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NEDENSDORF / WIESEN

Mahnandacht für einen respektvollen Umgang mit der Natur

Mahnandacht für einen respektvollen Umgang mit der Natur
Gemeinsam mit Klaus Stürmer von der Bürgerinitiative „Verantwortungsvolle Bürger im Banzgau“ (li), Gemeindereferent Matthias Beck von der katholischen Pfarrei St. Kilian (2. v. li.), BN-Kreisvorsitzendem Anton Reinhardt (3.v. li.), und Pfarrer Matthias Hagen von der evangelischen Kirchengemeinde (4. v. li.) beteten und sangen etliche Bürger am Franziskusmarterla für den Erhalt der Schöpfung. Foto: Anton Reinhardt

Der Schutz des Klimas und die Bewahrung der Schöpfung Gottes sowie die Verantwortung des Menschen für deren Erhalt zogen sich wie ein roter Faden durch die Texte, Gebete und Lieder während der Mahnandacht. Diese fand am am „Franziskusmarterla“ statt, in dessen Umkreis sich etwa zwanzig Gläubige versammelten.

Unter der musikalischen Begleitung von Klaus Stürmer von der Bürgerinitiative „Verantwortungsvolle Bürger des Banzgaues“ wurde zunächst gemeinsam „Laudato si“ zu Ehren des Heiligen Franziskus gesungenen. Danach erinnerte Anton Reinhardt, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutzes, an die lange Tradition der ökumenischen Mahnandachten. Diese gebe es mittlerweile über 27 Jahre.

„Der ungezügelte Flächenfraß findet nicht nur in den Urwäldern am Amazonas statt, sondern schleichend – von den meisten Bürgern unbemerkt – auch vor unserer eigenen Haustüre. “
Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender

Ein Thema lag Reinhardt am Franziskustag besonders am Herzen: der Schutz der freien Flächen. Dieser zähle zu den wichtigsten Klimaschutzmaßnahmen. Es gelte, die Böden zu erhalten, denn sie speicherten Kohlendioxid und große Mengen Wasser. „Noch könnten wir mit etlichen Bilderbuch-Landschaften auf den Fremdenverkehrsmessen für den sanften Tourismus guten Gewissens werben“, so Anton Reinhardt.

Er schwärmte von seiner Heimat: „Unsere Region ist schön. Hier haben wir in vielen Teilen noch geschlossene Dörfer mit kleinstrukturierter Kulturlandschaft in deren äußerem Umfeld.“ Zudem Wegkreuze, Bildstöcke, Streuobstbestände, Wälder, Äcker, Wiesen, Hecken und Kulturdenkmäler von europäischem Rang. „Hier haben wir noch landwirtschaftlich nutzbare Böden und Wälder, die Kohlendioxid speichern. Aber Franken ist in Gefahr!“

Ein lebenswertes Umfeld für nachfolgende Generationen

Die fränkische Landschaft habe Besseres verdient, als immer mehr gleichförmige Betonklötze am Ortseingang und gesichtslose Siedlungen am Ortsrand. Reinhardt mahnte: „Der ungezügelte Flächenfraß findet nicht nur in den Urwäldern am Amazonas statt, sondern schleichend – von den meisten Bürgern unbemerkt – auch vor unserer eigenen Haustüre. Wir stehen heute deshalb hier, um für unsere Kinder, Enkel und Urenkel ein lebenswertes Umfeld in unserer fränkischen Heimat zu bewahren.“

Im Landkreis verbrauche man für Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsflächen täglich durchschnittlich 1260 Quadratmeter, die der freien Natur oder der Landwirtschaft entzogen werden. Reinhardt appellierte an die Anwesenden: „Lasst uns gemeinsam schützend vor den Boden stellen und unsere Hände behutsam über den Boden halten, der die Grundlage unserer Ernährung ist, den die Pflanzen und Bäume brauchen, die uns kostbaren Sauerstoff spenden und das Klimagas CO2 speichern.“ Milliarden von Kleinstlebewesen in einem lebendigem Boden verrichteten ständig eine wunderbare Arbeit zu aller Nutzen.

Der kostbare Boden darf nicht zum Spekulationsobjekt verkommen

„Der Boden ist etwas Existenznotwendiges – etwas Kostbares, würde der Heilige Franziskus sagen. Er darf nicht zum reinen Spekulationsobjekt verkommen!“ Reinhardt mahnte: „Ein Blick vom Staffelberg veranschaulicht dem aufmerksamen Betrachter den schleichenden Verlust von freier Landschaft allein in den vergangenen 20 Jahren. Es kann nicht so weitergehen, dass beispielsweise immer neue Gewerbeflächen für Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese genehmigt werden, während gleichzeitig die Innenstädte und Dörfer ihrer Einkaufsmöglichkeiten und damit oft einem Teil ihres pulsierenden Lebens beraubt werden.“

Gemeindereferent Matthias Beck vom katholischen Pfarramt Sankt Kilian im „Seelsorgebereich Gottesgarten“ nahm Bezug auf die in diesen Tagen weltweit auf die Straßen gehenden Menschen, die angesichts der drohenden Klimakatastrophe ein Umdenken und konsequentes Handeln fordern. „Wir bitten unsere Gläubigen, Aktionen zu unterstützen, die sich friedlich für Klimagerechtigkeit einsetzen“, sagte er. „Wir freuen uns über jede Beteiligung am globalen Klimastreik, der von den jungen Menschen initiiert wird, deren Zukunft bedroht ist durch unsere Art zu leben, zu konsumieren und zu produzieren. Wir rufen alle Gläubigen auf, unablässig dafür zu beten, dass Gott uns hilft, das Leben auf dem Planeten Erde zu retten.“ Die globale Erwärmung sei eine Herausforderung, die von der Kirche eine starke Reaktion verlangt. Jede Maßnahme zur Eindämmung des Klimawandels und zur Verringerung der CO2-Emissionen sei ein Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung.

Pfarrer Matthias Hagen von der evangelischen Kirchengemeinde Bad Staffelstein erinnerte an die Sturzflut im rheinlandpfälzischen Ahrtal, die die Menschen urplötzlich heimsuchte und viele Todesopfer forderte. In den gemeinsamen Fürbitten brachten die beiden Geistlichen zum Ausdruck, dass die Existenz vieler Menschen, ja ganzer Völker durch Dürre, Sturzfluten, Waldbrände und Stürme, aber auch durch Raubbau und koloniale Ausbeutung bedroht sei.

Ludwig Wendler, BN-Ortsvorsitzender von Ebensfeld, sprach konkret im Hinblick auf den Schutz der Landschaft und das Wohl der Patienten, die Fürbitte aus, dass man in unmittelbarer Nähe des Neubaus der Psychiatrie des Bezirksklinikums Kutzenberg keine neue Staatsstraße bauen möge. (red)

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