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EBENSFELD

Photovoltaik in Ebensfeld: Die Ein-Prozent-Grenze bleibt

Photovoltaik in Ebensfeld: Die Ein-Prozent-Grenze bleibt
Unter Berücksichtigung der bereits bestehenden beziehungsweise geplanten Anlagen bei Eggenbach, Draisdorf, Oberbrunn (Bild) und Unterneuses ist nicht mehr viel Raum, bis die 2018 von der Gemeinde gesetzte Ein-Prozent-Grenze greift. Deshalb war es nun notwendig, darüber zu befinden, ob es bei dieser Flächendeckelung bleiben soll. Foto: Mario Deller

Ebensfeld Beitrag zur Energiewende ja, aber nicht auf Kosten des Landschaftsschutzes – dieser bei Photovoltaik-Freiflächenprojekten oft mitschwingende Zwiespalt wird umso größer, je mehr solche Anlagen in einer Region vorhanden sind. Im Markt Ebensfeld wurde deshalb nun eine bereits 2018 beschlossene Flächenbegrenzung per Beschluss erneuert.

Die damals gefasste Regelung sieht vor, dass maximal ein Prozent der Acker- und Grünflächen des Gemeindegebiets mit Photovoltaik-Freiflächen überbaut werden können, mithin 40,1 Hektar. Unter Berücksichtigung der bereits bestehenden Anlagen bei Eggenbach, Draisdorf, Oberbrunn und Unterneuses sowie unter Einbeziehung der bereits weitestgehend auf den Weg gebrachten Anlagen zwischen Draisdorf und Eggenbach stünden demnach noch rund fünf Hektar zur Verfügung.

In der Marktgemeinde wird mehr Strom produziert als verbraucht

Die CSU-/Junge-Bürger-Fraktion hat in der jüngsten Gemeinderatssitzung beantragt, diese Grenze beizubehalten. „Wir wollen uns dem Thema Solarstrom nicht verschließen“, betonte Axel Alt-stötter, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Mit den bestehenden Anlagen leiste die Gemeinde aber schon einen guten Beitrag. Eine zusätzliche Belastung der Landschaft gelte es zu vermeiden. Wie Bürgermeister Bernhard Storath in der Sitzung in der Pater-Lunkenbein-Sporthalle in der Diskussion ergänzte, produziere der Markt Ebensfeld durch die Anlagen weitaus mehr Energie, als die Kommune selbst verbrauche.

Tobias Engel von der SPD warnte davor, ländliche Region „zuzupflastern“, um die städtischen Gebiete mit zu versorgen. Allerdings, so Engel weiter, dürfe man aber auch nicht behaupten, in Sachen Energiewende genug getan zu haben. Er plädierte daher dafür, Dachflächen-Photovoltaik voranzutreiben.

„Wir sollten jetzt keine falschen Erwartungshaltungen schüren und einen Schlussstrich ziehen.“
Bernhard Storath, Bürgermeister

Einen harten Kriterienkatalog für Photovoltaik-Vorhaben nach dem Beispiel der Gemeinde Meeder regte Heinrich Kunzelmann von den Freien Wählern an. Der Antrag seiner Fraktion zur Geschäftsordnung, den Tagesordnungspunkt zu vertagen, um alle Aspekte berücksichtigen zu können, wurde mit sieben zu zwölf Stimmen abgelehnt.

Mit einem Abstimmungsergebnis von drei zu 16 Stimmen ebenfalls keinen Erfolg hatte der von Otto Weidner (Grüne) eingebrachte Antrag. Dieser beinhaltete, dass Freiflächenphotovoltaikvorhaben dergestalt einer Einzelfallbeurteilung unterworfen werden, dass unter Berücksichtigung von Aspekten wie Landschaftsschutz oder Blendwirkung vorrangig bereits „belastete“ Areale wie Gewerbegebiete oder nahe Eisenbahnlinien dafür genutzt werden sollten.

