aktualisiert:

BAD STAFFELSTEIN

Quellen im unteren Lautergrund auf dem Prüfstand

Die Loffelder Wasserversorgung aus eigenen Quellen bereitet Sorgen, ebenso die von Stublang und Horsdorf. Foto: M. Drossel

Der untere Lautergrund bereitet Sorgen. Große Sorgen sogar. Immer wieder gibt es Beanstandungen an den Quellen, die Stublang, Loffeld und Horsdorf mit Trinkwasser versorgen. Die Folge: Das Wasser muss abgekocht werden. Und so standen die drei genannten Orte bei der jüngsten Sondersitzung des Stadtrats stark im Fokus, in der es generell um die Trinkwasserversorgung im Staffelsteiner Land ging.

Zu geringe Schüttung und oft verkeimt: Der Heiligenbrunnen bei Stublang lässt isch wohl nicht fit machen für eine sichere Wasserversorung Stublangs Foto: Markus Drossel

Planungsingenieur Erhard Ott von Baurconsult stellte den Räten das Strukturkonzept Wasserversorgung vor. Dieses war noch unter Bürgermeister Jürgen Kohmann in Auftrag gegeben worden, ist bereits seit August 2021 fertig, doch erst jetzt ergab sich die Gelegenheit, dies den Räten im Detail zu erläutern. Und das, was er dem Gremium vorstellte, war teils alles andere als erfreulich: Mancherorts gibt es dringenden Handlungsbedarf. Auf die Stadt werden in den nächsten Jahren Kosten von 13 Millionen Euro oder mehr zukommen.

Das Hauptproblem: genannte Quellen bei Stublang, Horsdorf und Loffeld. Zum einen schütten nicht genug Trinkwasser, um wirtschaftlich betrieben werden zu können: 100 Kubikmeter pro Tag müssten es sein, doch es sind weit weniger. Im Sommer, den verbrauchsstärksten Monaten, geht die Wassermenge der Quellen zudem stark zurück. Zudem sind sie nicht von genügend Erdreich überdeckt, was immer wieder zu Problemen mit der Wasserqualität führt.

Immer wieder muss das Landratsamt Abkochgebote erlassen

Die dortigen Hochbehälter (Ott: „Wenn man sie so überhaupt nennen kann“) sind klein, rudimentär, liegen nicht hoch genug, stehen teils mitten im Wald, haben keine Bedienungsgebäude und sind schlicht in die Jahre gekommen. Sie haben nur eine Wasserkammer und können sie eigentlich nie gereinigt werden, ohne die Orte über viele Tage vom Trinkwasser abzuschneiden. „Die Qualität des Wassers ist oft nicht zufriedenstellend, was bei wiederkehrenden Messungen immer wieder zu Abkochgeboten führt“, so Ott.

Und so lautete die Empfehlung des Planungsbedarfs: dringend handeln und die eigene Wasserversorgung im unteren Lautergrund aufgeben. Stattdessen, so Ott, könnte man die drei Dörfer an die Staffelsteiner Quellen anbinden. Neue 50 bis 60 Meter tiefe Brunnen zu bohren oder eine Sanierung sei um ein Vielfaches teurer. An die Fernwasserversorgung (FWO) anzuschließen, sei laut Planungsbüro nicht empfehlenswert, weil auch nicht unbedingt billiger.

In Horsdorf muss dieser Tage das Wasser wieder abgekocht werden. Foto: Foto:Drossel

Ein neu zu bauender Hochbehälter unterhalb des Lerchenbergs bei Stublang könnte an Uetzing angebunden werden, um im Fall der Fälle den Döbertengrund mitzuversorgen. Stichwort Versorgungssicherheit („Rückraumversicherung“).

Noch hat Horsdorf eine eine Wasserversorgung,. Das könnte sich aber in den nächsten Jahren ändern. Foto: Markus Drossel

Bei diesen Vorschlägen entbrannte eine lebhafte Diskussion: Während der Stublanger Stadtrat Wolfgang Herold (CSU) dafür plädierte, „lieber das eigene Wasser“ (aus Bad Staffelstein) zu nutzen, sah Winfried Ernst (Freie Wähler) die Option FWO als nicht ausreichend beleuchtet und durchkalkuliert an.

