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VIERZEHNHEILIGEN

Vierzehnheiligen ist seit 125 Jahren Basilika

Vierzehnheiligen ist seit 125 Jahren Basilika
Besonderes Kennzeichen einer Basilika ist die Verbundenheit mit dem Papst. Daher wird über dem Portal der Kirche das Wappen des jeweils regierenden Papstes angebracht. Über dem Westportal von Vierzehnheiligen ist daher derzeit das Wappen von Papst Franziskus zu sehen. Foto: Fabian Brand

In Vierzehnheiligen werden in diesem Jahr zwei Jubiläen gefeiert: 250 Jahre ist es her, dass die heutige Kirche feierlich geweiht wurde. Daneben gibt es aber auch noch einem anderen Anlass zu gedenken: Denn im Jahr 1897, also vor 125 Jahren, wurde die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen zur Basilika erhoben. Und seither spricht man nicht nur von der Basilika Vierzehnheiligen, sondern am Obermain hat sich auch eine besondere Redeweise eingebürgert. Wer den Gottesdienst in Vierzehnheiligen besuchen möchte, sagt hierzulande schlicht: „Ich geh zur Mess in die Basilika!“ Doch was steckt eigentlich hinter diesem Begriff „Basilika“? Und was sind die Besonderheiten, die eine solche Basilika auszeichnen?

Vierzehnheiligen ist seit 125 Jahren Basilika
1897 erfolgte die Erhebung zur Basilika durch Papst Leo XIII. Dieser wurde 1810 als Vincenzo Gioacchino Pecci geboren und 1878 auf den Stuhl Petri gewählt. Am 20. Juli 1903 ist Leo XIII. mit 93 Jahren in Rom gestorben. Foto: Fabian Brand

„Basilika“ ist ursprünglich die Bedeutung einer bestimmten architektonischen Bauform. Schon im alten Griechenland und im alten Rom hat es solche Basiliken gegeben: Es handelte sich dabei um große Hallen, die durch Säulen oder Pfeiler in drei bis fünf Schiffe unterteilt waren. Während das Mittelschiff erhöht war, waren die Seitenschiffe meist mit Emporen ausgestattet. Die antiken Basiliken wurden meist als Markthalle, Bankgebäude, Börse oder Gerichtssaal genutzt. Der Bautyp der Basilika war also in antiker Zeit noch nicht mit einem bestimmten Zweck verbunden. Er glich vielleicht am ehesten unseren heutigen Mehrzweckhallen.

Als sich das Christentum in der antiken Welt mehr und mehr verbreitete, übernahm es kurzerhand den Baustil der Basilika. Die frühchristlichen Kirchen waren ebenfalls Bauten, die aus einem Hauptschiff und mehreren Seitenschiffen bestanden. Solche monumentalen Basiliken aus dieser frühen Zeit des Christentums finden sich weltweit: In Rom (San Giovanni in Laterano), Jerusalem (Grabes- und Auferstehungskirche), Ephesus (Johanneskirche) und so weiter.

Ursprünglich den Bautyp bezeichnet

Vierzehnheiligen ist seit 125 Jahren Basilika
Zu den Insignien einer Basilika minor gehören der Padiglione und das Tintinnabulum. Beides, der Schirm und das Glöckchen, sind auch zeitweise in Vierzehnheiligen zu sehen. Foto: Fabian Brand

Während „Basilika“ also zunächst den Bautyp eines Gebäudes bezeichnet, hat sich im 18. Jahrhundert eine neue Entwicklung etabliert: „Basilika“ wird in dieser Zeit zum Ehrentitel mit dem bestimmte Kirchen innerhalb und außerhalb Roms bedacht werden. Dabei gibt es eine gewisse Rangordnung: An oberster Stelle steht die Kirche des Papstes, nämlich die Erzbasilika San Giovanni in Laterano. Dann folgen die vier ranghöchsten Gotteshäuser der Kirche, die auch „Basilika maior“ genannt werden. Dazu zählen neben der Lateranbasilika auch der Petersdom, sowie die Kirchen St. Paul vor den Mauern und Santa Maria Maggiore. Alle diese vier Kirchen befinden sich in Rom.

