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VIERZEHNHEILIGEN

Wenn das Lachen im Hals steckenbleibt

Anton Reinhard erkennt beim der Karikatur von Marian Kamensky zusammenhänge mit einem Aufruf gegen die Grünen. Foto: red

Mit einem satirischen Blick sezt sich die Ausstellung „Oh, eine Dummel!“ mit Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus anhand aktueller Beispiel und der Zeit der Flüchtlingskrise auseinander. Sie zeigt im Alltag allzu oft zu vorherrschende Ressentiments, überzeichnet in Karikaturen und Satirebeiträgen. Ja, der Betrachter kann sich oft eines Schmunzelns nicht erwehren. Und das ist nicht schlimm, weil die inhaltliche Ausrichtung der Werke mehr als deutlich ist. In der thematischen Auseinandersetzung bleibt dann kein Platz mehr fürs Lachen. Das Nachdenken und Reflektieren kommt da wie von selbst.

Die evangelische Pfarrerin Anne Salzbrenner vom Aktionsbündnis „Lichtenfels ist bunt“ erläutert, warum gerade auch im Landkreis Lichtenfels ein guter Standort für die Ausstellung ist. Foto: red

Die Bildungs- und Tagungshäuser Vierzehnheiligen sowie der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Diözesanverband Bamberg ermöglichen mit der Ausstellung einen anderen Blick auf Rechtsextremismus. Sie haben die landesweite Wanderausstellung bis zum 5. Oktober ins Haus 1 (ehemals Diözesanhaus) geholt. Zielgruppen sind vor allem Schulklassen von der 9. Klasse und Jugendgruppen. Der Besuch lohnt sich für alle politisch Interessierten, egal welches Alter. Der Eintritt ist frei.

„Gerade in diesem Jahr vor der Bundestagswahl, war es uns nochmals besonders wichtig, gerade Kinder und Jugendliche für das Thema Demokratie und Rechtsextremismus zu sensibilisieren. Dafür läuft bei uns aktuell die Kampagne „Willensstark“, bei der vor allem im Bereich der außerschulischen Bildung Workshops für Kinder und Jugendliche zu diesen Themen angeboten werden“, sagte Sonja Biller, BDKJ-Diözesanvorsitzende, bei der Eröffnung. Es sei wichtig, gerade Kinder und Jugendliche sprachfähig zu machen für die Demokratie und gegen rechte Parolen, denn gerade im Netz werden diese Gruppe explizit angesprochen.

Beim Betrachtenden bleibt den Besuchern das Lachen förmlich im Halse stecken. Foto: red
„Ich kenne Menschen, die lieb und nett sind und dieses Weltbild vertreten. Deshalb bleibt mit bei solchen Karikaturen tatsächlich das Lachen im Halse stecken.“
Anne Salzbrenner, Pfarrerin

Die evangelische Pfarrerin Anne Salzbrenner vom Aktionsbündnis „Lichtenfels ist bunt“ erläuterte, warum die Ausstellung gerade auch im Landkreis Lichtenfels wichtig ist. „Menschenfeindlichkeit, Rechtsextremismus – bei uns nicht! Wie oft habe ich das schon gehört. Ich bin sehr dankbar, dass diese Ausstellung das Thema von der humorigen Seite aufnimmt“, sagte Anne Salzbrenner. Sie ging auf ihre Erfahrungen als Jugendliche in Oberbayern ein: „Jetzt merke ich immer wieder, dass die Karikatur „Herrmanns Weltbild“ (auch in Vierzehnheiligen zu sehen) tatsächlich nicht nur eine gute Satire ist, sondern Realität. Ich kenne Menschen, die lieb und nett sind und dieses Weltbild vertreten. Deshalb bleibt mit bei solchen Karikaturen tatsächlich das Lachen im Halse stecken.“

In den 1990-er Jahren wurden die Russlanddeutschen ausgegrenzt

Anne Salzbrenner ist mit ihren Erfahrungen vor 26 Jahren nach Lichtenfels gekommen und war begeistert, dass es ein Bündnis gegen rechts gab. „Keiner vom Bündnis hätte gedacht, das die Wölfe im Schafspelz wieder auftreten und Stimmung machen – am Obermain genauso wie bundesweit“, sagte Anne Salzbrenner. Das habe 1996 mit dem menschenverachtenden Verhalten gegenüber Russlanddeutschen in Schulen begonnen, bei denen die Lehrer wegschauten, weil sie Angst hatten, dass ihnen die Reifen zerstochen werden. Konfirmanden seien regelmäßig mit blauen Augen zum Unterricht gekommen. Als sie einen Konfirmanden auf seine Springer-Stiefel ansprach, habe der gesagt: „Ich muss mich entscheiden, entweder ich bin bei denen mit Springer-Stiefel und Glatze oder ich geh zu den Türken und den Russen. Zur Zeit sind die mit Glatze halt stärker. Da geh ich halt mit denen, sonst krieg ich auch Schläge.“

Das Thema sei nicht nur virulent, sondern allem Anschein nach eine Krankheit, die nur in verschiedenen Sympomen auftrete. Diese würden in vielen der Karikaturen satirisch dargestellt. „Sie sind aber nicht nur Satire, für mich sind sie Realität.“ Diese Karikaturen böten eine fantastische Möglichkeit aufmerksam zu machen und die Finger in die Wunde zu legen, ohne den drohenden Zeigefinger.

Klaus Stuttmanns Karikatur „Deutschlands Zukunft sichern“ Foto: red

Cartoons, Videos und Fernsehbeiträge

Juliane Vieth aus Celle berichtete per Digitalkonferenz über die Konzeption der Ausstellung. Als Titel hat der Autor, Musiker, Filmemacher und Cartoonist Ralph Ruthe der Ausstellung die von ihm geschaffene Figur geliehen. Er beschreibt deren Wesen: „Eine Dummel tritt normalerweise in Gruppen auf. Leicht zu erkennen ist die Dummel an ihrer fremdenfeindlichen Einstellung, manchmal auch anhand ihres Äußeren.“

Die gezeigten rund 60 Karikaturen sind Veröffentlichungen aus Tages- und Wochenzeitungen, Zeitschriften und Satire-Magazinen. Neben Ralph Ruthe sind unter anderem Klaus Stuttmann, Kostas Koufogioros, Tetsche, Til Mette, Thomas Metzner, Harm Bengen und Heiko Sakurai die Zeichner. Dazu gibt es kurze, satirische Videoclips aus TV-Produktionen wie zum Beispiel Extra 3 (NDR) oder die Die Anstalt (ZDF).

Die Karikatur „Herrmanns Weltbild“ von Kostas Koufogiorgos. Foto: red

Die Zeichnungen und Filmbeiträge sind noch bis Dienstag, 5. Oktober, zu sehen; jeweils Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag von 10 bis 12 Uhr. Anmeldung für Gruppen und Schulklassen unter Tel. (09571) 9260 oder info@14hl.de. (red)

 

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