aktualisiert:

BAD STAFFELSTEIN

Werkstattgespräch bei der Kunstmesse

Fachsimpelei und Platz zum Sehen und Staunen bei der Kunst- und Verkaufsmesse in Bad Staffelstein. Foto: Werner Diefenthal

Zugegeben, Menschenmassen drängen sich nicht durch die Hallen von Kaiser & Goebel Porzellan in Bad Staffelstein, wo zum zweiten Mal der „Umschlagplatz“, die Kunst- und Verkaufsmesse stattfindet. Doch ein stetiges Kommen und Gehen zeugt vom hohen Interesse an den dort ausstellenden Künstlern und ihren Werken. Dabei ist die Bandbreite dessen, was man zu sehen bekommt, breit gefächert. Und auch die Künstlerinnen und Künstler sind gerne bereit, Auskunft über ihre Werke und ihr Schaffen zu geben. So kommt es zu interessanten Begegnungen und Gesprächen.

Da ist beispielsweise Yannick Moch aus Bad Staffelstein. Seine Kunstwerke bestehen zumeist aus Styropor, die er mittels Lasertechnik und einem heißen Draht zurechtschneidet, zusammensetzt, schleift, bemalt und mit Alltagsgegenständen zu einzigartigen Werken kombiniert. „Damit entsteht eine 3D-Kunst“, lacht er. „Wenn man sie dann mit Licht hinterlegt, entsteht ein eigentümliches Farbspiel.“ Mittels Grafitti-Farben, welche die Oberfläche angreifen und sich hineinätzen, und Farben auf Wasserbasis, die eine glatte Oberflüche bilden, werden diese Kunstobjekte greifbar.

Ausdrucksstarke Skulpturen aus Holz fertigt Silvio Ukat. Foto: Werner Diefenthal

Silvio Ukat sägt Skulpturen aus, Hans-Joachim Bär malt mit Fingern

Weitaus rustikaler sind die Werke von Silvio Ukat. Sein Material: Holz. Und damit sind nicht Äste gemeint, sondern massive Baumstücke, die er mittels kleiner Kettensägen und Schleifmaschinen zu allerlei Kunstwerken umgestaltet. „Das kann durchaus auch mal etwas schwergewichtig sein“, grinst er und deutet auf eine Vierergruppe von Raben. „Auf einen normalen Glastisch würde ich das nicht stellen“, ergänzt er.

Nicht immer erschließt sich dem Auge des Betrachters, was die Werke darstellen. Und das ist auch so gewollt. Es regt die Besucherinnen und Besucher zu Fragen an, die in Gesprächen münden. Wie bei Hans-Joachim Bär aus Ahorn. Der 1958 Geborene zeigt Bilder, die ein Farbenspiel zeigen, teilweise als Relief. Das Besondere: Er malt nur mit den Händen. „Ich liebe es, die Farben zu fühlen. Mittlerweile kann ich sogar spüren, welche Farbe ich in der Hand habe, wenn ich die Augen schließe. Ölfarbe verhält sich anders als Acryl, sie fließt besser.“ Er zeigt auf ein Werk, das ein Relief zeigt. „Das hat fast anderthalb Jahre gebraucht, bis es durchgetrocknet war.“

Yannick Moch aus Bad Staffelstein inmitten seiner Werke. Foto: Werner Diefenthal

Oscar-Preisträgerin Steffi Rodigas hinterfragt die Medienwelt

Direkt daneben stellt Steffi Rodigas, ebenfalls aus Ahorn, aus. Und hier zeigt sich die hohe Qualität, welche die ausstellenden Künstler mitbringen. Steffi Rodigas hat im Juni 2022 einen der begehrten Preise der Kunstszene, den „Oscar of the visual Arts“, in New York gewonnen. Ihre Werke werden in vielen großen Städten weltweit ausgestellt. Mit dem Gemälde „Medienwelt“ zeigt sie eindrucksvoll, wie der Mensch von den sozialen Medien erschlagen wird. Ihr neues Projekt, Art in Art, geht dabei einen anderen Weg. Wie eine Art Puzzle setzt sie einzelne kleine Kunstwerke zu einem großen Bild zusammen. Ein Bild, bei dem der Betrachter immer wieder Neues entdeckt.

Michael R. Kettner zeigt Bilder aus Farbe und Licht. Foto: Werner Diefenthal

Dass man aus Metall Kunst zaubern kann, zeigt Horst W. Wendland. Aus Eisen und Farbe fertigt er einzigartige Figuren, an denen man sich kaum sattsehen kann. Mit Abwandlungen der Bremer Stadtmusikanten oder von Jonas und dem Wal mit dem Titel „Jonas auf dem Weg ins Büro“ sind bei ihm Kunstwerke zu sehen, die man so nicht erwarten würde.

Steffi Rodigas, Gewinnerin des Kunst-Oskars, zeigt ihr Werk „Medienwelt“ Foto: Werner Diefenthal
„Freie Flächen lassen das Licht hindurchscheinen und geben immer wieder neue Effekte.“
Michael R. Kettner, Maler

Farbe und Licht sind bei Michael R. Kettner das Thema. Auf großformatigen Leinwänden bestechen die Bilder durch ihre Farbgebung und die Art der Gestaltung. „Ich kann von meinem Wohnzimmer aus direkt auf das Bild im Atelier schauen. Dann kommen mir neue Ideen und ich weiß, was ich noch verbessern kann“, erklärt er. Es kann allerdings vorkommen, dass am Ende das Gegenteil von dem erreicht wird, was er wollte, ergänzt er. „Dann war die Arbeit leider für die Katz“, lacht er. „Ich habe gelernt, dass man nicht unbedingt die ganze Leinwand mit Farbe füllen muss“, so Kettner weiter. „Freie Flächen lassen das Licht hindurchscheinen und geben immer wieder neue Effekte.“ Dazu nimmt er auch Strukturpaste und Malermörtel. „Wenn der Mörtel trocknet, dann reißt er und das ergibt völlig neue Effekte.“

„Jonas auf dem Weg ins Büro“, so der Titel der Skulptur aus Metall, die Horst W. Wendland hier zeigt. Foto: Werner Diefenthal

Fazit: Die Kunst- und Verkaufsmesse stellt im Veranstaltungskalender von Bad Staffelstein einen Höhepunkt für alle Kunstliebhaber dar. Es ist zu hoffen, dass sie auch im nächsten Jahr wieder stattfindet und noch mehr Besucher anlockt.

 

Von Werner Diefenthal

Weitere Artikel