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Probleme in Unterneuses scheinbar nicht relevant

Ein Abonnent schreibt einen Leserbrief an das Obermain-Tagblatt.
Ein Abonnent schreibt einen Leserbrief an das Obermain-Tagblatt. Foto: Uwe Anspach (dpa)

War es der zu früh angesetzte Zeitpunkt, oder war es doch die niedrige Temperatur, die eine geringe Beteiligung am „Planungs-Spaziergang“ verursachte? Ich glaube, es waren weder die Zeit noch der Frost, sondern es war eher der Frust, der mittlerweile in der Bevölkerung entstanden ist.

Bemerkenswert ist, wie jetzt für den Hauptort Ebensfeld eine Lösung gesucht wird, den Durchgangsverkehr zu mäßigen. Und nachdem laut Aussage aus dem Rathaus „über Unterneuses keiner spricht“, möchte ich darüber sprechen/schreiben:

Da war die alles entscheidende und verursachende Gemeinderats-Sitzung vom 31. Mai 2011. Mit welcher Euphorie wurde damals nach den Gewerbegebieten nördlich und westlich von Unterneuses ein weiteres, noch größeres zwischen Ebensfeld und Unterneuses ausgewiesen. Erschienen ist damals nur ein kleiner Bericht, aber wie wir jetzt sehen, - ein kleiner mit großer Wirkung:

Die Firma Systeam wollte ein Lager bauen, aber bitte möglichst nahe an ihrer bereits stehenden Verwaltung. So wurde es vom Rathaus an uns Bürger verkündet, im Zeitalter, wo längst schon Internet und auch die lokalen Netzwerke Intra- und Extra-Net in Firmen Einzug gehalten hatten.

Die Vision war sicherlich, mit wachsendem Verkehr durch Ebensfeld möglichst bald eine Umfahrung als zwingend erforderlich zu bekommen. Verneint wurde dies lange Zeit. Jetzt allerdings nicht mehr.

Und es ist verwunderlich, wie schnell das alles vollzogen wurde: Am Südkreisel von Ebensfeld, wo ein Gewerbegebiet in Autobahn-Nähe vorhanden war, wurde dieses am 31. Mai 2011 als potenzielles Überschwemmungsgebiet umgestuft. Im gleichen Zuge wurde man fündig mit dem Gewerbegebiet nördlich von Ebensfeld, wobei auch die Größe auf 16 Hektar schöngerechnet wurde. Zur Umwandlung ist bemerkenswert, dass in Unterneuses 2008 und dann auch 2018 ein Überschwemmungsgebiet als überschwemmungsfrei umgestuft und für Gewerbe bebaubar gemacht wurde.

Logo und Slogan „Ebensfeld, das Tor zum Gottesgarten“ stimmen seitdem mit dem Anblick überhaupt nicht mehr überein.

Sonderbar ist auch, dass sich am 31. Mai 2011 fünf Gemeinderäte entschuldigen ließen. Bei 20 Gemeinderäten ein hoher Anteil! Nach der Gemeindeordnung ist dies ja auch möglich, wo es heißt „… nach besten … und Gewissen“ entscheiden zu können, wo dann dieses bei einigen geplagt haben mag. (Eine Einsichtnahme in die Niederschrift konnte bis heute nicht stattfinden.)

Leider wurde damals (2011) die Bevölkerung von der Gemeinde nicht in dem Maße mit eingebunden, wie es nötig gewesen wäre. Auf Antrag an die obere Behörde für Verbesserungen schrieb diese im Juli 2014 in ihrem Planungsergänzungs-Beschluss an die Gemeinde: „… dass es nicht die Aufgabe des Vorgabenträgers ist, die Verkehrsverhältnisse im Gemeindegebiet insgesamt zu verbessern“.

Die Probleme wurden schließlich selbst geschaffen.

Auch später, am 10. Juli 2018 wurde ein Antrag zur „Erstellung eines Gesamtverkehrskonzeptes für den Markt Ebensfeld“ gestellt, aber nach 14 Tagen bereits mehrheitlich vom Gemeinderat abgelehnt.

Aber jetzt „dürfen“ wir Bürgerinnen und Bürger ran. Über das Integrierte-Städtebauliche-Entwicklungs-Konzept (ISEK) mit einer Planungs-Gruppe dürfen wir mitreden, um eine Lösung aus dieser Misere zu finden.

Obwohl ISEK „für die gesamte Gemeinde“ geltend ausgeschrieben ist, wird am Ende doch nur für die beiden Orte Ebensfeld und Kutzenberg um Verbesserungs-Vorschläge gebeten.

Probleme hier in Unterneuses sind scheinbar nicht relevant und werden schlechthin ignoriert, und „über Unterneuses redet keiner“, war die Aussage. Dass sich in Unterneuses keiner dagegen gewehrt haben sollte, ist eher ein Versuch, das Problem bei uns zu verdrängen.

Ans Rathaus wurden mehrmals Anträge zum Einrichten von Sicherheitsmaßnahmen bei Ausweisungen von Gewerbegebieten gestellt. Alle wurden mit ähnlichen Worten wie: „… ergeben keinen Anlass für eine Änderung“, oder „… sind nicht Bestandteil des Bauvorhabens“, abgewiesen.

Verwunderlich ist eine neuerdings oft genannte Erweiterung des Gewerbegebietes Ebensfeld-Nord-III. Mit der Fertigstellung der St 2187 wird zwar eine spürbare Entlastung des Verkehrs, vor allem für Ebensfeld, spürbar sein, was aber gewonnen wird, geht dann nach einer Erweiterung wieder verloren.

Die Bürgerbeteiligung am Freitag, 29. Oktober, wird wieder als „Planungs-Spaziergang“ bezeichnet. Für Teilnehmer ist es sicherlich leichter, die passende Kleidung zu finden. Für Ideen zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse wird es dagegen schwieriger sein. Die gemachten Fehler sind massiv.

Andreas Hofmann

Verein Heimat und

Dorfgeschichte Unterneuses

Unterneuses

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