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UETZING

Terrainwanderweg: Über Sulligknöckla und 557 Höhenmeter

Wer an diesem uralten Birnbaum vorbeikommt, blickt auf Uetzing mit der Pfarrkirche Sankt Johannes. Foto: Mario Deller

Spazierengehen ist etwas anderes. Wer den Terrainkurweg Nummer 5, den wir hier zum Abschluss unserer Reihe vorstellen, auf sich nimmt, sollte genügend Zeit einplanen – und über Kondition besitzen. Die knapp 15 Kilometer lange, in Schwabthal beginnende und über Uetzing, Staffelberg und Stublang führende Tour beinhaltet immerhin 577 Höhenmetern.

Wir starten hinter dem Gebäude der Rehaklinik Lautergrund bei Schwabthal auf dem leicht ansteigendem Weg Richtung Uetzing, biegen nach einem knappen Kilometer rechts ab auf einen anfangs gepflasterten Weg. Im weiteren Verlauf orientieren wir uns am unweit des Waldrands gelegenen „Sulligknöckla“ linker Hand.

An einen mächtigen Birnbaum vorbei

Bevor es – worauf auch ein Schild an einem alten Wegkreuz hinweist – bergab Richtung Uetzing weiter geht, bietet sich hier ein kleiner Abstecher aufs Sulligknöckla mit dem kleinen Hügel an. Nur ein paar Schritte sind nötig, um dieses zu besteigen und an einer Sitzbank eine herrliche Aussicht ins Tal genießen zu können.

Doch wir haben ja noch einiges vor uns und schreiten nun weiter nach Uetzing. Auf dem Weg zum 500-Seelen-Dorf mit der weithin sichtbaren Pfarrkirche Sankt Johannes kommen wir vorbei an einem mächtigen Birnbaum, der trotz seines sicherlich stolzen Alters noch viele Früchte trägt, sowie an alten Felsenkellern im kurzen, schattigen Waldstück.

27 amtlich eingetragene Baudenkmäler

Auf dem kleinen Waldstück kurz vor Uetzing kommt der Wanderer an einigen Kellern vorbei. Foto: Mario Deller

1137 erstmals urkundlich erwähnt wurde der schmucke Ort, den wir nun erreichen. Uetzing zählt immerhin 27 amtlich eingetragene Baudenkmäler. Neben einer den Heiligen Nepomuk zeigenden Sandstein-Statue an der Brücke über den Döbertenbach aus dem Jahr 1784 und einem Marterl von 1710 gehören hierzu auch etliche gelungen restaurierte Fachwerkgebäude.

Auch das gesellschaftliche Leben in Uetzing kann sich sehen lassen. Eigentlich sollte im Mai dieses Jahres das 50-jährigen Bestehen des Musikvereins Uetzing-Serkendorf ausgiebig gefeiert werden, doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Doch aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben.

„Wir feiern das mit euch 2021 nach – aber gscheit“, verspricht ein riesiges Banner. An Pfingsten kommenden Jahres soll das mehrtägige Fest gebührend nachgeholt werden, verbunden mit dem Kreismusikfest.

Einmal quer durch Uetzing und dann Richtung Staffelberg

In Uetzing überqueren wir die Ortsstraße und gehen gen Ortsausgang Richtung Stublang. Nach dem Passieren einer Landmetzgerei und Brauerei zweigen wir nach der Raiffeisenbank schließlich rechts ab in die Bürgermeister-Bechmann-Straße. Es geht nun noch einmal ein Stück durch den Ort. Über eine kleine Gasse und eine Bachbrücke gelangen wir wieder an den Ortsrand, wo wir vor einer großen Scheune schließlich rechts abbiegen auf den zum Staffelberg führenden Wanderweg.

Rund 20 Meter nach einem 1950 errichteten Jesusmaterl heißt es dann links abzweigen für den weiteren Verlauf des Terrainkurwegs über einen Wiesenweg. Der Wanderweg führt schließlich steil hinauf zum Plateau zwischen Altem und „neuem“ Staffelberg. Vorbei am rechts gelegenen Spitzberg geht es dann links hinauf aufs Plateau des ehrwürdigen Staffelbergs als höchst gelegener Stelle des Terrainkurwegs 5.

Gutes Terrain für Freunde von Versteinerungen

Auf dem Weg dorthin kommt der Wanderer vorbei an Feldern, auf denen in der Vergangenheit viele Fossilien aus dem Jurazeitalter gefunden wurden. Das Plateau erreichen wir über einen Pfad, die letzten Höhenmeter werden unterhalb der „Staffelbergklause“ durch Treppenstufen bezwungen.

In der Klause – oder bei passendem Wetter auch draußen auf Sitzbänken direkt neben der Adelgundiskapelle – kann sich der Wanderer mit einer Brotzeit stärken. Es ist ratsam, sich vorab über die aktuellen Öffnungszeiten zu informieren.

Im Himmel hatten sie wohl gerade Geometrieunterricht:„Himmelsmalerei“ auf dem Wanderweg zum Staffelberg. Foto: Mario Deller

Auf dem „Gipfel“ des Staffelbergs sei dem Wanderer eine kleine Rundtour ans Herz gelegt. Worte müssen scheitern, wollte man den Versuch unternehmen, den Blick von hier oben aufs Tal zu beschreiben. Jeder kann hier wunderbar seinen Gedanken nachhängen, von still und besinnlich bis je nach Veranlagung und Gemütslage auch euphorisch und lebensfroh.

Es geht ein letztes Mal bergauf

Auf der Südseite des Staffelbergplateaus steigen wir wieder steil bergab Richtung Loffeld. Einige Höhenmeter tiefer gelegen, geht es links vom Weg ab, um nun höhengleich in Richtung Stublang zu gehen. Bald sieht man von oben bereits den nach rechts ins Tal führenden „Löwenweg“, welchen wir bald wieder nach links Richtung Stublang verlassen. Nach dem Abstieg nach Stublang kreuzen wir die Straße nach Uetzing und steigen unterhalb des Sulligknöckleins ein letztes Mal bergan.

Oberhalb von Frauendorf gelangen wir nun auf langsam abfallendem Wege wieder zu unserem Ausgangspunkt in Schwabthal.

„Ich wollt', mir wüchsen Flügel“, heißt es im Frankenlied-Text eines Victor von Scheffel. Und in gewisser Weise beschleicht einen tatsächlich nach einer ausgiebigen Wanderung beispielsweise auf den vorgestellten Terrainkurwegen dieses Gefühl der Leichtigkeit. Dass man zugleich seine Knochen spürt, stellt keinen Widerspruch dar. Man nimmt sich selbst und das Leben dadurch nur noch intensiver wahr, und genau das schätzen viele am Wandern.

Von Mario Deller

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