Wasserwart Wolfgang Polster unterzieht den Stublanger Heiligenbrunnen einem pH-Test. Foto: Markus Drossel

Und da war da noch die Sache mit der Leitung aus den Schwabthaler Quellen gen Lichtenfels. Eine Möglichkeit für Stublang, wie unter anderem Wolfgang Herold und Winfried Ernst anfragten? „Das wage ich zu bezweifeln“, so Ott. Die Leitung sei hydraulisch ausgelastet. Will meinen: Wenn die Stadtwerke Lichtenfels Stublang mitversorgen würden, würde wohl der Druck nicht mehr ausreichen, mit dem das restliche Wasser in Lichtenfels ankommt. Von der Menge ganz zu schweigen.

Nach Novelle von RZWas: Es sind kaum Zuschüsse zu erwarten

Christian Ziegler (Junge Bürger) brachte eine Leitung entlang des Staffelbergs ins Spiel, doch auch die wird laut Experten wirtschaftlich keine Vorteile bringen. „Den Lautergrund müssen wir auf jeden Fall angehen, das ist dringlich“, stellte Ziegler fest. Dem pflichtete Werner Freitag (Grüne/Staffelsteiner Bürger für Umwelt und Naturschutz) bei.

Rund 13 Millionen Euro wird es kosten, die Wasserversorgung in der Adam-Riese-Stadt sicher für die Zukunft zu machen. Foto: Markus Drossel

„Ja, aber wie wirkt sich da auf unseren Wasserpreis aus?“, fragten mehrere Räte den Experten. Das könne letztlich nur der kommunale Prüfungsverband zusammen mit der Stadt kalkulieren, so Ott. Eines aber ist sicher: Da die Stadt im Bereich Wasser/Abwasser kostendeckend arbeiten muss, wird der Wasserpreis sicher nicht sinken.

„Ich fühle mich von den Kosten fast erschlagen“, betonte Jürgen Hagel (CSU). Und das in einer Zeit, in der auch im Bereich Wasserentsorgung Millionen investiert werden müssen und zu allem Überfluss nach einer Novelle der RZWas-Richtlinien keine bis minimale Zuschüsse zu erwarten sind. Aber: „Es ist dringender Handlungsbedarf gegeben“, mahnte Planer Erhard Ott. „Es bleibt letztlich nichts anderes übrig.“

Passt: Das Ergebnis des pH-Tests ist genau im zulässigen Bereich. Foto: Markus Drossel

Mehrmals kam auch der Vorschlag, den neuen Hochgehälter bei Stublang einzusparen und eventuell keinen Verbund mit Uetzing zu machen. Davon riet Ott ab: Was wäre, wenn die dortigen Steigerquellen Problem machen würden? Außerdem müsste der Hochbehälter Serkendorf entweder kostenintensiv saniert oder aufgelassen werden. Des weiteren gebe es Druckprobleme in Serkendorf. Das aber konnte der Serkendorfer Stefan Dinkel (CSU) nicht bestätigen. Und aufgeben will der den Hochbehälter Serkendorf auch nicht unbedingt. Der Beitrag von Sandra Nossek (Grüne/SBUN) tendierte in die gleiche Richtung, die den Mehrwert der Verbundleitung Stublang-Uetzing hinterfragte.

„Es ist dringender Handlungsbedarf gegeben.“
Erhard Ott, Planungsingenieur
Ehe der Hochbehälter bei Stublang gechlort werden kann, muss zugedreht werden. Foto: Markus Drossel

Ferner rät Ott, den Hochbehälter in Romansthal geodätisch höher neu zu bauen (625 000 Euro). Weitere 1,75 Millionen Euro gilt es in Vierzehnheiligen zu investieren, um die teils aus dem 19. Jahrhundert stammenden Hochbehälter zu ersetzen. Winfried Ernst thematisierte das sehr harte, kalkhaltige Wasser (20 Grad deutscher Härte) in der Kernstadt und fragte an, ob eine Enthärtungsanlage möglich sei. Das allerdings wird weitere hohe Kosten mit sich bringen.

