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UETZING

Nachfrage nach Bierfässern von Büttner Weis ist groß

Nachfrage nach Bierfässern von Büttner Weis ist groß
Mitarbeiter Robert Tremel mit einem Reparatur-Auftrag: dieses 2000-Liter-Fass muss überholt und die Eisenreifen nachgezogen werden. Foto: Monika Schütz

Die Anfragen kommen meist per E-Mail. „Da sind interessante Sachen dabei“, sagt Leo lachend, wenn er den Posteingang durchsieht. Leonhard Weis, so lautet Leos vollständiger Name, ist gelernter Büttner, und der Rentner hilft nur noch ein wenig im Familienbetrieb in Uetzing mit aus.

Leo weiß viele Geschichten zu erzählen. „Da schickt die Paulaner ihr Bier nach China, und wir machen die Holzfässer mit Aufschrift dazu“, deutet er auf die PDF-Vorlage „Paulaner Harbin Songbei“. Was das wohl bedeuten mag? Der Rentner weiß es nicht, lacht. Mittlerweile ist bekannt, dass es die Lieferadresse ist.

Ein Hasen-Logo für die „Rammlerbräu“

Eine neue Brauerei aus Unterhaching bei München hat Fässer mit einem Hasen-Logo bestellt. Kein Wunder, heißt sie doch „Rammlerbräu“. Für die Büttnerei in Uetzing ist das keine Schwierigkeit. Zu ihren Kunden zählen auch noch viele Privatleute. „Die Hobbybrauer brauchen ja auch ein Fass, wo wollen die ihr Bier sonst einfüllen?“, meint Leo.

Nachfrage nach Bierfässern von Büttner Weis ist groß
Robert Tremel zeigt die spezielle Form der Dauben. ImHintergrund rechts steht die schwarze Streif- und Ausziehmaschine von 1928. Foto: Monika Schütz

Aus vielen Gegenden Deutschlands kommen die Anfragen und Bestellungen, auch aus Österreich und der Schweiz, aber auch aus den USA oder Weißrussland. Sogar nach Taiwan werden die Holzfässer fürs Bier geschickt. „Das ist jedes Mal ein ziemlicher Papierkram“, sagt Leo, „man muss sich um Frachtpapiere, Gebühren und die Zollvorschriften kümmern“.

Bevor die Fässer „Made in Uetzing“ aber auf die Reise gehen, steht ihnen noch ein – allerdings nicht so weiter – Weg bevor. Sie müssen zum Eichamt nach Bamberg. Leo bringt die Fässer hin, wartet bis sie dort mit Wasser befüllt und gemessen sind und den Eichstrich bekommen haben, dann bringt er sie wieder nach Uetzing. Dort geht es zu den Kunden.

Ein Kunde will ein Fass mit eingraviertem Namen

An diesem Tag klopft früh ein junger Mann an die Bürotür: vor wenigen Tagen hatte er ein „10-er“ aus Holz bestellt, das wolle er nun abholen. „Es ist ein Geschenk für einen Freund“, sagt Frank Neumann aus Bad Staffelstein. Den Namen des Freundes hat er gleich mit eingravieren lassen. Nun ist das Fässla fertig.

Mehr als 20 Jahre wird es wohl halten, kann unzählige Male von den Brauereien befüllt werden. Frank Neumann hat seines mit einer Edelstahlblase als Innenleben bestellt.

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Fassrohlinge auf dem Schiebwagen: sie bekommen nochihren handgefertigten Fassboden und Deckel. Foto: Monika Schütz

Viele anderen Fässer werden aber noch „gepicht“: Dabei wird 200 Grad heißes Pech ins Fassinnere gespritzt. Dort kühlt es ab und bildet dabei eine dünne Schicht aus. Das eingefüllte Bier kommt also anders als beim Wein und Schnaps nie mit dem Holz direkt in Berührung.

Die Familie Weis verwendet nur trockenes Eichenholz aus der Region und aus dem Spessart. „Für jeden Zentimeter Dicke muss das Holz ein Jahr lagern, sonst verzieht es sich im Laufe der Jahre oder reißt“, erklärt Leo.

Die beiden Mitarbeiter Hamdi und Robert Tremel sind gut beschäftigt: Sie sägen an Band- und Kreissäge, schleifen, spannen ein, hobeln, biegen, weichen und trocknen, lackieren.

Viele Maschinen stammen aus den 1920-er Jahren

Viele Maschinen in der Werkstatt stammen noch aus den 1920-er Jahren wie die Streif- und Ausziehmaschine von 1928. Sie verpasst den Fassdauben ihre typische Form. Trotz Eisenreif, der wenig später angebracht wird und sie in Form hält, müssen die Dauben das perfekte Profil haben, damit sie auch wirklich dicht halten. Schließlich werden noch Deckel und Fassboden in Handarbeit aus Holz angefertigt.

Egal, wie man die Handwerker bezeichnet – Küfer im Rheinland, Schäffler in München, Büttner in Franken oder gebietsweise auch als Fassbinder oder Böttcher –, es hat sich über Jahrhunderte kaum verändert und war einst weit verbreitet. Allein in Bayern gab es in den 1950-er Jahren rund 1800 Betriebe. Dann kamen die Edelstahlfässer auf.

Nachfrage nach Bierfässern von Büttner Weis ist groß
Mitarbeiter Robert Tremel (li.) übergibt das fertige 10erFässla an den Kunden Frank Neumann. Foto: Monika Schütz

Heute gibt es nur noch etwa 35 Böttcherbetriebe in ganz Deutschland und keinen einzigen Ausbildungsplatz. Maximilian Knaus von der Handwerkskammer in Bayreuth sieht in der Handwerksrolle nach, in der die noch tätigen Betriebe eingetragen sind. „Da steht die Büttnerei Weis aus Bad Staffelstein als Bierfassmacher an der Spitze in Oberfranken“, sagt er. Einen weiteren Büttner gibt es noch im Landkreis Bamberg, der hat sich aber mittlerweile auf Weinfässer und andere Produkte spezialisiert. Ein anderer Büttner ist im Landkreis Kronach tätig, und auch in Unterfranken gibt es noch einen Bierfassmacher nahe Karlstadt.

Kein einziger Büttner in der Gegend bildet aus

Nachwuchs für dieses früher so wichtige Handwerk gibt es wohl keinen mehr. Auch wenn die Handwerkskammer mit Angeboten wie zweieinhalb Monaten Blockunterricht in Österreich pro Ausbildungsjahr wirbt und die Vergütung der Azubis nicht unter dem Durchschnitt liegt – im ersten Jahr gibt es 515 Euro, im zweiten 611 Euro und im dritten Jahr 695 Euro – bildet keiner der gemeldeten Betriebe aus.

Wie es in Uetzing weitergeht? „Keine Ahnung“, antwortet Leo Weis und zuckt mit den Schultern. „Es ist noch kein Nachfolger in Sicht. Vielleicht hat ja mein Patenkind oder jemand anderes aus der Verwandtschaft Interesse. Wer weiß?“

 

Von Monika Schütz

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