LICHTENFELS

Eisenwarenhandlung Wenzel: Ein Stück Lichtenfels geht verloren

Sie hatten immer einen guten Rat und dass richtige Werkzeug: Mario Deinhardt (li.) und Jürgen Hanisch von der ...

Gemufft, geklebt oder geschraubt? Und wenn geschraubt: Spax, Senkkopf- oder Schlossschraube? Generationen von Lichtenfelser Hand- und Heimwerkern wussten im Zweifelsfall, wo sie um Rat fragen können und wer das benötigte Teil, und sei es noch so ausgefallen, mit großer Sicherheit und in guter Qualität auf Lager hat: der Wenzel. Ende Oktober wird die allseits bekannte Eisenwarenhandlung in der Judengasse schließen.

Jürgen und Carmen Hanisch und Ulrich Wenzel ist der Entschluss nicht leicht gefallen, doch wirtschaftliche und gesundheitliche Gründen machten die Entscheidung unumgänglich. Zusammen mit ihrem langjährigen Mitarbeiter Mario Deinhardt haben sie in den vergangenen Jahren tapfer die Fahnen hoch gehalten, Service und die Zufriedenheit der Kunden standen immer im Mittelpunkt. Argumente, die in Zeiten des Internets von immer weniger Kunden wertgeschätzt werden. Die Konkurrenz dort und von den Baumärkten wurde zu groß, die Zahlungsmoral einiger Kunden zu schlecht.

„Wir hatten bis zu 30 Hochzeitstische gleichzeitig im ersten Stock.“

Carmen Hanisch,

Geschäftsführerin

Die Ursprünge des Geschäfts liegen im Jahr 1945. Mit dem Handwagen hat seinerzeit Herbert Wenzel die ersten Eisenwaren verkauft. Die ersten Geschäftsräume wurden 1948 in der Badgasse 1a eröffnet, aus Platzgründen folgte 1980 der Umzug in die Judengasse.

Im gleichen Jahr übernahm Ulrich Wenzel die Geschäfte von seinem Vater. Seitdem wurde auch das Sortiment stetig erweitert, neben Haushaltwaren und Geschenkartikeln konnten die Kunden beim Wenzel auch Gartenmöbel und Grills erstehen.

„Wir hatten bis zu 30 Hochzeitstische gleichzeitig im ersten Stock“, erinnert sich Carmen Hanisch. Bis zu 26 Leute standen in Lohn und Brot. Bis Anfang diesen Jahres war Ulrich Wenzel weiterhin täglich in seinem Geschäft. Die Gesundheit macht ihm jedoch zunehmend zu schaffen. Doch auf sein Team konnte er sich immer verlassen.

Während er und seine Tochter Carmen Hanisch sich seit vielen Jahren vor allem um die Buchhaltung und die Großkunden kümmerten, waren Jürgen Hanisch und Mario Deinhardt die Ansprechpartner für die Kunden im Laden.

Es gab für alles eine Lösung

Und die waren immer wieder erstaunt, wenn die beiden auch die ausgefallensten Artikel in Minutenschnelle aus den schier endlosen Regalreihen des Lagers zauberten. Im Zweifel wurde ein kurzer Blick in einen der Produktkataloge geworfen, und das Teil war binnen ein, zwei Tagen geliefert. Und das zu Preisen, die ohne Weiteres mit denen der Baumärkte und Internetanbieter mithalten konnten.

Als Bonus gab es immer ein nettes Gespräch, und meist verließ der Hobbybastler das Geschäft auch schlauer als zuvor. Diese Zeiten sind nun vorbei, in den nächsten Wochen ist Abverkauf. Die Stadt hat das Gebäude gekauft und will dort ihre Räumlichkeiten erweitern.