LICHTENFELS

Mietführerschein: Fit für die eigene Wohnung

Von der Mülltrennung über richtiges Lüften bis hin zur Kommunikation mit Vermietern, sie sind Fit für die eigene ...

Wie verhalte ich mich in einem Mietshaus, was regelt der Mietvertrag und wie geht in Deutschland die Mülltrennung? Schon für so manchen Bundesbürger lauern hier jede Menge Fallstricke. Wie schwierig gestaltet sich die Wohnungssuche dann erst für einen anerkannten Flüchtling? Hier setzt das Neusässer Konzept an. Ein Schulungsprogramm für anerkannte Geflüchtete, das alle wichtigen Themen rund um das Mieten in Deutschland beinhaltet.

Am Donnerstag erhielten die ersten Teilnehmer zum Abschluss der Schulung im Landratsamt ein Zertifikat überreicht. Mit diesem „Mieterführerschein“ sollen sie potenziellen Vermietern künftig ihre Eignung als zuverlässige und seriöse Mieter belegen können. „Der Mieterführerschein hat zwei Säulen“, sagt Karin Pfeiffer, seit Frühjahr Integrationslotsin des Landkreises. Einmal Hilfe zur Selbsthilfe und zum anderen durch eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit Vorbehalte beim Vermieter abbauen und ihm die Hemmung nehmen, an anerkannte Asylbewerber zu vermieten.

Fünf Module

Die von Ehrenamtlichen entwickelte Mieterqualifizierung nach dem Neusässer Konzept beinhaltet fünf Module von jeweils zwei Stunden Dauer. Vermittelt werden Grundkenntnisse im Verhalten als Mieter wie beispielsweise die Mülltrennung. Allein im Landkreis Lichtenfels stehen dafür einschließlich Windelsack sechs verschiedene Säcke und Tonnen bereit. Vermittelt wurden aber auch der sparsame Umgang mit Strom- und Wasser, die richtige Reinigung der Wohnung aber auch die Kommunikation mit Vermietern und die Rechte und Pflichten aus dem Mietvertrag.

Derzeit wohnen 160 anerkannte Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften, obwohl sie eigentlich ausziehen dürften, erklärt Anna Wedekind, am Landratsamt zuständig für Soziales, Jugend und Familie, Straßenverkehr. Günstigen Wohnraum zu finden sei aber nicht einfach.

„Mit war wichtig, dass sich die Teilnehmer selbstständig eine Wohnung suchen können“, sagt Nicole Hartfil, die einen Kurs in Burgkunstadt leitete und sich das viel schwieriger vorstellte, als es letztlich war. Geübt wurde auch der Umgang mit Vermietern bei der Wohnungsbesichtigung. Gerade hier hätten viele Migranten Bedenken, dass sie etwas falsch machen könnten. Manche dieser fünf Module fanden in lockerer Atmosphäre eines gemeinsamen Kochens statt.

Nächstes Mal in Weismain

Gewisse Bedenken auf Mieterseite sieht Bernd Potzel, der mit Carita Müller und zwölf Teilnehmern aus der Kreisunterkunft in Schönbrunn ins Landratsamt gekommen ist. Er würde sich wünschen, dass Vermieter im Landkreis Lichtenfels den jungen Männern eine Chance bei der Wohnungssuche geben würden. „Die Jungs sind wirklich in Ordnung“, bricht Potzel eine Lanze für die meist aus Eritrea stammenden jungen Männer. Ahmend Abdu aus Eritrea hätte gerne eine Ein-Zimmer-Wohnung. Wie die anderen auch, wurde er fit für das Wohnen in Deutschland gemacht. Er kennt sich aus in der Mülltrennung und weiß, dass er dreimal am Tag lüften muss. In Vertretung von Landrat Christian Meißner überreichte Anna Wedekind den Mieterführerschein. Als nächstes sollen Flüchtlinge in Weismain den Kurs absolvieren.