LICHTENFELS

Jetzt wird Lage der Kanäle ermittelt

Um die genaue Lage und die Schäden in den historischen Kanälen unter Klosterlangheim zu ermitteln, beschloss der ...

„Wir müssen wissen, wo genau die Kanäle unter Klosterlangheim verlaufen, wie ihr Zustand ist und welche Schäden mittlerweile entstanden sind“, betonte Erster Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) bei der Stadtratsitzung am Montagabend. Dem schlossen sich die Mitglieder des Gremiums an und stimmten unisono eine Bestandserhebung der „unterirdischen Wasserführungsstollen beziehungsweise Kanalführungen“ unter dem Lichtenfelser Stadtteil. Die Kosten dafür liegen bei etwa 95 000 Euro.

Das Stadtoberhaupt ging zuvor noch einmal ausführlich auf den Verlauf der Untersuchungen in den Kanälen unter Klosterlangheim ein, deren erste Ergebnisse am 5. März bei einer Bürgerversammlung den Anwohnern vorgestellt worden waren (siehe OT-Ausgabe vom 7. März: „Massive Schäden an Klosterkanälen“).

Im März 2017 stieg laut Hügerich ein Experte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege erstmals in den Untergrund. Er sollte ermitteln, ob durch den Schwerlastverkehr auf der durch den Ort führenden Staatsstraße 2203 Schäden an den anliegenden Anwesen entstünden.

Wasserschäden an Gebäuden

Ans Tageslicht kam der bedenkliche Zustand der Kanäle, der unter anderem zu Wasserschäden an Gebäuden wie dem Heimatmuseum geführt habe. An zwei Stellen direkt neben der Staatsstraße bestehe zudem der Verdacht, dass hier ein so genannter Tagesbruch zu einem Einsacken des Bodens führen könne. „Hier gibt es jeweils zwei Wellen in einer Wiese. Am Donnerstag werden wird das Bauamt mit dem Landesamt für Denkmalpflege feststellen, ob sich der Verdacht bestätigt“, so der Bürgermeister.

Hügerich sagte, dass im Jahr 2001 im Zuge der Hochwasserfreilegung eine Karte des Kanalsystems unter Klosterlangheim erstellt worden sei, die mit der im letzten Jahr erstellten Karte nicht identisch sei. „Die aktuelle Darstellung ist mit den modernsten digitalen Messungen angefertigt worden, die es vor 17 Jahren noch nicht gegeben hat“, erklärte der Rathauschef die Unterschiede.

120 Abzweigungen

Problematisch sei, dass damals etliche Nebenleitungen nicht erfasst worden seien, die nun aber ermittelt werden müssten. „Bei der Untersuchung im letzten Jahr wurden 120 Abzweigungen und Kanäle festgestellt“, ergänzte hier Rudi Breuning (SPD).

„2001 ging es um die Hochwasserfreilegung. Wenn damals Fehler gemacht worden sind, machen wir heute aber niemandem einen Vorwurf“, betonte Hügerich.

„Wir müssen erst einmal unter der Erde nach dem Rechten sehen und die Schäden beheben, bevor wir über der Erde mit der Arbeit beginnen.“
Andreas Hügerich, Erster Bürgermeister

Wie hoch die Kosten für eine Sanierung der Klosterkanäle und die an Gebäuden entstandenen Schäden sei, lasse sich jetzt noch nicht sagen. Auch wer die Mängel zahlen soll, ist unklar. Klar ist, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 im Ort vorläufig aufrecht erhalten bleibt. Weitere Untersuchung im Untergrund würden zeigen, ob auch eine Tonnage-Beschränkung für Fahrzeuge notwendig sei.

Sicher ist dem Bürgermeister zufolge aber, dass die für dieses Jahr angedachte Dorferneuerung verschoben wird. „Wir müssen erst einmal unter der Erde nach dem Rechten sehen und die Schäden beheben, bevor wir über der Erde mit der Arbeit beginnen“, so Hügerich. Er dankte besonders den Einwohnern des betroffenen Ortsteils für ihre Unterstützung bei der Kanalerkundung und ihr Verständnis bei der Bürgerversammlung vor einer Woche.

Bernhard Christoph (Bündnis 90 / Die Grünen), selbst Bauingenieur und als Klosterlangheimer nach eigener Aussage mit dem Untergrund seines Heimatortes vertraut, nahm das für die Hochwasserfreilegung im Jahr 2001 zuständige Bauamt in Schutz: „Der damalige Plan, der jetzt veröffentlich wurde und der vom neuen Plan abweicht, sollte nur die Sanierung und Hochwasserfreilegung des Tempelgrabens zeigen. Darin sind bewusst die ganzen Abzweigungen und Seitenkanäle nicht berücksichtigt worden“, betonte der renommierte Hobbyarchäologe. Es gebe Pläne, die die Seitenkanäle zeigen. Christoph mahnte, an den acht Stellen, an denen Straßen das Kanalsystem kreuzen, besondere Vorsorge zu tragen.

„Um die unteririschen Anlagen zu sanieren, brauchen wir nicht nur ein Gutachten der Denkmalpflege, sondern es müssen ingenieurmäßig die Gefahrenquellen ermittelt werden“, betonte der Stadtrat aus Klosterlangheim. Des Weiteren müssten Fehler, die 2001 gemacht worden seien, wie der Verzicht auf ein Absetzbecken für Schlamm, bei der kommenden Sanierung vermieden werden.

Raser zur Verantwortung ziehen

Roland Lowig (Wählervereinigung Leuchsental-Jura) mahnte an, das Geschwindigkeitslimit genau zu überwachen. „Ich wurde nämlich von Anwohnern angesprochen, dass sich viele Autofahrer nicht daran halten. Und wer Tempo 30 fährt, muss mit Nötigung wie dichtem Auffahren oder Lichthupe rechnen. Wir sollten dafür sorgen, dass hier endlich einmal Raser geblitzt werden“, forderte Lowig.

Bürgermeister Hügerich betonte, dass derzeit schon Geschwindigkeitsmessungen stattfänden. Sollte dabei herauskommen, dass sich die Autofahrer nicht ans Limit halten, werde man eine Verkehrsüberwachung anfordern.