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BURGKUNSTADT

Rekordergebnis für die Baur-Gruppe

Schuhe und Mode sind die Stärken des Baur Versands. Ein Rekordergebnis präsentierten Albert Klein, Vorsitzender der Geschäftsführung (Mi., und die Geschäftsführer Olaf Röhr (li.) und Patrick Boos. Foto: Gerhard Herrmann

Mit einem Rekordergebnis von 757 Millionen Euro Netto-Umsatz (Vorjahr 667 Millionen Euro) hat die Baur-Gruppe das Geschäftsjahr 2017/2018 abgeschlossen. Das Umsatzplus von 90 Millionen Euro (fast 14 Prozent) ist doppelt so hoch wie geplant. Damit erwirtschaftet die im Online-Handel und im Dienstleistungsgeschäft tätige Tochter der Otto-Group eine Rendite von fünf Prozent. „Wir wollen weiter wachsen“, betonte teilte Albert Klein, Vorsitzender der Geschäftsführung, bei der Jahrespressekonferenz am Dienstag.

Drei bis fünf Prozent Umsatzwachstum peilt Baur im nächsten Jahr an. Das beflügelt auch den Personalbedarf des größten Arbeitgebers im Landkreis Lichtenfels. So wurden 157 neue Mitarbeiter vor allem in der Logistik eingestellt, so dass das Unternehmen 4069 Beschäftigte (davon 3664 in Oberfranken) hat.

Erfolgsmotor des Baur-Geschäfts ist der Online-Handel, der inzwischen rund 90 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet. So habe die Baur-Shopping-App, die Ende 2016 eingeführt wurde, aus dem Stand für zweistellige Millionenumsätze gesorgt. Über 300 000 Kunden haben die App bereits installiert. Davon 56 Prozent auf dem Smartphone.

„Online-Handel ist die Zukunft“, betonte Albert Klein. Diesen Schwung will der Firmenchef nutzen, um das angestrebte Wachstum auch profitabel zu gestalten. „Baur spielt zwar nicht in der absoluten Spitzengruppe, zählt aber klar zum etablierten Kreis der Bundesliga im deutschen E-Commerce“. Durch Investitionen in Technik und Kunden (im vergangenen Jahr ein zweistelliger Millionenbetrag) sowie die Chancen im Konzernverbund der Otto Group gelinge es, der Konkurrenz von Branchenriesen wie Amazon zu trotzen.

„Unser Ziel ist es zu wissen, was unsere Kundin braucht.“
Albert Klein, Vorsitzender der Geschäftsführung

„Unser Ziel ist es zu wissen, was unsere Kundin braucht“, so Klein. Dabei konzentriere sich Baur auf Frauen zwischen 40 und Mitte 50 Jahren mit Angeboten im Bereich Mode und Wohnen.

„Auch wenn fast 90 Prozent des Umsatzes digital erwirtschaft wird, ist Baur noch lange nicht zu 90 Prozent digitalisiert“, erklärt Patrick Boos, Geschäftsführer für Marke und Vertrieb. Der 51-Jährige verstärkt die Baur-Spitze seit einem halben Jahr mit seinen Erfahrungen aus der digitalen Welt (vorher war er bei eBay, Ringier Axel Springer Media AG, Accenture tätig). Zur Verbesserung der Kundenzufriedenheit sollen nicht nur technische Voraussetzungen, wie die Ladezeit der Homepage verbessert werden, sondern das Online-Shopping durch Attraktionen wie etwa Mode-Blogs zu einem Erlebnis gemacht werden.

Besonders erfreulich sei der Wachstumskurs des Kernunternehmens Baur (sechs Prozent Umsatzplus) nach einer Umsatzdelle im vorigen Jahr durch neue Kunden vor allem beim Online-Shopping (14 Prozent plus), betonte Klein. „Bei Baur stimmt die Richtung. Wir gewinnen wieder mehr Kunden und haben unsee Online-Ausrichtung weiter forciert“, erklärte er. Bei der Damenoberbekleidung sei der Umsatz um sechs Prozent gestiegen, beim Wohn-Sortiment um 13 Prozent. Die Wachstumsziele übertroffen habe die österreichische Tochter Unito mit 23 Prozent. Zusammen mit Otto Österreich und Quelle sowie einem Online-Shop in der Schweiz seien zwei Drittel der Zuwächse im internationalen Geschäft erwirtschaftet worden.

Weiterer Logistikstandort in NRW

Erfreulich habe sich auch das Dienstleistungsgeschäft als zweites Standbein der Baur-Gruppe entwickelt, so Albert Klein. Zu dem zweistelligen Umsatzwachstum bei Baur Fulfillment Solutions (BFS) hätten große Bestandskunden wie s.Oliver ebenso beigetragen wie neue Klienten. Wegen des Wachstums (21 Millionen Warenbewegungen, acht Millionen Callcenter-Kontakte, 4,5 Millionen Kundenkontakte im Warenmanagement im Jahr) stoße BFS in der Region an Grenzen, erläuterte Olaf Röhr, Geschäftsführer für Abwicklung und Dienstleistungen. Pläne wegen eines zusätzlichen Standorts hätten allerdings keine negativen Auswirkungen auf den Betrieb in Weismain: „Wir zielen auf einen Standort in Nordrhein-Westfalen, wo es auch leichter ist, Mitarbeiter zu finden.“

Mit dem neuen Kunden About You stehe auch die Baur-Logistik vor einem Wachstumsschub. Die Logistik des aufstrebenden Start-ups solle ab 2019 in Altenkunstadt abgewickelt werden. „Wir sichern damit auf Jahre Arbeitsplätze“, betonte Albert Klein.

Einen Quantensprung für die Region könnte auch der Ausbau des Wissenschaftscampus E-Commerce bringen, den Baur in Burgkunstadt ins Leben gerufen hat. In diesem Gemeinschaftsprojekt von Unternehmen, Wissenschaft und Forschung wird zurzeit das erste Labor zum Thema „Virtual & Augmentet Reality“ aufgebaut. Dort sollen Lösungen für virtuelle Wohneinrichtungen oder virtuelle Umkleidekabinen entwickelt werden. Neben der Universität Bayreuth und dem Fraunhofer Institut beteiligen sich fünf Unternehmen.

Berufsbild Kaufmann im E-Commerce

Eine Investition in die Zukunft der Region sei auch der neue Ausbildungsberuf Kaufmann im E-Commerce, der an der Berufsschule Lichtenfels ab September unterrichtet werden soll. Baur als Impulsgeber für das neue Berufsbild will im ersten Jahr sechs E-Commerce-Kaufleute ausbilden.

Als Motor des Wachstums würdigte der Baur-Chef die Mitarbeiter und ihr Engagement. Mit einem großen Sommerfest für alle Beschäftigten soll das Rekordergebnis am 8. Juni gefeiert werden.

Das Geschäftsjahr 2017/18

Netto-Umsatz: 757 Millionen Euro (Vorjahr: 667 Millionen Euro)

Umsatzrendite: fünf Prozent

Mitarbeiter: 4069 (Vorjahr: 3912), davon 3664 in Oberfranken und 405 bei der österreichischen Tochter Unito

Die Baur-Gruppe gehört zur Otto-Group. Der Unternehmensverbund konzentriert sich auf den Online-Handel und handelsnahe Dienstleistungen. Kernunternehmen ist Baur mit dem Onlineshop www.baur.de.

Von unserem Redaktionsmitglied Gerhard Herrmann

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