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EBENSFELD

Musikvereinigung Ebensfeld: Resignation ist keine Option

Wie auch jetzt beim neuerlichen Lockdown blieben die Mitglieder des Blasorchesters der Musikvereinigung auch im Frühjahr im Rahmen von virtuellen Proben miteinander in Kontakt. Foto: Musikvereinigung Ebensfeld

Die Corona-Pandemie macht auch den Musikvereinen im Landkreis Lichtenfels schwer zu schaffen. Im Gespräch mit zwei Vertretern der Musikvereinigung Ebensfeld, der neuen Dirigentin Kathrin Motschenbacher und dem Vorsitzenden Rudi Dierauf, wird deutlich, wie vielgestaltig die Herausforderungen im Jahr 2020 sind. Doch Resignation darf keine Option sein, so der Mut machende Tenor ihrer Worte.

Seit Januar Dirigentin bei der Musikvereinigung

Im Januar 2020 übernahm Kathrin Motschenbacher den Dirigentenstab bei der Musikvereinigung. Die Musikerin, die wie ihr Ehemann Waldhorn spielt und auch Ensembles des Musikvereins Zeyern sowie der Stadtkapelle Bamberg dirigiert, freute sich auf diese Aufgabe, auf ein schönes Jahr mit das Publikum erfreuenden Auftritten. Doch dann stürzte Covid-19 die Welt ins Chaos.

„Wir hatten im bis Februar acht reguläre Proben, dann kam der erste Lockdown“, erinnert sich Motschenbacher. Wie weitreichend die Konsequenzen der Pandemie sein würden, hat auch bei der Musikvereinigung kaum jemand auf dem Schirm: „Wir dachten – optimistisch, wie wir damals zunächst noch waren – dass wir halt dann nach Ostern wieder los legen.“

Trotz Corona optimistisch und voller Tatendrang: die neue Dirigentin der Musikvereinigung, Kathrin Motschenbacher. Foto: Musikvereinigung Ebensfeld

„Man könnte meinen, der Vereinsbetrieb steht seit März still, das tut er aber nicht. Zwar können wir immer nur in Abständen von zwei bis vier Wochen planen. Doch wir machen uns ständig Gedanken, um bestmögliche Lösungen zu suchen“, betont Vorsitzender Dierauf. Neun Vorstandssitzungen, davon sechs online, hat der Verein seit Beginn der Pandemie abgehalten.„Wir versuchen alles dafür zu tun, dass die verschiedenen musikalischen Gruppierungen weiter Bestand haben“, erklärt er.

Zusammenarbeit mit der Ebensfelder Schule fortgeführt

Die Nachwuchsausbildung dürfe jetzt nicht stillstehen, machen die Vereinsvertreter deutlich. So sei man froh, dass die in den Unterricht der Ebensfelder Pater-Lunkenbein-Schule eingebundenen Bläserklassen-Proben fortgeführt wurden, wenngleich unter erschwerten Rahmenbedingungen. Im Juli gab es den Wechselunterricht, momentan müssen wegen Corona die Schulklassen getrennt bleiben. Ein gemeinsames Proben des gesamten Bläserklassenensembles ist so nicht möglich. „Die Schulleiterin unterstützt uns aber sehr gut“, so Motschenbacher.

Alle außerschulischen Musikangebote wurden aber, nachdem der Inzidenzwert im Landkreis die Stufe „rot“ erreicht hatte, strikt untersagt. „Wir überlegten, was wir tun konnten, um den Kindern auch weiterhin instrumentalen Einzelunterricht bieten zu können“, blickt Motschenbacher zurück.

Dankenswerterweise stellte der TSV Ebensfeld eine Räumlichkeit im Sportheim zur Verfügung. Auch im „Lockdown light“ ist es – unter Einhaltung der AHA-Regeln, mit Plexiglas-Trennwänden, regelmäßigem Lüften und so weiter – möglich, den Kindern im Einzelunterricht die Fähigkeiten zum Erlernen des jeweiligen Musikinstruments zu vermitteln. Mit der Option eines ausschließlich online stattfindenden Einzelunterrichts kann sich Motschenbacher überhaupt nicht anfreunden, zumal dies auch eine Ungleichbehandlung zur Folge hätte: „Die Schnelligkeit der Internetverbindung und die technische Ausstattung ist nicht in allen Haushalten dieselbe, das wäre einfach sozial ungerecht.“

