aktualisiert:

SERKENDORF

Rettungspunkte: Damit die Hilfe auch im Wald ankommt

Ob Amateur oder Profi: neben guter Ausrüstung,Fachwissen und Konzentraton bei der Arbeit ist es wichtig, nie alleineim Wald zu sein. Foto: Monika Schütz

„Wo befinden Sie sich?“ Das ist im Notfall eine Frage, die Leben retten kann. Wer im Wald unterwegs ist, sei es als Mountainbiker, Spaziergänger, Jäger oder bei Holzarbeiten, kann leicht in die Lage kommen, dass er Hilfe braucht: ein schwerer Sturz in unwegsamem Gelände, ein Infarkt nach anstrendendem Aufstieg oder ein Unfall bei Aufräum- und Säge-Arbeiten. Oft verstreichen wertvolle Minuten, bis professionelle Hilfe vor Ort ist. Dass sofort ein Alarm an die Notrufnummer 112 abgesetzt werden muss, ist bekannt. Doch bei der Frage „Wo befinden Sie sich?“ wird es oft schwierig.

Einheimische wissen wohl, auf welcher Gemarkung sie sich befinden, wie der Flurname ist, oder wie man zum Einsatz- oder Unfallort kommt. Sie können auch meist den Zufahrtsweg genau beschreiben. Ortsunkundige hingegen können sich orientieren, wenn ein sogenannter Rettungspunkt in der Nähe ist, der Daten zum Standort trägt. Zuständig dafür ist im Staats-, Kommunal- und Privatwald die Bayerische Forstverwaltung.

Viele Smartphones senden die Standortdaten an die 112

Sollte sich der Verunglückte in unbekanntem Terrain aufhalten (oder kein Rettungspunkt in der Nähe sein) so besteht die Möglichkeit, den Teilnehmer mittels Handyortung zu lokalisieren. Viele Mobiltelefone senden bei der Wahl der Notrufnummer 112 die Standortdaten des Teilnehmers. Sie werden ins Einsatzleitsystem übertragen und bei der Definition des Einsatzortes herangezogen,sagt Michael Jeschor, stellvertretender Leiter der Integrierten Leitstelle Coburg.

Dann werden – soweit möglich – alle wichtigen Informationen abgefragt, um die für die Situation erforderlichen und geeigneten Rettungsmittel einsetzen zu können. Dabei kommt oft auch die Bergwacht (Bergwacht Bamberg, Region Frankenjura), die Feuerwehr, das Technische Hilfswerk oder ein Rettungshubschrauber zum Einsatz. In Bayern werden 15 Rettungshubschrauber betrieben, für den Raum Lichtenfels ist der Rettungstransporthubschrauber „Christoph 20“ aus Bayreuth im Einsatz.

Der Rettungspunkt zwischen Serkendorf und Gößmitz: ImNotfall die Notrufnummer 112 wählen - Rettungspunktnummer angeben - hierauf den Rettungsdienst warten. Foto: Monika Schütz

Jürgen Hagel, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Lichtenfels informiert: Die Polizei und die Einsatzzentrale der Rettungsleitstelle (ILS in Ebersdorf) arbeiten Hand in Hand, sei es bei der Ortung von GPS-Daten des Handys des Notrufenden oder wenn weitere Einsatzkräfte wie Feuerwehr oder Bergwacht alarmiert werden müssen. „Die 112 klärt, wen sie noch braucht“, erklärt er . Und bei Unfällen komme immer auch die Polizei in den Wald. „Nicht selten sind wir den letzten Kilometer zu Fuß zum Einsatzort gelaufen“, ergänzt Hagel.

Rettung eines eingeklemmten Waldarbeiters bei Uetzing

Thomas Schwarz, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Uetzing, erinnert sich an einen Einsatz vor wenigen Jahren in der Serkendorf Flur. Bei Waldarbeiten stürzte ein Baum auf einen der Waldarbeiter, klemmte ihn ein und verletzte ihn. Die Begleitpersonen riefen die Notrufnummer 112 an, schilderten den Unfall und nannten die Gemarkung. Die Leitstelle schickt daraufhin die Feuerwehren aus Uetzing, Ebensfeld und Bad Staffelstein mit je einer Rettungsschere in den Wald. Eine Person wartete beim Rettungspunkt und wies die Helfer ein.

Der Rettungswagen fuhr auf dem Forstweg soweit wie möglich, kam jedoch nicht ganz bis zum Unfallort. Der Notarzt stieg um zur Feuerwehr. Auch die kam nicht ganz an den Unfallort, der sich in unwegsamer Hanglage befand. So legten die Helfer den letzten Teil des Wegs im Bulldog eines Waldarbeiters und schließlich zu Fuß zurück. Mit dabei hatten sie eine Schleifkorbtrage (eine Art „Wanne“). Nachdem die Feuerwehrleute den umgestürzten Baum abgesägt und beseitigt hatten, konnte der Verletzte geborgen und versorgt werden. „Er hatte Glück, er war bewusstlos und hatte mehrere Verletzungen, aber er lebte“, sagt Kommandant Thomas Schwarz erleichtert.

Die Rettungspunkte

Die Rettungspunkte sind den Leitstellen bekannt. Rettungspunkt-Schilder sind in Deutschland aber nicht genormt und regional sehr unterschiedlich gestaltet, beklagt das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) . Es werden verschiedene Symbole, Layouts, Größen, Farben und Informationstexte verwendet. Diese Vielfalt erschwert nicht nur die Handhabung für Rettungsdienste und Nutzer, sondern reduziert auch den Wiedererkennungswert.

Auf den oft unwegsamen und unbefestigten Forstwegenhaben Rettungsfahrzeuge ohne Allrad keine Chance. Foto: Monika Schütz

Die Anzahl von Rettungspunkten ist im Wesentlichen abhängig von der Waldausdehnung und der Struktur. Eine grobe Orientierung bietet die Zeitregel, dass von jeder Stelle im Wald innerhalb von zehn Minuten ein Rettungspunkt erreicht werden soll. Ein weitererAnhaltspunkt besagt: drei bis fünf Rettungspunkte je 1000 Hektar in großen geschlossenen Waldgebieten oder sechs bis acht Rettungspunkte je 1000 Hektar in kleinen isolierten.

Sie sollten an öffentlichen Straßen liegen, vorzugsweise an Waldeingängen und Wanderparkplätzen, da sie ganzjährig, auch bei schlechter Witterung von Rettungsfahrzeugen erreichbar sein müssen. Sollte eine Ausweisung im Wald notwendig sein, sind markante Punkte wie Wegekreuzungen oder Wanderhütten an ganzjährig befahrbaren Forstwegen zu wählen. Mobilfunknetz-Empfang sollte möglichst vorhanden sein.

Der Rettungspunkt zwischen Serkendorf und Gößmitz: ImNotfall die Notrufnummer 112 wählen - Rettungspunktnummer angeben - hierauf den Rettungsdienst warten. Foto: Monika Schütz
Der Rettungspunkt zwischen Serkendorf und Gößmitz: ImNotfall die Notrufnummer 112 wählen - Rettungspunktnummer angeben - hierauf den Rettungsdienst warten. Foto: Monika Schütz

Von Monika Schütz

Weitere Artikel