicht darüber nachdenken, was er gerade malt. Und trotzdem entstehen nach kurzer Zeit in sich geschlossene Wimmelbilder. Werke, die zum Suchen einladen.

Dass ihm das Zeichnen so von der Hand geht, liegt wohl daran, dass Galler es schon sein ganzes Leben macht. Seitdem er fünf Jahre alt ist, malt er. Später schloss er dann eine Ausbildung zum Grafikdesigner ab, machte so sein Hobby zum Beruf.

Wer sich auch in Michael Gallers Welten ziehen lassen möchte, geht in die Galerie in der Spitalgasse. Die Ausstellung ist bis zum 7. Oktober geöffnet.

Michael Galler beantwortet die Fragen der Besucher zu seinen Gemälden.