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BAD STAFFELSTEIN

Professor Günter Dippold über Abt Andreas Lang

Professor Günter Dippold über Abt Andreas Lang
Darstellung von Andreas Lang in seiner Geschichte der Michelsberger Äbte (Staatsbibliothek Bamberg). Foto: Günter Dippold

Die Verbindungsstraße von St.-Anna-Straße und Adam-Riese-Straße in Bad Staffelstein ist nach einem Zeitgenossen des großen Rechenmeisters benannt: nach Andreas Lang, einem Abt des Benediktinerklosters St. Michael in Bamberg. Sein Gedenken im Kloster Michelsberg ist lange lebendig geblieben. Als theologischer Autor wurde er auch über Bamberg hinaus bekannt.

Martin Hofmann, Gerichtsbeamter des Klosters Michelsberg, veröffentlichte 1595 eine lateinisch abgefasste Geschichte der Stadt Bamberg und der Michelsberger Äbte. Darin würdigte er ausführlich den hundert Jahre zuvor lebenden Abt Andreas Lang und die Gegend, der dieser entstammte. Deren Schilderung beginnt wie folgt (in Übersetzung):

„Dort inmitten der Höhen des Babenberger Gebirges

Dehnt sich ein herrliches Tal weit durch die Lande dahin,

Himmelan hebt darüber ein Fels die steinerne Stirne,

Nach seinen Staffeln gewiss schon von den Alten benamst.“

Andreas Lang entstammte einer alteingesessenen Staffelsteiner Familie. Kontakte des Abtes nach Staffelstein lassen sich freilich kaum nachweisen, hatte doch das Kloster keinen Besitz in der Stadt und ihrer Gemarkung. Bezeugt ist nur, dass der Abt sich 1486 bei Staffelsteiner Würdenträgern dafür verwandte, dass sein Bruder Hans Lang – damals Kastner des michelsbergischen Klosteramtes Rattelsdorf – den Posten des Stadtschreibers erhalte. Ob diese Intervention Erfolg hatte, ist unbekannt.

Erstmals wird Andreas Lang bei seiner Abtswahl am 6. Februar 1483 für uns fassbar. Unter den 25 Mönchen des Benediktinerklosters St. Michael war er nicht der einzige Staffelsteiner: Aus Langs Heimatstadt kam ebenfalls Friedrich Meiß, der 1485/86 dem michelsbergischen Priorat St. Jakob in Stettin vorstand.

Als Andreas Lang an die Spitze des 1015 gegründeten, mit umfangreichem Besitz ausgestatteten Klosters trat, waren die Spuren einer Jahrzehnte zurückliegenden Krise noch spürbar. Wie die meisten süddeutschen Benediktinerkonvente nahm die Mönchsgemeinschaft auf dem Michelsberg um 1400 ausschließlich Adlige auf. Deren Leben war nicht allein an der Benediktsregel ausgerichtet, sondern ebenso am adligen Selbstverständnis, was im frühen 15. Jahrhundert auf immer lautere Kritik stieß. Hinzu kam der langfristige wirtschaftliche Verfall des Klosters St. Michael. Im 15. Jahrhundert war es hochverschuldet.

Reformbestrebungen innerhalb des Benediktinerordens wurden von den Bischöfen aufgenommen. Sie waren bestrebt, der Benediktsregel wieder zur vollen Geltung zu verhelfen. Nach vergeblichen Anläufen gelang es 1463 Bischof Georg von Schaumberg, die Reform auf dem Michelsberg durchzusetzen. Er führte als Abt Eberhard von Venlo ein, der bis dahin dem Kloster Jakobsberg bei Mainz vorgestanden hatte. Eberhard brachte aus Mainz, vielleicht auch von St. Peter in Erfurt, einige Mönche mit sich. Wirtschaftserfahrene Mönche ließ er aus Lorsch kommen.

Bald traten Einheimische hinzu, unter ihnen Andreas Lang, der angeblich von seinen Eltern zur Erziehung ins Kloster gegeben worden war und dort die Anerkennung des Abtes Eberhard gewann. Mit welchen Aufgaben er nach seinem Eintritt ins Kloster unter Eberhard von Venlo und unter dessen Nachfolger betraut war, wissen wir nicht.

Andreas Lang trat das Amt des Abtes 1483 mit großer Energie an. Schon eine Woche nach seiner Wahl war ein umfassendes Inventar des Klosters fertiggestellt, das nicht nur den gesamten beweglichen Besitz, sondern auch den Personalstand und eine Übersicht über die Einnahmen umfasste.

Wenige Monate darauf erwiesen sich Reparaturen am Dach der Klosterkirche als unumgänglich. Provisorisch wiederhergestellt, wurde das Dach im Sommer 1484 neu mit Bleitafeln gedeckt. Im selben Jahr ließ Andreas Lang die unter seinem Vorgänger begonnene Wasserleitung ins Kloster vollenden.

