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BAD STAFFELSTEIN

KPD erste Partei auf der Landkarte im Landkreis Lichtenfels

Blick auf das Rathaus von Bad Staffelstein und die Altstadt. Nach der Nazi-Diktatur tagte hier ab 1946 die Stadträte. Foto: Sascha Ott

Die Kommunalwahl im März 2020 war die fünfzehnte seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Hier soll ein Blick auf die erste Wahl der Gemeinderäte und des Kreistags im Jahr 1946 geworfen werden.

Drei Parteien wurden 1945 im Doppel-Landkreis zugelassen

Bereits ein halbes Jahr nach der Kapitulation des Deutschen Reichs gestattete die amerikanische Militärregierung die Gründung von Parteien. Fast gleichzeitig wurden drei Parteien im damaligen Doppel-Landkreis Lichtenfels-Staffelstein zugelassen: die KPD am 15. November 1945, die SPD vier Tage später, die Christlich-Demokratische Partei einen Tag darauf. Letztere benannte sich im folgenden Jahr in CSU um.

Den besten Start legte die SPD hin. Nach drei Wochen hatte sie 200 Mitglieder, die KPD 25, die CDP ebenfalls 25. Bis Weihnachten wuchs die SPD unwesentlich auf 216, die KPD und die CDP lagen gleichauf bei je 147 Mitgliedern.

Mitglieder-Zahlen: Ein Jahr später übernimmt die CSU die Spitze

Dann wandelte sich das Bild: Im Juli 1946 lag die CSU mit 907 Mitgliedern an der Spitze, knapp gefolgt von der SPD mit 879, weit dahinter die KPD mit 207. Andere Parteien, die nach ihrer Zulassung auf Landesebene auch am Obermain Aktivitäten entfalteten, waren vorerst bedeutungslos: die FDP und die Wirtschaftliche Aufbauvereinigung, nach ihrem Vorsitzenden auch Loritz-Partei genannt.

Und die Landkreise Lichtenfels und Staffelstein werden wieder getrennt

1946 wurden die Landkreise Lichtenfels und Staffelstein wieder getrennt. In der Folge spaltete sich am 10. März 1946 der CSU-Kreisverband Lichtenfels-Staffelstein in zwei Verbände. Im Landkreis Staffelstein bestanden 20 Ortsorganisationen mit 186 Mitgliedern, und ihre Zahl wuchs beständig. Der Vorsitzende, Brauereibesitzer Karl Brütting, schrieb einen Brief an Sympathisanten: „Soweit in den Gemeinden noch keine Ortsgruppe der C.S.U. besteht, ist solche sofort zu gründen und Gründungsanzeige zu bestätigen.“ Bis Oktober 1946 kamen jedoch nur drei Gruppen hinzu.

SPD hat ihre Hochburg in der Schney

Im April 1946 bestanden in 20 Gemeinden beider Landkreise Ortsvereine der SPD sowie ein „Stützpunkt“ als Vorstufe, und auch ihre Zahl wuchs weiter. 1947 etwa entstand ein Ortsverein in Birkach und ein Stützpunkt in Döringstadt. Die stärksten Ortsvereine lagen freilich im Landkreis Lichtenfels: Schney mit 140 Mitgliedern, Burgkunstadt mit 94, Michelau und Lichtenfels mit je 90, Altenkunstadt mit 73.

Man muss bedenken, unter welchen Umständen die Gründungen im Winter 1945/46 zustande kamen: bei nächtlicher Ausgangssperre, ohne Kfz, mit wenig Druckschriften, jederzeit beaufsichtigt von der Militärregierung.

Die SPD hatte trotz vergleichsweise hohen Mitgliederstands aber wenig Erfolg bei den ersten Kommunalwahlen. Bei der Gemeindewahl vom 27. Januar 1946 erlangte die CSU-Listen über 90 Prozent der Sitze im Landkreis Staffelstein. Von den 55 Bürgermeistern gehörten 16 der CSU an. Die übrigen waren parteilos, keiner war Sozialdemokrat.

Kreistagswahl Staffelstein: CSU erobert 18 von 20 Sitzen

Ein Vierteljahr nach der Gemeindewahl folgte die Kreistagswahl. Im Landkreis Staffelstein eroberte die CSU 18 von 20 Sitzen. Nur einer fiel an die SPD, einer an die Liberalen.

Als sich nach einigen Wochen herausstellte, dass die zugrunde liegenden Einwohnerzahlen falsch waren und der Kreistag daher größer, ergab sich eine kuriose Situation: Der CSU standen nunmehr 23 von 26 Sitzen zu, ihre Liste hatte aber nur 22 Kandidaten enthalten, so dass ein Mandat wohl oder übel unbesetzt blieb. Die SPD erhielt einen zweiten Sitz.

Dem Kreistag stand die Wahl des Landrats zu. Die Staffelsteiner Kreisräte entschieden sich für einen Schlesier: den 35-jährigen Wirtschaftswissenschaftler Dr. Gerhard Kroll. Der gebürtige Breslauer gehörte, bei Kriegsende in Bamberg wohnhaft, zu den Gründervätern der CSU und gehörte dem Bezirks- wie dem Landesvorstand seiner Partei an.

Die nächsten Kommunalwahlen fanden bereits nach zwei Jahren, am 25. April 1948 statt.

Von Günter Dippold

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