KLOSTER BANZ

Zukunft braucht Menschlichkeit

Die für 70 Jahre Mitgliedschaft geehrten Gründungsmitglieder (v.li.

Zukunft braucht Menschlichkeit: Das ist ein Slogan des Sozialverbandes VdK. Dass in dieser Aussage viel Inhalt steckt, zeigte das Jubiläum 70 Jahre VdK-Kreisverband Lichtenfels in beeindruckender Weise auf. Im Kaisersaal von Kloster Banz lobten alle Redner die großartige Arbeit des Verbandes.

Zu diesem Jubiläum konnte der Kreisvorsitzende Heinz Wittmann die VdK- Präsidentin Deutschlands und Landesvorsitzende Bayerns, Ulrike Mascher, begrüßen. Eingeleitet wurde der würdige Festakt durch das Streichquartett der Familie Förner aus Lichtenfels und Mozarts Allegro aus KV 157. Überhaupt konnten die vier Streicher mit wunderbarer Musik die Feier gekonnt begleiten.

In seiner Chronik über die letzten 70 Jahre konnte Heinz Wittmann den Werdegang des ehemaligen Verbands der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschland e.V. zum modernen Sozialverband im Landkreis Lichtenfels beschreiben. Im Jahr 1945 standen die Menschen vor einem Trümmerhaufen. Um die Not der Kriegsopfer zu lindern, wurde 1946 der VdK- Verband Bayern gegründet. Nach dieser Gründung schritt die flächendeckende Entwicklung der Organisation explosionsartig voran.

So gründeten sich im Landkreis Lichtenfels 1947 fünfzehn Ortsverbände. Altenkunstadt, Bad Staffelstein, Burgkunstadt, Ebensfeld, Hochstadt, Itzgrund, Lichtenfels, Mainroth, Marktzeuln, Michelau, Redwitz, Schney, Schwürbitz, Seubelsdorf und Weismain. Dies machte die Schaffung eines Kreisverbandes nötig.

Der Kreisverband hat sich im Dezember 1947 einem Jahr nach der Gründung des VdK-Bayerns konstituiert. Das erste Protokoll vom 8. Mai 1948 weißt Theodor Lankes als Kreisvorsitzenden aus. Mit Lautergrund und Marktgraitz kamen die nächsten Verbände dazu und am 24. Juli 1948 wurde mit Josef Sille ein neuer Vorsitzender gewählt. Die Geschäftsstelle war zunächst in der Korbfachschule Lichtenfels untergebracht 1952 zog man in neue Räume der Gastwirtschaft Böttner um.

In den Anfangsjahren gab es viele Veränderungen im Kreisvorstand. 1950 waren nun 28 Ortsverbände dem Kreisverband Lichtenfels angehörig. Die Verbände Itzgrund und Neuensorg, die wegen der Gebietsreform in den 70-er-Jahren zum Landkreis Coburg gehörten, blieben dem Kreisverband Lichtenfels jedoch treu.

„Im Mittelpunkt des Denkens und Handelns muss immer der Mensch stehen. Egal welcher Nationalität, ob arm ob reich, ob gesund oder arm, ob Alt oder Jung. “
Heinz Wittmann, VdK-Kreisvorsitzender

In den 1950-er Jahren kamen oft über 30 Hilfesuchende in die Kreisgeschäftsstelle an einem Tag. Rentenangelegenheiten, Widerspruchsverfahren und Klagen wurden beim Sozialgericht eingereicht. Auch in den folgenden Jahren wechselten die Kreisvorsitzenden. 1958 bestand der Kreisverband Lichtenfels aus 2864 Mitgliedern, die sich aus 1212 Kriegsbeschädigten, 1376 Hinterbliebenen, 250 Sozialrentnern und 26 Zivilbeschäftigten zusammensetzten.

Der im damaligen Landkreis Staffelstein gegründete Kreisverband und der Lichtenfelser Kreisverband wurden 1960 zusammengeschlossen. Die erste langjährige Tätigkeit als Kreisvorsitzender wurde in 15 Jahren zwischen 1964 und 1979 Martin Tischer zu Teil. 1981 wurde dann der unvergessene Walter Großmann zum Vorsitzenden gewählt. Er hatte das Amt bis zu seinem Tode 2007 inne. Seit 2009 ist Heinz Wittmann als Vorsitzender tätig. Am längsten als Kreisgeschäftsführer fungierten von 1961 bis 1981 Michael Schubert, von 1981 bis 1995 Wolfgang Dietzel und seit 2002 leitet Peter Groh die Geschäftsstelle.

Weitere wichtige Ereignisse waren der Umzug aus der Kronacher Straße in das neu eingerichtete Haus in die Viktor von Scheffel-Straße 27 im Jahre 1993. Was immer eine Leitlinie in den vergangenen 70 Jahren war, so Wittman, es galt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Diese zu achten und zu schützen muss wieder mehr Verpflichtung sein und dies wieder im verbesserten Maße forderte Heinz Wittmann am Ende seiner Ausführungen. „Im Mittelpunkt des Denkens und Handelns muss immer der Mensch stehen. Egal welcher Nationalität, ob arm ob reich, ob gesund oder arm, ob Alt oder Jung.“ Der VdK stehe für soziale Gerechtigkeit und Verträglichkeit.

Mit Bazillus VdK „infiziert“

Der stellvertretende Bürgermeister Bad Staffelsteins, Hans-Josef Stich, erklärte, dass sich die 70-jährige Arbeit des VdK-Kreisverbandes kaum in Worte fassen lasse. Menschen wie Martin Tischer oder Walter Großmann hätten ihn mit dem Bazillus VdK infiziert, sagte der Lichtenfelser 3. Bürgermeister, Winfried Weinbeer. Deshalb sei er bis heute immer noch gerne dabei.

Bundestagabgeordnete Emmi Zeulner freute sich über die Menschen, die in den Verbänden wertvolle Arbeit verrichten. Pflege koste Geld deshalb muss dieses Thema weiter voran getrieben werden. Landrat Christian Meißner sah die VdK-Verbände als starke Gemeinschaften, in denen nicht der einzelne im Mittelpunkt stehe, sondern das Wir-Gefühl.

Vdk-Bezirksgeschäftsführer Roland Sack meinte, dass die Zahl 70 schon ein wenig nachdenklich mache. Mit 70 sei man im Regelfall im Rentenalter. Dennoch solle man sich politisch einmischen, damit die entsprechenden Themen im sozialen Bereich weiter getragen werden.

Wiederaufbauleistungen

VdK Präsidentin Ulrike Mascher freute sich über den Kreisverband Lichtenfels. Sie erinnerte an die Wiederaufbauleistungen der Nachkriegsgeneration. Dies hätten Menschen geschafft, die heute für 70 Jahre Mitgliedschaft im VdK geehrt werden. Auch die folgenden Jahre seien vom der Vdk mitgetragen worden: Bundesversorgungsgesetz, Körperbehindertengesetz, Benachteiligungsverbot, Bundesbehinderten-Gleichstellungsgesetz seien Begriffe, die die Handschrift des Vdk tragen. Der Vdk sei aber auch nötig, damit die Gesetze, die diese Begriffe in sich haben, den Alltag erreichen.

Ehrungen

Vorsitzender Heinz Wittmann und Präsidentin Ulrike Mascher zeichneten für ihre 70-jährige Treue und Mitarbeit beim VdK-Kreisverband aus: Reinhard Beck, Berta Palm, Georg Bischoff, Phillipp Dumproff und Andreas Gutgesell. Sie bezeichneten sie als „Kämpfer der ersten Stunde“.