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ZAPFENDORF

Zapfendorf: Kein MVZ, sondern betreutes Wohnen?

Zapfendorf: Kein MVZ, sondern betreutes Wohnen?
Filetstück im Herzen von Zapfendorf: das Hofmannn-Gelände. Foto: M. Drossel

Ein Leuchtturmprojekt für die gesamte Region. So hatte Stadtplaner Markus Schäfer, der maßgeblich für die Erstellung des Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (SEK) in Zapfendorf verantwortlich war, im Jahr 2014 den Bau eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) auf dem Hofmann-Gelände bezeichnet. Ein MVZ gibt es aber immer noch nicht. Kommt nun etwas ganz anderes?

Konzepte erstellt, Investoren gesucht, viele Gespräche geführt

Zapfendorf: Kein MVZ, sondern betreutes Wohnen?
Eine der von Joachim Schlund vorgestellten Varianten für den Wohnpark Am Brauhaus. Foto: Architekturbüro Schlund Bad Staffelstein

In den vergangenen Jahren hat der Markt Zapfendorf Konzepte erstellen lassen, nach Investoren gesucht, viele Gespräche geführt. Bislang waren die Bemühungen auf dem Weg zu einem MVZ aber nicht erfolgreich. Ein Antrag des Vereinten Umlands aus dem Jahr 2019 gab vor, auch nach Alternativen für das Hofmann-Gelände zu suchen, das sich schon seit einigen Jahren im Besitz der Gemeinde befindet und brach liegt. Architekt Joachim Schlund aus Bad Staffelstein präsentierte daher den Gemeinderäten in der jüngsten Sitzung eine neue Idee.

Schlunds Architekturbüro, das aus dem Hotelbau kommt und in den vergangenen Jahren zahlreiche Seniorenheime errichtet hat, ist zudem auf Anlagen für betreutes Wohnen spezialisiert. Im nahen Kemmern hatte Joachim Schlund erst wenige Tage zuvor im Rahmen des Mehrgenerationen-Zentrums ein Konzept für betreutes Wohnen vorgestellt.

Das historische Brauhaus gelte es zu erhalten

Nun also Zapfendorf. Auf dem Hofmann-Gelände, so Schlund, gelte es, das historische Brauhaus zu erhalten und beispielsweise zum einem Quartierhaus umzubauen – dafür wäre die Gemeinde zuständig. Unter dem Motto „Zuhause in den eigenen vier Wänden im Wohnpark Am Brauhaus“ könnten auf dem Grundstück drei jeweils dreigeschossige Gebäude errichtet werden, um so bis zu 36 Wohnungen für betreutes Wohnen (ausgeführt als Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen) unterzubringen.

Drei verschiedene Varianten hatte Schlund dabei. Möglich wäre auch, im Gebäude entlang der Hauptstraße Flächen im Erdgeschoss freizuhalten, etwa für eine Arztpraxis oder einen Physiotherapeuten. „Wir könnten das Projekt in mehreren Bauabschnitten verwirklichen, wenn sich auch gezeigt hat, wie hoch die Nachfrage ist“, so Schlund. Das Brauhaus diene nicht nur als Treffpunkt für die Bewohner, sondern für alle Zapfendorfer und könne auch für Veranstaltungen genutzt werden.

Arbeitskreis als Weg zu einer Lösung?

Nach Schlunds kurzer Präsentation startete eine intensive Diskussion im Gemeinderat. Zwar bekam Schlund Lob für die generelle Idee, der Standort wurde aber mehrfach kritisiert. Und auch der fehlende MVZ-Ansatz. „Im Zentrum stand bisher immer ein MVZ, das mit sozialen Komponenten angereichert werden sollte. Ich sehe daher nicht, wie das Konzept zur seit Jahren verfolgten Leitidee passt“, meinte etwa Mona Bahr (Zukunft Zapfendorf, ZuZ).

Auf Nachfrage von Gemeinderat Roland Buckreus (CSU) erklärte Schlund, die Wohnungen wären Eigentumswohnungen und könnten von Interessenten oder auch Investoren erworben werden. Monatlich von allen zu zahlen wärei eine so genannte „Kümmererpauschale“, da eine Person als Quartiersmanager gebraucht werde – als Ansprechpartner für alle Fragen der Bewohner, die Organisation von Veranstaltungen und Hilfeleistungen.

„Den Ort finde ich aber nicht gut. Das Grundstück ist die letzte Möglichkeit einer

innerörtlichen Entwicklung

in Zapfendorf. Früher wurde hier gefeiert, gekegelt,

sich getroffen.“

Seniorenbeauftragte Klara Ott (CSU), die die Idee bergüßt
Zapfendorf: Kein MVZ, sondern betreutes Wohnen?
Das Wappen der „Drei Kronen Bräu“ in Zapfendorf. Foto: M. Drossel

Klara Ott (CSU) sah die Einrichtung an sich als positiv an – auch in ihrer Rolle als gemeindliche Seniorenbeauftragte. „Den Ort finde ich aber nicht gut. Das Grundstück ist die letzte Möglichkeit einer innerörtlichen Entwicklung in Zapfendorf. Früher wurde hier gefeiert, gekegelt, sich getroffen“, so Ott. Und im Rahmen der Workshops zum Städtebaulichen Entwicklungskonzept sei schon vor Jahren klar geworden, dass die Zapfendorfer genau das wieder wollen – ein Zentrum, einen Treffpunkt.

„In Zapfendorf fehlt außerdem ein Bürgerhaus, ein Raum für Veranstaltungen. Das Konzept eines betreuten Wohnens ist zu wenig für das letzte kleine schöne Stück von Zapfendorf.“ Ott wünscht sich, dass endlich ein Arbeitskreis gebildet werde, bei dem alle mitwirken, die sich auskennen und sich auf dem Gelände als Dienstleister einbringen könnten.

Zapfendorf: Kein MVZ, sondern betreutes Wohnen?
Der Brauerei-Gasthof Hofmann von der Hauptstraße aus gesehen. Foto: M. Drossel

Andreas Hofmann (ZuZ) setzte sich ebenfalls für eine „soziale Mitte, in der sich Generationen treffen und zusammenleben“ ein. Er wolle hier, „zugespitzt ausgedrückt, kein Rentner-Getto“.

Keine Entscheidung für oder gegen das Projekt

Ein Beschluss zum MVZ oder zum betreuten Wohnen fiel nicht. Bürgermeister Michael Senger wies darauf hin, dass die Gemeinde im vergangenen Jahr nicht untätig gewesen sei.

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die Hinteransicht des ehemaligen Brauerei-Gasthof Hofmann Zapfendorf. Foto: M. Drossel

„Es kamen auch Personen auf mich zu, die sich hier wiederfinden könnten – mit Angeboten der Physiotherapie, Logopädie oder Tagespflege.“ Zudem habe er Ärzte kontaktiert, auch aus Nachbargemeinden. Dabei kamen die Ansätze Gemeinschaftspraxis oder Zweigstelle zur Sprache.

 

Von Johannes Michel

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