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WOLFSDORF

Kulturscheune Wolfsdorf wird wohl deutlich teurer

Kulturscheune Wolfsdorf wird wohl deutlich teurer
So könnte die Kulturscheune in Wolfsdorf nach aktuellem Planungsstand aussehen. Foto: Grafik: Müller Architekten

Als der damalige Bürgermeister Jürgen Kohmann im Dezember 2019 bei der Bürgerversammlung in der „Alten Schmiede“ das Projekt Gemeinschaftshaus, Kulturscheune und Feuerwehrhaus vorstellte, sprach er noch von Kosten von rund einer Million Euro. Seither sind nicht nur zwei Jahre ins Land gegangen, sondern vor allem die Kosten regelrecht explodiert. Und so war das Projekt einmal mehr Thema im Stadtrat.

Zu klein für die Bedürfnisse sind sowohl das Vereinsheim „Alte Schmiede“ als auch das Feuerwehrhaus. Für Theaterdarbietungen muss außerdem stets eine private Maschinenhalle herhalten. Das ist unbefriedigend für die Wolfsdorfer. Umso mehr freuten sie sich, als Jürgen Kohmann ihnen damals in Aussicht stellte: „Wir schaffen für Wolfsdorf etwas Einzigartiges.“ Zwei Jahre liefen zu diesem Zeitpunkt schon die Planungen, der erste Ausführungsbeschluss im Stadtrat war bereits im April 2019 gefällt worden.

Das Baumaterial ist deutlich teurer geworden

Ein Dreiseitenhof sollte Pate stehen für die Neubauten auf einem 1000 Quadratmeter großen Grundstück neben dem Bolzplatz. Damals rechnete man noch mit einem Baubeginn im Frühjahr 2020. Aber das war vor Corona.

Die Stadt hat eine Teilfläche des Grundstücks bereits erworben, für knapp 14 000 Euro. In Zeiten der Pandemie verknappten sich die Baumaterialien und wurden deutlich teurer. Die Gesamtkosten verdoppelten sich nahezu. Und obwohl die Architekten um Diplom-Ingenieur Jürgen Kolb (Müller Architekten GmbH Kronach) noch einmal den Rotstift ansetzen, sind es noch immer geschätzte 1,78 Millionen Euro, plus Erschließungskosten in Höhe von 240 630 Euro. Abzüglich aller Zuschüsse, bleiben 1,1 Millionen Euro, die die Stadt schultern muss.

Kolb stellte in der jüngsten Stadtratssitzung die Einsparmöglichkeiten vor. So könnte die Kulturscheune um eine halbe Achse, also drei Meter, verkürzt werden. Der darin vorgesehene Sanitärtrakt wird gestrichen, dafür der Sanitärtrakt im Gemeinschaftshaus etwas größer und um eine Behinderten-WC ergänzt. „Uns muss klar sein, dass die Toilettenanlagen bei Veranstaltungen so nicht ausreichen werden, also weitere Toilettenanlagen zu stellen sind“, merkte Bürgermeister Mario Schönwald (Freie Wähler) an.

Putz und Holzverschalung statt großflächiger Fassadenplatten

Die großflächige Fassadenverkleidung soll durch preiswerteren Putz und Holzverschalung ersetzt werden. „Das Amt für Ländliche Entwicklung hat zugesagt, dass es das Projekt mit maximal 100 000 Euro mehr fördern würde, unter der Voraussetzung, dass nach Einsparmöglichkeiten gesucht wird und die Grundzüge der Planung nicht verändert werden“, so Kolb. 600 000 Euro stehen im Raum. Was das Amt noch fordert, ist, dass die Wolfsdorfer kräftig mit anpacken. „Das Amt möchte rund 2000 Stunden an Eigenleistung“, führte der Planer auf Nachfrage aus. Eine Heizung soll die Kulturscheune nicht erhalten: Im Winter müsste sie im Bedarfsfall mit einem Heißluftgebläse auf Temperatur gebracht werden. Ferner muss die Dorfgemeinschaft selbst für das Mobiliar sorgen, das nicht förderfähig ist.

Ziegler und Hagel: Gebäude insgesamt zu groß dimensioniert

Christian Ziegler (Junge Bürger) störte sich am „überflüssigen Dachboden“ und sprach von „viel totem Raum“. Er signalisierte, dass er sich bei der Abstimmung leichter täte, würde man die oberen Bereiche von Kulturscheune und Gemeinschaftshaus noch etwas eindampfen. Auch Jürgen Hagel (CSU) sah genannte Bauten als zu groß an, weil jeweils zweigeschossig: „Diese Größenordnung erschließt sich mir nicht.“ Stefan Dinkel (CSU) wollte die Kosten im Detail aufgeschlüsselt haben, getrennt nach Gebäuden. Damit konnte Jürgen Kolb in der Sitzung nicht dienen.

Kulturscheune Wolfsdorf wird wohl deutlich teurer
Die Nord-Ost-Ansicht des Gemeinschaftshauses Wolfsdorf. Foto: Grafik: Müller Architekten

„Wir sind von einer ganz anderen Summe ausgegangen, der Anteil der Stadt sollte unter 500 000 Euro liegen“, führte Winfried Ernst (Freie Wähler) aus. „Nun sind wir insgesamt bei fast zwei Millionen Euro. Das schafft Begehrlichkeiten in den Orten.“ Auch seien das freiwillige Ausgaben, so der Freie-Wähler-Fraktions-Chef, abgesehen vom Feuerwehrhaus. „Doch dürften wir mittlerweile an einem Punkt sein, an dem wir nicht mehr zurück können.“

„Wir sollten mit denen, die die Kulturscheune nutzen wollen, über Alternativen sprechen“, fand Sandra Nossek (Grüne/Staffelsteiner Bürger für Umwelt und Naturschutz). „Vielleicht können sie ja ihre Aktivitäten auf das Bären-Areal verlegen?“ Dort nämlich, im Herzen von Bad Staffelstein, sollen auch ein kleinerer und ein etwas größerer Veranstaltungssaal entstehen. Und der will ausgelastet sein.

Das TSF-W für Wolfsdorf ist mittlerweile bestellt

„Was ist, wenn wir die Kulturscheune weglassen?“, dachte Dieter Leicht (SPD) laut nach. „Dann verhandeln wir komplett neu“, gab ihm Bürgermeister Schönwald eine Antwort. Dann wären die Grundzüge der Planung berührt. Dann renne der Stadt die Zeit davon, denn: „Ich habe heute meine Unterschrift für den Kauf des Feuerwehrautos für Wolfsdorf gegeben. Die Lieferzeit beträgt 15 Monate. Bis dahin muss ein Feuerwehrhaus stehen“. Geplant ist ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser und Atemschutz. Mit Beladung und allem drum und dran belaufen sich die Kosten auf mindestens 180 000 Euro.

Schon im Vorfeld der Sitzung hatten die Fraktionssprecher darum gebeten, an diesem Abend nicht abzustimmen. Unisono warb man um Bedenkzeit. So wird das Thema am 14. Dezember erneut auf der Tagesordnung des Stadtrats stehen. Und dann soll ein Beschluss gefasst werden.

 

Von Markus Drossel

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