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BAD STAFFELSTEIN / STADEL

Sagenhafte Orte: Das Ende der Burg Steglitz

Einst stand im Banzgau auf dem Berg Steglitz eine Burg Foto: Andreas Motschmann

Vor vielen Hunderten von Jahren zerstört ein Herzog seine eigene Burg. Fiktion oder Wahrheit?

Heute ahnt kaum ein Wanderer, dass auf dem unscheinbaren kegelförmigen Berg Steglitz im Staffelsteiner Land einst eine Burg stand. Das Ungewöhnliche daran ist, dass diese Burg nur für ein Jahr genutzt wurde und dann vom Besitzer selbst „geschleift,“ also unbrauchbar gemacht wurde. So wundert es nicht, dass sich um diese Burg und den Berg alte Geschichten ranken.

Der etwas abgelegene Berg im Banzgau zwischen Altenbanz und Stadel war im 13. Jahrhundert der Tatort. Nachdem Otto VIII., der letzte Andechser Herzog, Besitzungen am Ammersee und am Starnberger See, in der Steiermark und in Burgund verloren hatte, musste er sich hauptsächlich auf Franken beschränken. Er versuchte, dort seine Machtposition auszubauen.

Dem diente die Errichtung einer Burg auf dem Berg Steglitz; sie sollte zusätzliches Druckmittel sein, die Vogtei über Banz entsprechend ausüben zu können. Jetzt ist dieser Berg abgelegen; früher war er das keineswegs. Von hier ließen sich in jener Zeit von der Burg aus die alten Handelsstraßen bei Stadel und Altenbanz sowie Kloster Banz effektiv kontrollieren.

Gab es zu späterer Zeit noch Gebäude auf dem Berg?

Auf der 1813 entstandenen Karte des Banzgaus stand auf dem Steglitz noch ein Turm. Foto: Repro: Andreas Motschmann

Dieses Vorgehen erregte den Unmut des Banzer Abtes. Der Würzburger Bischof war ebenfalls nicht erfreut. Zusammen mit dem Bamberger Bischof Poppo erzwangen sie im November 1239, dass die noch nicht vollständig erbaute Burg geschleift wurde. Außerdem musste Otto VIII. den Berg Steglitz als Eigentum von Kloster Banz anerkennen. Otto VIII. starb neun Jahre später, am 19. Juni 1248 auf der Burg Niesten bei Weismain. Er wurde in Kloster Langheim begraben.

Ob die Burg nach 1239 völlig zerstört wurde oder später Baumaßnahmen vorgenommen wurden, ist nicht gesichert. Interessanterweise ist auf der 1813 entstandenen Karte des Banzgaus von J. B. Roppelt auf dem Steglitz ein mit Fahne eingezeichneter Turm zu sehen. Der quadratische Bergfried hatte eine Seitenlänge von fünf Metern, die Mauern hatten eine Stärke von rund zwei Metern.

Noch im Jahr 2018 illegale Grabungsaktionen

Im 21. Jahrhundert ist nicht mehr viel von dieser eindrucksvollen Burganlage mit einer Fläche von 30 mal 70 Metern erhalten. Leider zieht diese mysteriöse ehemaligen Burganlage heute noch illegale Raubgräber an. Im Januar 2018 berichtete das Obermain-Tagblatt von einer illegalen Grabungsaktion an mehreren Stellen der Mauerreste auf der Steglitz.

Ebenso überlebten nach diesem ungewöhnlichen Ereignis im 13. Jahrhundert um diese zerstörte, aber noch lange sichtbare Burg in der Umgebung viele Geschichten, welche der Nachwelt bis heute erhalten geblieben sind.

Wie Gott den Mönchen gegen den Raubritter half

Lorenz W. berichtet in einem Beitrag im Buch „Sagen und Legenden des Lichtenfelser Landes“ von E. u. K. Radunz von der Entstehung einer weiteren Burg. Der Bericht über die Herren von Razenberg war im Jahrbuch für fränkische Landesforschung im Jahr 1953 veröffentlicht worden: Die geschliffene Burg sei nach 50 Jahren von einem Herr von Razenberg wieder aufgebaut worden; er habe sie in ein „Räubernest“ verwandelt. Vor diesem Herrn und seinen Spießgesellen war in der Umgebung keiner mehr sicher, sogar die Mönche im nahen Kloster Banz und auch die umwohnenden Adeligen nicht.

Die Mönche beteten in ihrer Not um Gottes Hilfe, worauf der „Raubritter“ schwer erkrankte. In einer nächtlichen Erscheinung wurde er aufgefordert, seine Burg zu zerstören. Nach zwei weiteren Erscheinungen wurde ihm der Tod angekündigt. Daraufhin lenkte er ein und bat bei den Mönchen in Banz um Vergebung. In einer feierlichen Prozession zogen die Mönche mit einer großen Schar Gläubigen aus den umliegenden Ortschaften zur Burg und zerstörten die Mauern und Wehranlagen.

Wer kann die drei Jungfrauen im Berg erlösen?

Weitere Volkssagen ranken sich um diesen unscheinbaren Berg, der im Vergleich zum Staffelberg kaum bekannt ist. Dieser etwas abgelegene Berg im Banzgau soll, so wird erzählt, sich am Johannistag öffnen. Drei Jungfrauen wohnen nach einer alten Sage im Berg und warten auf ihre Erlösung.

In einer anderen Volkssage hat im Steglitz die „Schatzsucherin“ ihr eigenes Kind gelassen. Wieder im Freien, bemerkt sie ihr Unglück, aber da ist es zu spät. Genau ein Jahr, bis zum nächsten Johannistag, muss die Unglückliche warten und bangen. Erst dann öffnet sich der Berg und sie kann ihr Kind heraus holen.

 

Von Andreas Motschmann

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