Weitere Baumaßnahmen kamen hinzu: 1486 eine Renovierung der Innenwände der Kirche, 1487 der Bau eines Gewölbes zwischen beiden Türmen, 1490/91 der Bau einer Orgel durch einen böhmischen Franziskaner, 1492 der Neubau des eingestürzten Dormitoriums, der 20 Mönchszellen aufnahm, und die Erweiterung des Kapitelshauses, 1494 die Anschaffung von acht Bildern aus der Passionsgeschichte und eines Bildnisses der heiligen Kunigunde für den Hochaltar. Ferner erneuerte er Seitenaltäre und kaufte liturgische Gewänder sowie einen Baldachin für Fronleichnams-Prozessionen.

Die wirtschaftlichen Grundlagen des Klosters waren in Unordnung geraten. So gelang es dem Kloster nicht, seine Rechte in ausreichendem Maß gegenüber seinen abgabepflichtigen Hintersassen geltend zu machen. Die tatsächliche Höhe der Einkünfte lag um 1480 bei 58,5 Prozent der Sollhöhe.

Unter diesen Umständen konnten auch die Äbte ab 1463, Andreas Lang eingeschlossen, der Verschuldung ihres Klosters nicht Herr werden. Verkäufe erwiesen sich als erforderlich. Bestrebungen der Äbte, die Wirtschaftskraft zu stärken, sind zwar festzustellen, ohne dass man eine stringente Politik ablesen könnte.

So ließ Abt Andreas Lang 1486 einen großen See bei Rattelsdorf anlegen, nachdem schon seine Vorgänger der Förderung der Fischzucht einige Aufmerksamkeit gewidmet hatten. Es gehört zu den wirtschaftlichen Bemühungen, wenn Lang, wie Jahrhunderte später berichtet wird, erhebliche Beträge für alchemistische Versuche ausgab.

Andreas Lang hielt ebenso wie seine beiden Vorgänger auf Klosterzucht. Es gab häufige Wechsel in der Besetzung des Priorats zu Stettin: Der Abt wollte verhindern, dass sich der weit entfernt wirkende Mönch langfristig seiner Kontrolle entzogen war.

Andreas Lang entwickelte eine rege literarische Tätigkeit, wobei er Kontakt hielt zu illustren Gelehrten. So wurde er medizinisch behandelt von dem Nürnberger Arzt Hartmann Schedel (1440–1514), mit dem er wohl freundschaftlich verbunden war. Schedel hat, besonders als Herausgeber einer umfassenden Weltchronik mit reichem Buchschmuck, Berühmtheit erlangt. Dass in diesem Werk der heilige Otto von Bamberg besonders hervorgehoben wurde, rührt wohl von seiner Freundschaft mit dem Michelsberger Abt her.

Gut bekannt war Andreas Lang auch mit einem namhaften Benediktinerabt und Humanisten, nämlich mit Johannes Trithemius (1462–1516), der von 1483 bis 1506 dem Benediktinerkloster Sponheim bei Bad Kreuznach vorstand. Der „Katalog der Heiligen des Benediktinerordens“, den Andreas Lang zu einem unbekannten Zeitpunkt zusammenstellte, war eng angelehnt an Arbeiten von Trithemius. Ebenso wie Trithemius kämpfte Lang für die Lehre von der unbefleckten Empfängnis Mariens, die kurz vor 1500 unter Theologen diskutiert wurde.

Andreas Lang verfasste eine Lebensgeschichte des heiligen Bischofs Otto von Bamberg († 1139), der in der Klosterkirche St. Michael begraben liegt. Dabei war Lang nicht Autor in einem modernen Sinn. Vielmehr sind, wie es im Mittelalter üblich war, seine Bücher Kompilationen, Zusammenstellungen aus Werken anderer Verfasser.

Weiterhin diktierte Andreas Lang seinen Schreibern eine bis 1487 reichende Geschichte der Bamberger Bischöfe, wie in zwei Versionen und einem Auszug erhalten ist, und eine ausführliche Liste der Michelsberger Äbte, ebenfalls in zwei Fassungen überliefert.

Alle genannten Werke des Abtes sind handschriftlich überliefert. Zu seinen Lebzeiten wurde offenbar keines von ihnen gedruckt. Nur eine kleine Schrift erschien in Druck: die lateinische Rede, die der Abt 1501 in Fulda auf dem Kapitel der benediktinischen Ordensprovinz Mainz-Bamberg hielt.

Am 22. Oktober 1502 verstarb Andreas Lang, infolge eines Schlaganfalls linksseitig gelähmt, nach fast zwanzigjähriger Amtszeit, wohl noch keine 60 Jahre alt.

Von Günter Dippold

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