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OBERKÜPS

Kirche in Oberküps: Eine Seltenheit in Oberfranken

Kirche in Oberküps: Eine Seltenheit in Oberfranken
St. Katharina in Oberküps auf einer Ansichtskarte um 1970. Foto: Günter Dippold

Eine Kirche in Oberküps ist erstmals 1520 erwähnt; sie ging also sicherlich auf die Zeit vor der Reformation zurück. Sie gehörte damals noch zur Pfarrei Ebensfeld. Als aber 1625 die Pfarrei Kleukheim gegründet wurde, wies der Bamberger Bischof ihr neben Kümmel, Peusenhof und Unterküps auch Oberküps zu. Damals ist das Patrozinium der Kirche zum ersten Mal bezeugt: Sie war der heiligen Katharina geweiht.

In der Barockzeit war die Filialkirche in Oberküps, in der jeden zweiten Sonntag eine Messe zelebriert wurde, in verheerender Verfassung. 1744 berichtete der Pfarrer von Kleukheim nach Bamberg, die Sakristei sei eine „Kellergruben“, in der der Mesner während der Sommermonate sein Bier lagere. Die beiden Nebenaltäre seien ebenso wie die Orgel in schlechtem Zustand. Es fehle an liturgischen Gewändern, daher seien „die Bauerstöchter [...] in schöneren Zeug bekleidet alß der Priester uff Altar“. Das Dach sei baufällig, und insgesamt sei manche Bürgerstube, ja sogar der eine oder andere Pferdestall „zierlicher alß dieseß Gotteshauß“.

Schlechter Bauzustand blieb lange bestehen

Eigentlich besaß die Kirchenstiftung von Oberküps eine gewisse Finanzausstattung. Ihr stand beispielsweise ein Drittel des Zehnten zu, den die Bauern in der Gemarkung Oberküps abzugeben hatten. Dennoch blieb der schlechte Bauzustand lange bestehen. Als Johann Franz Baumgartner als neuer Pfarrer nach Kleukheim kam, weigerte er sich 1780, weiterhin Gottesdienst in der ruinösen Katharinenkirche zu halten.

Der Bamberger Fürstbischof ordnete an, sie abzubrechen; ein Neubau dürfe jedoch erst dann in Angriff genommen werden, wenn das erforderliche Geld beisammen sei. Doch die Oberküpser Kirchenstiftung, die wie andere Stiftungen ihr Vermögen als zinspflichtige Darlehen an Privatleute ausgegeben hatte, verzeichnete hohe Außenstände.

Jahrelang blieb daher alles beim Alten. Trotz bischöflicher Anordnung rissen die Oberküpser ihr altes Kirchlein nicht ab. Ein Neubau andererseits schien in weiter Ferne. Erst Ende 1794 kam die Angelegenheit wieder in Gang. Ein Maurer und ein Zimmermann aus Bamberg, als Gutachter nach Oberküps entsandt, erklärten bestimmt, eine Reparatur komme nicht in Betracht.

Vor den Bauarbeiten starb der Baumeister

So erstellte der Bamberger Hofarchitekt Johann Lorenz Fink, Sohn eines aus Vorarlberg eingewanderten Maurermeisters, einen Bauplan. Die Kirche sollte einen Fassadenturm erhalten und in schlichten Formen eines frühen Klassizismus gehalten sein. Mit der Ausführung wurde der Staffelsteiner Maurermeister Leonhard Behr betraut, ein Oberpfälzer, der in das dortige Bauunternehmen Weber eingeheiratet hatte und als Mitglied des Stadtrats wie als Kirchenpfleger eine wichtige Rolle in der Stadt spielte. Doch bevor die Baumaßnahmen wirklich begannen, starb Behr im Dezember 1796. Die Arbeiten übernahm sein Stiefsohn Andreas Weber.

Nachdem die alte Kirche abgebrochen war, wurde kurz nach Pfingsten 1798 der Grundstein gelegt „unter einem unglaubligen Zulauff des Volckß auß allen Pfarreyen der ganzen Nachbarschafft“. Das Festessen für die Ehrengäste umfasste zehn Gänge; es wurde beschlossen durch „6 Gattungen von Confect mit gutem Coffee, Wein und Bier“.