Schließlich folgen die sogenannten „Basilika minores“, zu denen auch Vierzehnheiligen zählt. Das ist ein Ehrentitel, der vor allem bedeutenden Wallfahrtskirchen verliehen wird. Weltweit gibt es beinahe 2000 Kirchen, denen dieser Titel verliehen worden ist. Im Erzbistum Bamberg sind auch der Bamberger Dom sowie die Kirchen in Gößweinstein und Marienweiher mit diesem päpstlichen Ehrentitel ausgezeichnet worden.

Zu den Insignien einer Basilika zählen der sogenannte „Padiglione“ und das „Tintinnabulum“. Der Padiglione ist ein gelb-rot gestreifter Schirm, der ursprünglich bei Prozessionen mitgetragen wurde, um Priester und Kantoren zu schützen (also so, wie der „Himmel“, der auch heute noch bei Prozessionen mitgeführt wird). Das Tintinnabulum bezeichnet eine Tragstange mit einem vergoldeten Rahmen und einer kleinen Glocke daran. Auch diese Stange wurde bei Prozessionen mitgetragen und sollte das Allerheiligste ankündigen. In Vierzehnheiligen sind diese beiden Insignien manchmal auch ausgestellt.

Die besondere Verbundenheit mit dem Papst

Das zentrale Element einer Basilika minor ist die besondere Verbundenheit mit dem Papst: Dies kommt vor allem dadurch zum Ausdruck, dass über dem Hauptportal dieser Kirche das Wappen des jeweils regierenden Papstes angebracht ist. Das ist auch in Vierzehnheiligen der Fall, wo über dem westlichen Hauptportal das Wappen von Papst Franziskus zu sehen ist. Gemäß der geltenden kirchlichen Ordnung sind Basiliken daher auch besonders angehalten, die Feste zu feiern, die im Zusammenhang mit dem Papst stehen: Das Fest Petri Stuhlfeier am 22. Februar, das Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus am 29. Juni und den Tag des Amtsantrittes des Papstes.

Die erste Basilika in Deutschland

Vierzehnheiligen wurde im Jahr 1897 von Papst Leo XIII., der von 1878 bis 1903 Papst war, mit dem Ehrentitel der Basilika ausgezeichnet. Vierzehnheiligen war damit die erste deutsche Kirche, die in den Rang einer Basilika erhoben wurde. Der päpstliche Erlass ist auf den 2.9.1897 datiert, am 8.5.1898 wurde der Entscheid des Papstes offiziell verkündet. Warum die Wahl des Papstes ausgerechnet auf Vierzehnheiligen fiel, bleibt einigermaßen im Dunkeln. P. Maximilian Wagner OFM, der derzeitige Guardian, schreibt jedoch: „Dem Schriftwechsel zwischen dem damaligen Superior des Klosters, P. Johannes Capistran Ullrich, und dem Erzbischof Joseph von Schork aus den Jahren 1896/97 lässt sich entnehmen, dass neben der kunsthistorischen Bedeutung der Kirche die seit 450 Jahren gepflegte Wallfahrtstradition, die für den Gnadenort gewährten Ablässe aus Rom und die zahlreich bezeugten wunderbaren Gebetserhörungen die entscheidenden Argumente waren, die letztlich den Papst überzeugten, unserer Wallfahrtskirche den Titel einer Basilika zu verleihen.“

Vierzehnheiligen ist seit 125 Jahren Basilika
1897 erfolgte die Erhebung zur Basilika durch Papst Leo XIII. Dieser wurde 1810 als Vincenzo Gioacchino Pecci geboren und 1878 auf den Stuhl Petri gewählt. Am 20. Juli 1903 ist Leo XIII. mit 93 Jahren in Rom gestorben. Foto: Fabian Brand
Vierzehnheiligen ist seit 125 Jahren Basilika
Zu den Insignien einer Basilika minor gehören der Padiglione und das Tintinnabulum. Beides, der Schirm und das Glöckchen, sind auch zeitweise in Vierzehnheiligen zu sehen. Foto: Fabian Brand

Von Fabian Brand

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