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EBENSFELD

Wohin mit neuen Photovoltaikanlagen in Ebensfeld?

Wohin mit neuen Photovoltaikanlagen in Ebensfeld?
Die Photovoltaikanlagen bei Oberbrunn (Bild), Eggenbach, Draisdorf und Unterneuses weisen eine Fläche von zusammen rund 35 Hektar auf. Da eine 2018 festgelegte Begrenzung solcher Anlagen auf 40 Hektar bald greift, muss man sich nun mit dieser Regelung beschäftigen. Foto: Mario Deller

Im Zuge der Energiewende ist die Nachfrage nach Flächen für Photovoltaikanlagen größer als die dafür vorgesehenen Anteile des Gemeindegebiets. Im Januar 2018, hatte der Gemeinderat das Ziel definiert, dass maximal ein Prozent der Acker- und Grünflächen im Gemeindegebiet für die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen zugelassen werden, was rund 40,1 Hektar ausmacht. Unter Berücksichtigung der bereits bestehenden Photovoltaik-Anlagen in Eggenbach, Draisdorf, Oberbrunn und Unterneuses mit einer Gesamtfläche von rund 35 Hektar können demzufolge noch Anlagen auf einer Fläche von fünf Hektar errichtet werden.

Derzeit liegen der Verwaltung drei Anträge von Interessenten vor. Um eine möglichst große Transparenz zu erreichen, soll durch eine Veröffentlichung im gemeindlichen Mitteilungsblatt allen interessierten Grundstückseigentümern die Möglichkeit eingeräumt werden, einen Antrag bis zum 29. Dezember zu stellen. Diese Vorgehensweise wurde mit 19 zu einer Stimme beschlossen.

Noch fünf Hektar sind frei, aber ein Interessent will neun Hektar

Wohin mit neuen Photovoltaikanlagen in Ebensfeld?
Nach Anschaffung von I-Pads auf Leasingbasis beschloss der Gemeinderat nun auch, die auch von der Schulleitung befürworteten WLAN-Hotspots für alle Klassenzimmer der Ebensfelder Pater-Lunkenbein-Schule installieren zu lassen. Foto: Mario Deller

Nicht nur Bürgermeister Bernhard Storath war sich bei der Diskussion hierzu im klaren darüber, dass die Ein-Prozent-Regelung nicht in Stein gemeißelt ist, sondern man sich über eine Aufweichung oder andere Kriterien als Maßstab für eine künftige Zulassung von PV-Flächen Gedanken machen müsse. „Das wird in der Zukunft eine erste Entscheidung sein müssen.“, sagte er. Das forderten auch Otto Weidner (Grüne), Bernhardt Gehringer für die CSU-Fraktion oder Christian Böhmer für die Freien Wähler. Heinrich Kunzelmann (Freie Wähler) meinte, dass bei Anträgen auf die Errichtung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen Einzelfallentscheidungen die bessere Lösung wären als die geltende Ein-Prozent-Regelung.

Angesichts der Ein-Prozent-Regelung stellt sich die Frage, wie der Gemeinderat künftig bei Anträgen für Fläche mit mehr als fünf Hektar vorgehen will. Ein Interessent suche ein Gelände von neun Hektar, merkte Bürgermeister Storath an. Der neue Beschluss ermöglicht es, auch solche Anträge zuzulassen und darüber zu befinden. Somit wird die Gemeinde über die Frage der Aufweichung der geltenden Regelung beziehungsweise über die eventuelle Schaffung anderer Kriterien nachdenken müssen.

Wohin mit neuen Photovoltaikanlagen in Ebensfeld?
Nach Anschaffung von I-Pads auf Leasingbasis beschloss der Gemeinderat nun auch, die auch von der Schulleitung befürworteten WLAN-Hotspots für alle Klassenzimmer der Ebensfelder Pater-Lunkenbein-Schule installieren zu lassen. Foto: Mario Dell

Nachdem die Gemeinde Ebensfeld 150 I-Pads für die Nutzung durch Schüler der Pater-Lunkenbein-Schule geleast hat, sollen jetzt WLAN-Spots eingerichtet werden, damit die Schüler im Internet recherchieren können. Rektorin Ursula Hoydem hatte bestätigt, dass eine fest installierte WLAN-Lösung in allen Klassenzimmern für den Unterricht benötigt wird und sinnvoll ist. Die Räte beschlossen die vom Planungsbüro Net Consulting empfohlene Lösung, die rund 14 000 Euro kosten wird.