„Ich habe schon ein wenig Angst, dass der Nachwuchs wegbricht“

Gerade bei Jugendlichen sei es schwierig, sie jetzt bei der Stange zu halten. Doch gerade diese seien die Zukunft des Vereins. „Ich habe schon ein wenig Angst, dass der Nachwuchs wegbricht“, so Motschenbacher weiter. Gemeinsame Auftritte etwa beim Maimarkt oder auf dem Ebensfelder Weihnachtsmarkt waren für die Kinder eine wertvolle Motivation, die nun fehlt. Die derzeitige Gemütslage des Nachwuchses beschreibt sie mit den Worten: „Die einen üben jetzt noch mehr als vorher, andere wiederum verlieren die Lust.“ Dass die Musikvereinigung eeine intensive Nachwuchsförderung betreibt, wertet sie gerade in diesen Zeiten als Stärke: „Musikvereine, die nicht selbst ausbilden, trifft es jetzt noch härter.“

Der Verein versucht auch für die Orchesterensembles die schwierige Phase zu meistern. Nach dem ersten Lockdown durfte man sich zwischenzeitlich über ein klein wenig „Normalität“ freuen, als von Juli bis Ende Oktober wieder gemeinsame Präsenzproben stattfinden konnten – allerdings mit zwei Metern Abstand zueinander.

Da war auch die Welt für die Musikvereine noch in Ordnung: Instrumentalisten der Musikvereinigung beim Ebensfelder Weihnachtsmarkt vor knapp einem Jahr. Links zu sehen ist Vereinsvorsitzender Rudi Dierauf, der selbst mit Begeisterung Trompete spielt. Foto: Mario Deller

In Gedanken spielt man im Musikverein dann irgendwann unter derartigen Voraussetzungen wieder mögliche Auftritte durch – was Fragen hinsichtlich der Praxistauglichkeit aufwirft, die nicht nur den erhöhten Platzbedarf bei Aufführungen betreffen: „Da sind die akustischen Verhältnisse einfach viel schwieriger, wenn man bei einer Open-Air-Aufführung den Nachbarn nicht mehr hört“, erklärt Motschenbacher. Außerdem werde auch der Dialog zwischen den Musikern wegen des Abstands erschwert. Die Streicher etwa schauten bislang immer zu zweit in ein Pult.

Doch seit Anfang November der „Lockdown light“ verhängt wurde, sind die wichtigen Präsenzproben wieder untersagt. Das fehle ihr auch persönlich, räumt Motschenbacher ein und sagt: „Es macht einfach Spaß, wenn man ein Stück auflegt und nach dem Proben klingt es dann viel besser.“ Nun mache man eben das Beste aus der Situation, so die Dirigentin, weist hier etwa auf Webinare und Online-Proben des Blasorchesters hin.

Finanzieller Aspekt kann nicht ignoriert werden

Wie bei anderen Vereinen kann bei den Planungen auch der finanzielle Aspekt nicht ignoriert werden. Die 650 Mitglieder zählende Musikvereinigung könne dauerhaft nicht über die Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert werden, redet Dierauf Klartext.

Rund ein Jahr her und doch wie aus einer anderen Zeit: Eine Aufnahme vom Herbstkonzert der Musikvereinigung 2019 mit Rudi Dierauf (Mitte) an der Trompete. Foto: Mario Deller

Die vom Verein abgehaltenen Feste wie die Grieser Kerwa, der Fronleichnamsfrühschoppen und das traditionelle Herbstkonzert brachten nicht nur eine schöne Abwechslung in das gesellschaftliche Leben, sondern bilden normalerweise auch einen wichtigen finanziellen Eckpfeiler.„Gott sei Dank konnten wir ein finanzielles Polster aufbauen und haben solide gewirtschaftet“, beschreibt Dierauf die Situation, betont aber, dass man als gemeinnütziger Verein andererseits nicht x-beliebig Ersparnisse anhäufen dürfe, sondern Überschüsse irgendwann auch wieder dem Vereinszweck zugeführt werden müssten.

„Wenn man kein Ziel vor Augen hat, kommt schon mal Frust auf“

Wenn der Vorsitzende über die Musiker des Vereins spricht, schließt er sich selbst mit ein, denn Dierauf spielt seit 45 Jahren mit großer Leidenschaft Trompete und Flügelhorn. Die derzeitige Situation geht auch an ihm nicht spurlos vorüber: „Wenn keine Auftritte absehbar sind, man kein echtes Ziel vor Augen hat, kommt schon mal Frust auf.“Das Instrument in die Ecke legen, käme ihm aber nie in den Sinn: „Ich liebe das Trompetenspiel. Die Musik hat quasi mein Leben mitbestimmt.“Er spricht von der Freude am Spielen, erinnert sich an viele schöne Erlebnisse. All dies mache die Musik zu einem „einzigartigen Hobby“, schwärmt er.

Noch steht es in den Sternen, wann – wie hier beim Herbstkonzert der Musikvereinigung vor rund einem Jahr in der Pater-Lunkenbein-Halle – die Saxophone wieder ihren Klang entfalten dürfen. Foto: Mario Deller

Von Mario Deller

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