LICHTENFELS

Johanna, die kleine Lebensretterin

Johanna hält Riesenstücke auf ihren Busfahrer Jürgen (Scholz).

Was für eine Hitze. Und das seit Tagen. Der betagten Dame scheint das Wetter auch zu schaffen zu machen. Busfahrer Jürgen Scholz merkt es an ihrem unsicheren Gang. Und atmet auf, als die kleine Johanna durch die Bustüre flitzt und der Seniorin beim Einsteigen hilft, den Rollator in den Bus hebt. „Dann hat sie die Dame noch zum Sitzplatz geführt und auch gleich die Fahrkarte gelöst“, erinnert sich Scholz an jenen Tag Ende Juli, als er den Bus durch die Innenstadt steuert.

Die Achtjährige hat weiterhin ein Auge auf die alte Dame. „Ihr ging es gar nicht gut. Das habe ich gleich gesehen“, sagt das Mädchen heute. Deswegen geht sie während der Fahrt zum Busfahrer und sagt: „Jürgen, mit der Oma stimmt etwas nicht.“

Denn mit Jürgen ist die Achtjährige per du. „Jürgen ist ein ganz klasse Busfahrer“, sagt das Mädchen. Als Jürgen Scholz dann in den Fahrerspiegel sieht, hat die Dame auch schon einen Schwächeanfall und rutscht vom Sitz. Bei der nächstmöglichen Stelle fährt der 43-Jährige den Bus an die Seite und parkt ihn. „Weil Johanna so aufmerksam war, verging keine kostbare Zeit und wir konnten gleich den Notarzt rufen. Die Dame wurde ins Krankenhaus gebracht. Ihr geht es wieder gut. Sie hat sich schon ganz herzlich bedankt“, erzählt der Busfahrer.

„Weil Johanna so aufmerksam war, verging keine kostbare Zeit und wir konnten gleich den Notarzt rufen.“
Jürgen Scholz, Busfahrer

Leider sei so ein aufmerksames Mädchen wie Johanna eher die Ausnahme, bedauert der Busfahrer. „Im Bus waren noch andere Kinder, die reagierten gar nicht. Die Johanna ist schon ein Goldstück. Und ihre Schwester Andrea ist auch immer sehr höflich“, fügt er hinzu. Denn die beiden Kinder kutschiert er regelmäßig im Schulbus.

Johanna ist da schon wesentlich bescheidner. „Als ich die Oma gesehen habe, wusste ich, dass ich helfen muss“, meint sie schlicht. Schließlich sei sie ja auch in der Jugendfeuerwehr in Seubelsdorf, genauso wie ihre ältere Schwester Andrea und der jüngere Bruder Maximilian. Und nicht zu vergessen: Vater Klaus Wallenfels. Da war natürlich ihr Einsatz Ehrensache. Und aus Sicht von Johanna eigentlich gar nicht der Rede wert.

So erzählt die Achtjährige im Wohnzimmer der Familie lieber über die vergangenen drei Tage bei Verwandten auf dem Bauernhof. Von riesigen Kühen, die schon ein wenig Furcht einflößen können. „Baby-Kühen“, die echt süß sind. Dass es ganz schön anstrengend ist, die ganzen Tiere zu füttern. Dass wegen der Hitze schon das eigene Futter knapp wird. Und natürlich von der abenteuerlichen Traktorfahrt, die auch Bruder Maximilian (6) zu genaueren Schilderungen hinreißt.

Eine stolze Mutter

Mutter Ana Peralta lächelt leise, als sie ihren Kindern zuhört. Sie ist stolz, auch weil die drei es so gut hinbekommen haben, sich in der neuen Welt in Deutschland einzugewöhnen. Vor sieben Jahren kam sie mit ihnen aus Paraguay nach Lichtenfels.

Das größte Lob kommt natürlich von Andrea (13), der großen Schwester. „Johanna ist wirklich immer sehr hilfsbereit. Aber sie kann auch ganz schön dickköpfig sein“, lacht sie.

Vielleicht gibt es bald eine ganz hohe Auszeichnung für die kleine Johanna. Sie wurde von der Stadt Lichtenfels für die bayerische Lebensrettermedaille vorgeschlagen. Da heißt es am Obermain: Daumen drücken.

Hilfsbereitschaft wird in der Familie groß geschrieben: (v. li.) Klaus Wallenfels, Ana Peralda, Johanna, Maximilian ...