„Man kann hier von einer sehr geringen Strahlenbelastung sprechen.“
Tobias Walter, Gemeindeverwaltung

Otto Weidner (Grüne) hatte auch eine aus seiner Sicht denkbare LAN-Lösung (also mit Kabelverlegung statt des kabellosen WLAN) ins Spiel gebracht. Er sprach die Frage der Strahlenbelastung an. „Man kann hier von einer sehr geringen Strahlenbelastung sprechen“, erklärte der für technische Angelegenheiten seitens der Gemeindeverwaltung zuständige Tobias Walter. Das WLAN könne von jedem Lehrer sofort heruntergefahren werden, wenn es nicht genutzt wird. Auch die Schulleitung rät von einer Kabellösung ab, die laut Walter zudem nur sehr schwer umsetzbar wäre. Auch Bedenken, Schüler könnten im Unterricht die I-Pads als „Handy-Ersatz“ zweckentfremden, trat Walter entgegen. Es gebe einfache technische Einstellungsmöglichkeiten, durch die die Lehrkräfte sicherstellen können, dass die I-Pads ausschließlich für den Unterrichtszweck nutzbar sind.

Gleichwohl handelt es sich nur um eine Übergangslösung. Im Zuge der Planungen zur Generalsanierung der Pater-Lunkenbein-Schule ist noch eine „große Lösung“ angedacht, um dem digital-technischen Aspekt langfristig Rechnung zu tragen.

Die in Unterneuses ansässige Firma Waves Wassertechnik möchte ihr Betriebsgebäude um ein Bürogebäude mit Ausstellungsfläche sowie Lagerhallen erweitern. Dafür hat sie das benachbarten Grundstück gekauft. Mit 18 zu zwei Stimmen änderten die Räte den dort geltenden Bebauungsplan „Gewerbegebiet Unterneuses-Nord II“ entsprechend. Jetzt folgt die Öffentlichkeitsbeteiligung.

Otto Weidner (Grüne) hatte das Thema Flächenversiegelung angesprochen. Er kritisierte, dass Ausgleichsflächen außerhalb des Gemeindegebiets angesetzt würden, dadurch verliere man über diese den Überblick: „Und das widerspricht nach meinem Dafürhalten auch der Grundidee von Ausgleichsflächen.“

Seit Oktober werden Bescheide für die Verbesserung und Erneuerung der Entwässerungseinrichtungen erlassen. Da mit zahlreichen Widersprüchen zu rechnen ist, wurde vorgeschlagen, die Zuständigkeit für die Bescheide vom Verwaltungsausschuss an den Bürgermeister zu übertragen, um eine zügige Bearbeitung sicherzustellen. Diese Vorgehensweise wurde mit 18 zu zwei Stimmen beschlossen.

Aus dem Gemeinderat

Normalerweise lassen Bürgermeister und Gemeinderäte nach der letzten Sitzung des Jahres dieses in festlichem Rahmen noch einmal Revue passieren, doch normal ist heuer nichts. So gab's heuer nur einige Jahresschlussworte, geprägt von Dankbarkeit und Zuversicht trotz der Ungewissheit.

„Für alle Mitarbeiter war das zu Ende gehende Jahr nicht einfach“, sagte Bürgermeister Bernhard Storath. Er dankte den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung und hob dabei Tobias Walter, hervor, der die in Mutterschutz befindliche Geschäftsführerin der Marktgemeinde, Katrin Lienert, vertritt. „Corona hat uns halt alles Schöne versaut, was das Leben ausmacht“, bedauerte er. Angesichts der bevorstehenden Feiertage mahnte er zur Geduld: „Manche denken jetzt, die Welt geht unter, wenn sie einmal eben nicht wie gewohnt Weihnachten feiern können.“

Trotz der Pandemie sei es gelungen, die Gemeinde wieder ein Stück weiterzubringen. Finanziell sei man heuer „mit einem blauen Auge davon gekommen.“ Besonders dankte er allen, die sich für das soziale Miteinander einsetzen. Das sei angesichts der Kontaktbeschränkungen umso wichtiger.

Mehr denn je komme es 2021 darauf an, mit Weitblick und Augenmaß zu agieren, sagte Christian Böhmer für die Freien Wähler. Im Gemeinderat arbeite man „mit- statt gegeneinander“, lobte Otto Weidner (Grüne). Tobias Engel (SPD) plädierte dafür, den Fokus darauf zu legen, was machbar ist statt darüber zu mäkeln, was derzeit nicht möglich ist.

 

Von Mario Deller

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