Weiterhin eine Einzelfallbeurteilung nötig

„Wir sollten jetzt keine falschen Erwartungshaltungen schüren und einen Schlussstrich ziehen“, plädierte Bürgermeister Storath für eine Fortführung der Ein-Prozent-Regelung. Dem schloss sich letztlich mit elf zu acht Stimmen die Mehrheit des Gremiums an. Die Anträge von Interessenten, die eine Photovoltaik-Anlage im Markt Ebensfeld errichten wollen – mit dreien befasste sich das Gremium in der nichtöffentlichen Sitzung – unterliegen aber weiterhin einer Einzelfallbeurteilung.

Schon auf der Zielgeraden ist die von einem Grundstückseigentümer geplante Photovoltaik-Freiflächenanlage zwischen Eggenbach und Draisdorf auf einer Fläche von rund 3,5 Hektar. In der Sitzung wurden nun die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange eingegangenen Stellungnahmen gehört. Dann fasste der Gemeinderat einstimmig einen Feststellungsbeschluss zur Änderung des Flächennutzungsplans sowie einen Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan.

Blendwirkung für Autofahrer vermeiden

Unter anderem vor dem Hintergrund, dass das Areal nahe an der Kreisstraße Lif 17 liegt, war zur Umsetzung ein Gutachten der Firma IBT4 Light GmbH zur Beurteilung möglicher Sonnenreflektionen in Auftrag gegeben worden. Demzufolge sind zur Vermeidung von Blendwirkungen bestimmte Ausrichtungs- und Neigungswinkel der Solarmodule einzuhalten.

Der Sitzung wohnte auch Kai Kutzner von der Planungsgruppe Strunz aus Bamberg bei, die den Auftrag zur Bearbeitung des Bebauungsplanes erhalten hatte. An einigen Punkten brachte er aktuelle Ergänzungen ein, die in die Beschlussfassungen eingearbeitet wurden.

Dabei ging es beispielsweise um die in der Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes Kronach thematisierte mögliche Freisetzung von Zink in den Boden mittels verzinkter Modulbauteile. Wie Kutzner erläuterte, lässt sich die Zinkbelastung durch speziell beschichtete Modulpfosten auf ein zulässiges Maß verringern.

Wasserabfluss darf darunter liegende Äcker nicht belasten

Im Planbereich verläuft außerdem eine 20-kV-Überlandstromleitung der Bayernwerk Netz GmbH, was einen Schutzstreifen von zehn Metern beiderseits der Leitungsachse notwendig macht. Der naturschutzfachlich erforderliche Ausgleichsbedarf von 2993 Quadratmetern wird gedeckt durch ein Areal östlich von Erlhof.

Im Zuge der öffentlichen Auslegung brachte sich Ottmar Sebald ein. Er wies darauf hin, dass es durch die Umnutzung der bisher ackerbaulich verwendeten Flächen zu deutlich erhöhtem Wasserabfluss kommen dürfte, und forderte, dass die darunter liegenden Ackergrundstücke dadurch nicht zusätzlich belastet werden dürften.

Voraussichtlich im Frühjahr sollen der Satzungsbeschluss bekannt gemacht werden und Flächennutzungsplanänderung und Bebauungsplan Rechtskraft erlangen als Basis für die Photovoltaik-Freiflächenanlage zwischen Draisdorf und Eggenbach.

Photovoltaik in Ebensfeld: Die Ein-Prozent-Grenze bleibt
Mit dem Feststellungsbeschluss zur Flächennutzungsplanänderung sowie dem ebenso in der Sitzung erfolgten Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan steht das zwischen Draisdorf und Eggenbach angesiedelte Photovoltaik-Freiflächenprojekt eines Grundstückseigentümers in den Startlöchern. Foto: Planungsgruppe Strunz
Photovoltaik in Ebensfeld: Die Ein-Prozent-Grenze bleibt
Unweit des Freiflächenanlagen-Vorhabens, für das der Gemeinderat nun wohl den Weg geebnet hat, befindet sich zwischen Draisdorf und Eggenbach bereits seit 2007 eine 5,8 Hektar große Anlage mit einer Nennleistung von 1616 KwP. Foto: Climagy GmbH

Von Mario Deller

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