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KLOSTER BANZ

Saisonabschluss der Kammerkonzerte in Kloster Banz

Saisonabschluss der Kammerkonzerte in Kloster Banz
Paulina Riquelme Diaz und Ulrich Witteler bei der Bemeisterung stürmisch-rasanter Passagen. Solche hielt das Kammerkonzert an diesem Sonntag für das Publikum einige vor. Foto: Markus Häggberg

Schiffsuntergänge, Flucht und eine Liebe, die man sich versagen musste – das Kammerkonzert auf Kloster Banz hielt am Sonntag Musikgeschichte und Musikgeschichten parat. Geschaffen wurden sie von Frank Bridge, Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms, erzählt von fünf Könnern und Symphonikern. Einigermaßen gut besucht war das Abschlusskonzert der 32. Saison von Kammerkonzerte auf Kloster Banz auch.

„Bis zum Klavierquartett“ - das war keine Drohung, das war der Name des Programms, zu welchem Achim Melzer, Künstlerischer Leiter und 1. Vorsitzender des Vereins „Kammermusik auf Banz“, im Kaisersaal begrüßte. Melzer, selbst bei den Bamberger Symphonikern, tat das, was er in seiner Rolle als Conferencier gut beherrscht. Der Mann betreibt im besten Sinne Infotainment, nimmt das Publikum bei der Hand und führt es unaufdringlich erklärend durch die Hintergründe all der Allegrettos und Scherzos, der Sonaten und Quartette.

Was die Pianistin Hisako Kawamura zu bewältigen hatte, war die Klaviersonate Nr. 26 in Es-Dur op. 81A „Les Adieux“. Ein Werk, das laut Melzer so ziemlich das einzige ist, zu dem Beethoven selbst die programmatischen Betitelungen der Sätze vornahm. Gewidmet wurde es Erzherzog Rudolf, einem Freund und Förderer des großen Bonners, anlässlich seiner Flucht vor den napoleonischen Truppen aus Wien. Ein Werk, das einen feinfühligen Umgang mit Pausen abverlangt, dass keine kriegerischen Hurra-Momente vorhält, dafür oft genug mit quälenden Fragen durchsetzt wirkt.

Flirrende Leichtigkeit und rollende Besorgnisse

Und so, zwischen flirrender Leichtigkeit und rollenden Besorgnissen um einen Freund, verlangte es Kawamura tiefste Innerlichkeit und höchste Expressivität ab. Dieser Anspruch galt auch für Beethovens Streichquartett in F-Moll, Opus 95, dem sich Cellist Ulrich Witteler, die Violoinistin Melina Kim-Guez sowie die Bratschisten Nimrod Guez und Paulina Riquelme Diaz stellten. Sie stellten sich Momenten trauriger Zwischenlagen und, besonders durch Bratsche und Cello ausgestalteten Passagen fragender Verstörung, so etwa im Allegretto ma non troppo. Gerade in den dunkel gehaltenen Sequenzen, denen Aufwallungen folgten, erreichte das Ensemble eine seltene Eindringlichkeit.

Der Widerspruch des Werkes

Saisonabschluss der Kammerkonzerte in Kloster Banz
Achim Melzer winkt Pianistin Hisako Kawamura herbei, derweil hinter ihm Nimrod Guez und Ulrich Witteler für ihre Leistungen Applaus empfangen. Foto: Markus Häggberg

Nicht gerade häufig wurden Werke für zwei Bratschen komponiert. Der Brite Frank Bridge (1879-1941) schuf es trotzdem, und dass er die dunkel gestimmten Violas wählte, hatte seinen Grund wohl im Gegenstand seines „Lament“. Sein Lamento, seine Klage nämlich, führte er über den Tod eines Kindes, das durch einen U-Boot-Treffer zu Tode kam. Die kindliche Unschuld hier und das mechanisierte Töten dort, bilden den Widerspruch des Werkes, das in seiner Schönheit erst nach Jahren erfasst wurde, galt es zur Zeit seiner Veröffentlichung doch als „Verhässlichung der Musik“, wie Melzer darlegte.

Eine Einschätzung, die verwundert, denn es handelt sich doch im Grunde nicht um eine zerrissen wirkende Tonsetzung, sondern um eine Fülle an Melancholie und Verzweiflung, dessen Thema in Variationen wiederkehrt. Guez und Riquelme Diaz loteten seine Tiefen aus, durchwirkten die Noten und machten es zutiefst glaubwürdig. Das geschah auch bei Brahms Klavierquartett Nr. 3 in C-Moll, einem Werk mit zutiefst autobiographischen Noten, sprach es auch Brahms Seele doch womöglich von der Liebe zu einer verheirateten Frau - Clara Schuann.

Die Freundschaft Brahms zu Robert Schumann

Wenn dem so war, dann hatte diese Liebe noch einen weiteren doppelten Boden: die Freundschaft Brahms zu Robert Schumann. Die inneren Vorgänge Brahms werden vor allem auch im Scherzo deutlich, in welchem sich Klavier und Streicher in eine wilde Jagd über hämmernde Triolen begeben. Doch im dritten Satz, dem Andante, soll sich die Lösung all der aufgestauten Konflikte in einem Satz von melancholischer Schönheit andeuten, mit einem Thema, dem nachgesagt wird, es zähle zu den schönsten von Brahms ersonnenen.

Doch am Ende wollte Brahms dem Finale noch etwas Resignatives mitgeben. Dort, wo man einen Jubel über den geliebten Menschen erwarten möchte, belässt es Brahms bei absteigenden Läufen. Es war ein Konzert das mitriss, das Musik und seine Hintergründe verständlich machte und entdecken ließ. Das nächste Konzert dieser Reihe findet in der neuen Saison statt. Warten bis Oktober.

 

Von Markus Häggberg

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