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BAD STAFFELSTEIN

Weitere Keltensiedlung am Staffelberg entdeckt

Weitere Keltensiedlung am Staffelberg entdeckt
Die Reste eines keltischen Gehöfts haben Archäologen der Firma In Terra Veritas bei Wolfsdorf ausgegraben. Foto: In Terra Veritas

Menosgada (die Stadt über dem Maintal), so nannte der in Ägypten lebende griechische Philosoph und Geograph Claudius Ptolemäus bereits im 2. Jahrhundert mit hoher Wahrscheinlichkeit die Keltensiedlung auf dem oberfränkischen Staffelberg in seiner „Geographike Hyphegesis.“ Das zum damaligen Zeitpunkt bereits verfallene keltische Oppidum war in eine lebendige umliegende Siedlungslandschaft eingebettet, von der immer mehr Details zum Vorschein kommen. Kaum hat das Jahr begonnen und schon sind die Archäologen der Grabungsfirma In Terra Veritas (auf deutsch: In der Erde liegt die Wahrheit) wieder auf keltische Siedlungsüberreste gestoßen.

Im Zuge einer wissenschaftlichen Begleitung im Vorfeld der Errichtung eines Mehrparteienhauses in Wolfsdorf kamen die Reste eines keltischen Gehöfts ans Tageslicht. Trotz der geringen Größe des Baufensters und einiger moderner Störungen fanden sich dennoch einige Hinweise auf ein in Pfostenbauweise errichtetes Haus mit einer Länge von über sechs Metern. Weitere Details, wie die Breite des Hauses oder die Lage der Eingangstür konnten aufgrund der insgesamt schlechten Erhaltung der Befunde nicht eruiert werden.

Siedlung bestand länger als das Oppidum selbst

Darüber hinaus stießen die Wissenschaftler auf einige umliegende Abfallgruben, in denen hauptsächlich organische Abfälle und Asche entsorgt worden waren. In einer wurden jedoch neben Tierknochen auch Keramikscherben aus der frühen Latenezeit (5. Jahrhundert vor Christus) gefunden. In diesem Zusammenhang sind auch einzelne Funde aus der römischen Kaiserzeit von besonderem Interesse für die Wissenschaftler. Auch wenn es sich zu diesem Zeitpunkt zunächst nur um eine erste Einschätzung handelt, so deutet diese Fund- und Befundsituation darauf hin, dass die Siedlungsstelle offenbar schon vor Beginn der Hochzeit des Staffelberger Oppidums bestand und auch noch nach dessen Ende um etwa 50 vor Christus weiter genutzt wurde.

Ausgrabung erweitert das Gesamtbild der keltischen Besiedlung

Das Gehöft bestand sicherlich aus mehr als nur diesem einen Gebäude, und war wohl auch Teil einer größeren Ansiedlung wie sie sich in ähnlicher Form auch bei einer Grabung in Bad Staffelstein in der Sonnensiedlung erhalten hatten.

Weitere Keltensiedlung am Staffelberg entdeckt
Im Vorfeld der Errichtung eines Mehrparteienhauses in Wolfsdorf kamen die Reste eines keltischen Gehöfts ans Tageslicht. Foto: In Terra Veritas

Die Ausgrabung in Wolfsdorf, wie auch die vielen zahlreichen Grabungen im Umfeld des Staffelbergs trägt einen kleinen, aber wichtigen Teil zu einem Gesamtbild bei. Einem Gesamtbild einer lebendigen Siedlungslandschaft rund um das bedeutende keltische Handelszentrum, von dem man noch über 100 Jahre nach seinem Niedergang in der weit entfernten, römischen Provinz Ägypten gesprochen hatte.

Zum keltischen Oppidum auf dem Staffelberg

Das Oppidum auf dem Staffelberg war eine seit der Hallstattzeit bestehende Hochsiedlung, die im Verlauf der Latenezeit erweitert und mit einer riesigen Umfassungsmauer geschützt wurde. In dieser Stadt wohnten die Eliten einer Gruppe, die als Kelten zusammengefasst wird. Die Überreste dieser einst bedeutenden Siedlung sind ein Bodendenkmal von internationaler Bedeutung. Daher finden dort immer wieder Untersuchungen statt, die das Bild von der Anlage erweitern und verändern.

Diese Stadt selbst war eingebettet in ein dichtes Netz aus umliegenden, meist landwirtschaftlich geprägten Ortschaften, welche wohl auch zur Versorgung der auf dem Berg Lebenden dienten. So stoßen Archäologen im Umfeld des markanten Staffelberges immer wieder auf die Reste jener zahlreichen Siedlungen. Die aktuelle Entdeckung in Wolfsdorf ist eine davon.

 

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