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KÜMMERSREUTH

Kümmersreuth: Macht Photovoltaik im Naherholungsgebiet Sinn?

Kümmersreuth: Macht Photovoltaik im Naherholungsgebiet Sinn?
Eine Photovoltaikanlage möchte die Nürnberger Firma Greenovative am Rand von Kümmersreuth errichten. Foto: ME

Rund um das Juradorf Kümmersreuth ist – abgesehen vom Steinbruch – noch unberührte Natur zu finden. Wenige hundert Meter entfernt vom Ortsrand befindet sich auf dem Schlossberg ein Bodendenkmal, das in einen der Staffelsteiner Kelten-Wanderwege integriert ist: die Reste einer Burg. Touristisch ist die Landschaft dort ein Naherholungsgebiet, das die Stadt nicht missen möchte. Solche Orte sind geeignet, den Zustrom zum Staffelberg ein wenig zu entzerren.

Für zwei Flurstücke zwischen dem Ortsrand von Kümmersreuth und dem Schlossberg sondiert die Nürnberger Firma Greenovative auf Wunsch des Eigentümers im Rahmen einer Bauvoranfrage, ob der Bau einer Photovoltaikanlage realisierbar wäre. „Es ist dort generell möglich“, sagte Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) im Bauausschuss. Zu berücksichtigen sei jedoch die Nähe zur Wohnbebauung. Außerdem müsste der Flächennutzungsplan geändert und ein vorhabensbezogener Bebauungsplanaufgestellt werden. Gehört werden müssten zudem drei Nachbarn, deren Grundstücke an die 31 600 Quadratmeter große Vorhabensfläche anschließen.

Zwar sei die Fläche vom Dorf her nicht einsehbar, doch müsse beachtet werden, dass unmittelbar neben dieser Fläche einer der Staffelsteiner Keltenwege verlaufe, sagte Kohmann. Das Photovoltaikprojekt sei zustimmungsfähig, „wenn wir diese Entwicklung dort wollen“, fügte er hinzu.

„Wir wollen so etwas nicht in der Achse des Maintals“, konkretisierte der Bürgermeister. Im Flächennutzungsplan seien ausschließlich Flurstücke entlang der Bahntrasse für eine derartige Nutzung vorgesehen. Zudem gelte es, den Einzugsbereich der Schwabthaler Quellen zu berücksichtigen. Es sei nun Sache des Stadtrats zu entscheiden: „Passt es dort, oder passt es dort nicht?“ In jedem Fall müssten die Anlieger frühzeitig in die Planung einbezogen werden.

Bisher nur eine Photovoltaikanlage im Stadtgebiet

Bad Staffelstein hat im Flächennutzungsplan relativ wenig Flächen für eine derartige Nutzung ausgewiesen. Bisher gibt es – von einer Versuchsfläche am Staffelsteiner Schützenfestplatz abgesehen – nur eine Photovoltaikanlage – neben der Bahnlinie bei Unterzettlitz.

Tobias Dusold (JB) monierte, dass das Projekt „sehr nah am Dorf“ geplant sei. Sandra Nossek (SBUN) wandte ein: Wenn eine solche Anlage gebaut werden soll, müsse das „im Einklang mit der Natur und mit den Menschen“ geschehen. Manuel Schrüfer (FW) gab zu bedenken, dass es noch genügend ungenutzte Hallendächer gebe, die mit Photovoltaikanlagen bestückt werden könnten, „bevor man neue Naturflächen dafür verbraucht.“

Einen Empfehlungsbeschluss fassten die Bauausschussmitglieder nicht. Darüber muss der Stadtrat beraten.

Zum Hintergrund: Das Nürnberger Unternehmen hat den Auftrag, vorher abzuklopfen, ob ein solches Projekt möglich ist und welche Bedingungen erfüllt werden müssen. Auf ihrer Webseite wirbt die Firma: „Greenovative entwickelt maßgeschneiderte Komplettkonzepte zur Energiekosten-Optimierung für Unternehmen.“

Dass solche Anlagen bei Landwirten und Grundstückseigentümern beliebt sind, liegt auf der Hand: Im Gegensatz zu verpachteten Flächen verspricht eine Photovoltaikanlage lukrative Einnahmen. Für einen Hektar Wiesen- oder Ackerland werden derzeit auf dem Jura und im Lautergrund zwischen 250 und 280 Euro Pacht pro Jahr gezahlt.

Eine Grundsatzentscheidung ist erforderlich

Die Staffelsteiner Stadträte haben also eine Grundsatzentscheidung zu treffen: Zulassen dieser großen Anlage oder vor allem kleine Photovoltaikpaneele auf Haus- und Scheunendächern begünstigen. Ins Kalkül zu ziehen ist dabei auch die Wartung: Wenn bei einer Photovoltaikanlage auf dem Dach Reparatur- oder Reinigungsarbeiten ausgeführt werden müssen, ist dafür ein Gerüst oder eine Hebebühne erforderlich.

Zu klären wäre ferner, wie der erzeugte Strom vermarktet werden soll, regte Sandra Nossek an. Dazu der Hinweis von der Greenovative-Webseite: „Bei ausgewählten Großprojekten bieten wir Bürgern die exklusive Möglichkeit, an den Investitionserlösen teilzuhaben und die Energiewende aktiv mitzugestalten. Priorität haben immer die Bürger der Standortgemeinde. Freie Kontingente werden für jedermann angeboten.“

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