LICHTENFELS

Angst vor Hundehassern geht um

Leidensgeschichte: Nachdem ihr Schäferhund „Bandit“ Gift verschluckt hat, kämpft Sonja Rongstock aus ...

Schäferhund „Bandit“ ist der Sonnenschein von Sonja Rongstock und ihrem Ehemann. Um das Leben des eineinhalb Jahre alten Rüden kämpft die 52-Jährige aus Marktzeuln seit über einer Woche. Nach einem Spaziergang, bei dem er am Marktzeulner Sportplatz etwas gefressen hatte, begann der Hund zu wimmern und bekam starken Durchfall. Offenbar hatte er einen ausgelegten Giftköder gefressen. Das ist kein Einzelfall. Bei Tierfreunden im Landkreis geht die Angst um, doch bisher haben die wenigsten von ihnen Anzeige erstattet. Stattdessen rufen sie in den „sozialen Netzwerken“ zur Vorsicht auf.

Wegen innerer Blutungen wurde „Bandit“ fünf Tage lang in der Tierärztlichen Klinik Schille behandelt und bekam Transfusionen. Nach einer Woche schien es aufwärts zu gehen und er fraß wieder eine Kleinigkeit. Doch dann musste er wieder in Behandlung, hing am Tropf. Nach einer Operation und Darmspülung in der Tierarztpraxis Alexandra Samonina in Michelau scheint es ihm etwas besser zu gehen. Doch sein Frauchen bangt weiter um ihn.

„Ich verstehe nicht, warum jemand einem unschuldigen Tier so etwas antut.“
Sonja Rongstock, Hundehalterin aus Marktzeuln

„Warnt alle Leute, die Hunde haben“, appelliert Sonja Rongstock auf Facebook. „Achtung an alle Hundebesitzer im Raum Lichtenfels: es werden immer mehr Fälle, in denen Hunde mit Giftködern vergiftet werden“, schreibt sie. Es seien bereits fünf Hunde in Schwürbitz, Marktzeuln und Hochstadt vergiftet worden. Anzeige bei der Polizei hat sie noch nicht erstattet, weil sie mit den Tierarztbesuchen beschäftigt ist, aber am Montag hat sie die Gemeindeverwaltung über den Vorfall informiert. Und die Gemeinde hat die Polizei eingeschaltet. „Ich verstehe nicht, warum jemand einem unschuldigen Tier so etwas antut“, sagt Sonja Rongstock. Aufgrund des Geländes am Sportplatz, wo „Bandit“ das Gift aufgeschnappt hat, geht sie davon aus, dass es dort nicht ausgelegt wurde, um Ratten zu töten, sondern um Hunden zu schaden. Neben der Angst um das Leben ihres Lieblings bereitet ihr auch die Belastung durch die Tierarztrechnungen Sorge, die voraussichtlich im vierstelligen Bereich liegen werden.

Glück im Unglück hatte der Labrador „Shila“ von Nicole Eber aus Obersdorf, der am 18. Januar beim Spaziergang am Ortseingang von Hochstadt in Richtung Trieb einen Giftköder gefressen hat. Was der zwei Jahre alte Hund am Rand des Wegs neben der Bundesstraße gefressen hat, weiß die Besitzerin nicht. Doch wenig später begann der Labrador vor Schmerzen zu wimmern und übermäßig viel Speicheln lief ihm aus dem Maul. Auf dem Weg zum Tierarzt erbrach sich „Shila“ mehrmals und würgte dabei offenbar einen Großteil des Gifts wieder aus. Nach einer Transfusion ging es ihr wieder besser. „Sie hat's mit Ach und Krach überlebt und jetzt geht's ihr wieder gut“, sagt Nicole Eber. Anzeige hat sie nicht erstattet, da sie wenig Aussicht auf Erfolg sieht.

Verdächtige Substanz auf Spielplatz

Die Polizei und die Stadtverwaltung alarmiert hat dagegen Katja Wittmann, als sie auf dem Spielplatz an der Elisabethenstraße am 4. und 6. Januar einige Brötchen mit Eiern und Wurst fand, die wie für eine Fütterung zerhäckselt worden und von einer milchigen Flüssigkeit bedeckt waren. Sie waren an Bäumen ausgelegt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Kinder zugegriffen hätten.

Eine Untersuchung im Landratsamt habe jedoch den Verdacht auf Gift nicht erhärtet, teilt Jürgen Hagel von der Polizeiinspektion Lichtenfels mit. Weitere Beobachtungen von Hundebesitzern, die Fleischreste mit verdächtigen Anhaftungen auf dem Fußweg von dem Spielplatz in Richtung Klinikum und Wurststücke, die mit Rasierklingen präpariert gewesen sein sollen, im Rießnerpark gefunden haben wollen, kann die Polizei nicht bestätigen. Auch Warnungen auf Facebook vor Giftködern in Schwürbitz und Redwitz schlugen sich nicht in Form von Anzeigen nieder.

„Zurzeit liegen keine Meldungen über Giftköder vor“, erklärt Jürgen Hagel am Montag. Mehrere Giftfunde gab's vor einigen Jahren bei Redwitz. Zwar sei der Täter nicht ermittelt worden, doch aufgrund des Fahndungsdrucks sei auch kein Gift mehr aufgetaucht. Wegen eines Giftköders, den ein belgischer Schäferhund auf einem Spazierweg entlang der Bahnlinie zwischen Reundorf und Vierzehnheiligen aufgeschnappt hatte, war im März 2015 Anzeige erstattet worden. Zahlreiche Fälle wurden im Kronacher Raum in jüngster Zeit angezeigt.

Die Möglichkeiten der Polizei seien in solchen Fällen begrenzt, wenn keine Hinweise von Zeugen vorliegen, bedauert Jürgen Hagel. Daher setzten die Beamten auf Prävention in Form von Warnungen an die Hundehalter und vermehrten Fußstreifen in den betroffenen Gebieten.

Ermittelt werde in solchen Fällen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und vorsätzlicher Sachbeschädigung. Bei einer Verurteilung müsste der Täter wohl mit einer Geldstrafe rechnen. Ein Tierhasser, der in Gärtenroth drei Hunde vergiftet hatte, wurde 2016 wegen der Schwere der Tat zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 3000 Euro Geldauflage verurteilt.

In der Tierärztlichen Klinik Schille und in der Tierarztpraxis Samonina sind zwei Fälle von Vergiftungen bekannt. Von einer Serie will Dr. Susanne Schille allerdings nicht sprechen. Regelmäßig komme es nach solchen Vorfällen zu Warnaufrufen im Internet, doch belegt seien sie oft nicht.

In einem der aktuellen Fälle habe Rattengift innere Blutungen ausgelöst (Symptom: Teerstuhl), im anderen ein Giftköder mit einer Chemikalienverbindung, zu der auch das als „Schwiegermuttergift“ bekannte E 605 gehört (Symptome: Krämpfe, übermäßige Speichelbildung, Erbrechen).

Hunde beim Gassigehen anleinen

Zur Vorbeugung empfiehlt die Tierärztin, Hunde beim Ausführen anzuleinen und sie keine Gegenstände aufnehmen zu lassen. Rattengift sei oft auch an der bunten Färbung zu erkennen. Beim Beseitigen von Erbrochenem sollten sich die Halter mit Handschuhen schützen.