Wasserwart Wolfgang Polster am Überlauf der Stuiblanger Quelle. Foto: Markus Drossel

Krögelhof und Kaider beziehen ihr Wasser derzeit aus Dörrnwasserlos, aus Anlagen der Stadt Scheßlitz. Da die Leitungen nach Kaider kilometerlang sind, dauert es Tage, bis das Wasser dort zum Wasserhahn hinausgelangt. Das bringt die Gefahr der Keimbelastung mit sich. Deshalb rät der Planungsingenieur, Kaider an das Wassernetz der Reha-Klinik anzuschließen. Den Hochbehälter Krögelhof könnte man dann stilllegen. Doch geben die Quellen der Klinik das her? „Da gibt es noch Klärungsbedarf“, so Ott. Denkbar sei auch ein Verbund mit den Lichtenfelser Leitungen. Bis zu 300 000 Euro seien für die Maßnahme Kaider einzupreisen.

Auf die Stadt kommen Millioneninvestitionen zu

Den Empfehlungen Otts zugrunde liegt eine Hochrechnung der Einwohnerentwicklung, nach der die Einwohnerzahl in der Kernstadt deutlich steigen könnte. In den Dörfern dürfte die Kopfzahl stabil bleiben, in manchen leicht rückläufig sein.

„Wir müssen vorwärts kommen und ein Zeichen setzen“, bat Bürgermeister Mario Schönwald nach ausführlicher Aussprache. Die Stadträte einigen sich darauf, zumindest die Planungskosten für etwaige Baumaßnahmen im Bereich der Wasserversorgung in den Haushalt 2022 und knapp 5,9 Millionen Euro für die dringlichsten Projekte in den Finanzplan mit aufzunehmen.

Baubeginn könnte sowieso erst frühestens im Frühling 2023 werden. Alleine die akuten Probleme anzugehen, wird sich dann bis 2005 oder 2026 hinziehen. Und ob dann die Ortsnetze in Stublang, Loffeld und Horsdorf die neuen Leitungsdrücke aushalten, wie Stefan Dinkel nachhakte? Man weiß es aufgrund des Alters nicht, so Planer Erhard Ott.

Daher kommt das Wasser

Planungsingenieur Erhard Ott ging im Stadtrat darauf ein, woher die Stadtteile Bad Staffelsteins ihr Wasser beziehen.

Bad Staffelstein: fünf eigene Quellen/Brunnen mit hartem, kalkhaltigen Wasser (20 Grad deutscher Härte).

Schönbrunn, Eichelsee und Unterzettlitz: Wasser aus den Staffelsteiner Quellen.

Romansthal: eigene Quellen, die aber nicht ausreichen; Zusatzwasser aus Staffelsteiner Quellen.

Zilgendorf, Stadel, Altenbanz, Püchitz, Unnersdorf, Nedensdorf, Neuhof: Wasser der Banzer Gruppe.

Grundfeld, Wolfsdorf, Vierzehnheiligen: Fernwasser Oberfranken.

Wiesen: Fernwasser aus Anlagen des Marktes Ebensfeld.

Horsdorf, Loffeld, Stublang, Uetzing: eigene Quellen.

Weisbrem, Gößmitz, Serkendorf: Wasser aus Uetzinger Quellen.

Frauendorf: Waser aus Anlagen der Stadtwerke Lichtenfels (Schwabthaler Quellen; 6 bis 8 Grad deutscher Härte).

Kaider, Krögelhof: Fernwasser auf Dörrnwasserlos/Stadt Scheßlitz (eigene Quellen wurden qualitätsbedingt aufgegeben).

Kümmersreuth: Fernwasser über die Rothmannsthaler Gruppe.

Schwabthal, End, Tiefenthal: Wassernetz der Reha-Klinik Lautergrund.

 

Von Markus Drossel

Weitere Artikel