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SCHWÜRBITZ

Auch im Bundestag zu finden

Dampfend und tropfend kommt der Korb mit dem frisch gefärbten Garn wieder zum Vorschein. FOTOs: Denise Burkhardt Foto: Denise Burkhardt

Wenn Sie das nächste Mal zur Bank gehen, in die Ferien fliegen, im Bundestag sitzen oder zu einem Scheich in dessen Privatjet einsteigen, werfen Sie mal einen bewussten Blick auf den Teppichboden. Der könnte nämlich aus Schwürbitz sein. Genauer gesagt könnte das Material für den Teppich, das Garn, in Schwürbitz verarbeitet worden sein.

In der Firma Weber Textilveredelungs-GmbH dreht man den passenden Zwirn, färbt das Garn und verleiht ihm die gewünschten Eigenschaften. Am Ende bekommt der Kunde fertige Spulen, die er in Webstühle einsetzen kann. Die Webereien liegen in Deutschland und den daran angrenzenden Ländern. Nach abgeschlossener Produktion findet man das Garn in Teppichen auf der ganzen Welt wieder, unter anderem im Flughafen Singapur und in der Salzburger Residenz. Die Firma produziert für Flugzeuge, Hotels, Kaufhäuser, Banken.

Eine Nische gefunden

Hergestellt wird auch sogenanntes Kettelgarn, das später als Einfassung für Auto- oder Treppenstufenmatten dient. „Es sind alles Einzelanfertigungen“, sagt Geschäftsführer Jan Bergler. Die Firma stellt keine Standardware her. „Wir sind in einer Nische, die ganz selten ist“, erklärt Bergler. Denn sie produzieren in Schwürbitz ganz genau nach Kundenwunsch.

Alles beginnt mit einem dünnen, weißen Faden. Den bekommt die Firma angeliefert, entweder aus Schafswolle oder Polyamid. Der Kunde kann die Stärke bestimmen, die Farbe und andere Eigenschaften wie zum Beispiel Standfestigkeit, Reib- und Lichtechtheit oder Klimaverhalten. Das Garn, das später in den Flugzeugen eingesetzt wird, bekommt zum Beispiel einen Flammschutz, dagegen wird das Material für den Teppich in einem Flughafen-Tower besonders leitfähig gemacht, damit die Elektrizität im Falle eines Blitzeinschlages abgeleitet werden kann.

Die Fasern werden zu einem Zwirn gedreht, zum Beispiel werden dafür ein grauer, ein hellblauer und ein dunkelblauer Faden zusammengenommen. Eine Maschine sortiert sie quasi vor, legt dafür diese drei Fäden parallel.

Auch unterschiedliche Fasern können zu einem Zwirn vereint werden, zum Beispiel zwei Wollfäden und ein Polyamidfaden. Besonders knifflig dabei: Da die Materialien unterschiedliche Elastizitätseigenschaften aufweisen, muss das bei der Einstellung der Maschinen berücksichtigt werden.

Je nachdem, ob die Fäden verschiedene Farben haben sollen oder ein einfarbiges Garn gewünscht wird, kann man am Beginn oder Ende des Produktionsvorgangs färben. Auch hier gilt: „Wir färben nur nach Kundenwunsch. Wir haben keine Standardfarben“, so Bergler. Er vergleicht das Färben mit Kochen. Irgendwann bekäme man ein Bauchgefühl, was die Zusammensetzung angehe. „Es sind Erfahrungswerte.“ Der Garnstrang kommt zum Färben in große Körbe oder Kammern, wo er mit dem Farbwasser in Kontakt kommt.

„Wir halten die Chemikalienmenge klein. Nur das Nötigste haben wir drin“, erläutert Bergler. In einem Färbegang, der vier bis fünf Stunden dauert, können drei bis 600 Kilogramm Garn bearbeitet werden. Dampfend und tropfend kommt der Korb wieder zum Vorschein. Das Garn wird geschleudert und mit Umluft getrocknet.

Wichtig ist dabei: Das Garn soll für den Erhalt der hohen Qualität nicht plattgedrückt werden, sondern seine runde, luftig-weiche Form behalten. Schließlich kommt das Garn wieder auf eine Spule und kann zur Weberei weitertransportiert werden.

Blick in Firmenchronik

Mit Jan Bergler, der zusammen mit seinem Vater Gerhard Bergler die Geschäfte führt, ist die Firma in der fünften Generation angekommen. Johann Weber Senior hatte 1893 ursprünglich mit einer Korbwarenfirma begonnen. In den 1980-er Jahren wechselte Gerhard Bergler dann in die Textilveredelungsbranche. Heute arbeiten in der Schwürbitzer Firma 52 Personen. Über seine Arbeit sagt Jan Bergler: „Der Beruf ist sehr schön. Es ist keinen Tag gleich.“ Und schließlich hat es auch etwas für sich, das Produkt, an dem man mitgearbeitet hat, auf der ganzen Welt wiederzufinden.

Eine Mitarbeiterin misst, wieviel Garn schon auf der Spule ist. Foto: Denise Burkhardt

Von unserer Mitarbeiterin

Denise Burkhardt

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