Der Bau ging schleppend voran und machte allerhand Schwierigkeiten. Die Kostenschätzungen erwiesen sich als zu niedrig, so dass Finanzierungsprobleme auftraten. Ein hochrangiger Geistlicher in Bamberg veranlasste Veränderungen im Plan, und auch der Pfarrer von Kleukheim meinte, Finks Entwurf hätte „ehender einer Zehendscheuer als einem Gotteshaus geglichen“. Die zusätzlichen Zierelemente wollte der Maurermeister natürlich vergütet haben.

Am Bauplatz wurde viel gestohlen

Der Zimmermeister klagte, es werde am Bauplatz viel gestohlen, er müsse ständig neues Material beschaffen. Erst im Herbst 1802, nach mehr als vierjähriger Bauzeit, konnte der Schieferdecker das Dach schließen. Die Weihe fand an Ostern 1803 statt, und zwar ohne besondere Festlichkeit. Zu dieser Zeit hatte der letzte Fürstbischof seine weltliche Herrschaft bereits niedergelegt; sein Land war bayerisch geworden.

Für die Einrichtung des Neubaus fehlte das Geld. Da traf es sich für die Oberküpser gut, dass auf Geheiß des bayerischen Kurfürsten 1803 die Klöster und Stifte aufgehoben und vermeintlich überflüssige Kirchen abgebrochen oder weltlichen Nutzungen zugeführt wurden.

Betroffen war in Bamberg die Kirche St. Johannes unter den Linden, die zum aufgelösten Chorherrenstift St. Stephan gehörte. Im Februar 1804 wandten sich die Einwohner von Ober- und Unterküps an die Kurfürstliche Landesdirektion Bamberg und baten „um kaufliche Überlassung 3 Altäre, Kanzel, Orgel, 7 Betstühlen und Bilder in der St. Johannis Kapelle im Stephansberg“.

Seitenaltäre stammen aus Bamberger Johanneskirche

Ihr Wunsch wurde nur teilweise erfüllt. Immerhin aber kommen die beiden Seitenaltäre, die heute in St. Katharina stehen, nachweislich aus der Bamberger Johanneskirche. Die beiden um 1730/33 entstandenen Altäre, einer der heiligen Familie, der andere dem Evangelisten Johannes geweiht, sind Arbeiten namhafter Künstler: Die Bilder stammen vom Bamberger Hofmaler Johann Joseph Scheubel, die Bildhauerarbeiten von Franz Anton Schlott.

Aus dem aufgehobenen Benediktinerkloster Banz erlangten die Oberküpser die dortige Winterchororgel. Das 1743 geschaffene Instrument hatte in einem Raum des Klosters gestanden, in dem sich die Mönche während der kalten Jahreszeit zum Chorgebet versammelt hatten.

Die übrigen Ausstattungsteile konnte man aber nicht auf derart preisgünstigem Weg aus zweiter Hand kaufen. Den Hochaltar, die Kanzel und das Gestühl musste die Gemeinde neu anfertigen lassen. Dabei dürften Altar und Kanzel aus der Werkstatt des Bamberger Bildhauers Georg Hoffmann stammen.

St. Katharina in Oberküps ist ein Kirchenbau aus einer Zeit, in der mehr Gotteshäuser abgerissen als neuerrichtet wurden. Als Gotteshaus im frühklassizistischen Stil ist es eine Seltenheit in Oberfranken. Mit den aus Bamberg und Banz erworbenen Ausstattungsstücken ist das Kirchlein ein sichtbares Zeugnis für die Folgen der Säkularisation.

Ein besonderer Schatz ist das Geläut von Oberküps. Schon 1864 heißt es: „Die Kirche [...] hat drei ihres Alterthums wegen merkwürdige Glocken.“ Anton und Alfons Zenk haben sie vor einigen Jahren näher untersucht.

Evangelistenglocke stammt aus dem Jahr 1314

Die jüngste und kleinste Glocke, der Kirchenpatronin Katharina geweiht, stammt von 1974 und ersetzt einen Verlust während der Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Die mittlere Glocke goss 1598 Christoph Glockengießer in Nürnberg, der einer wahren Dynastie von Gießern angehörte und über mehr als vier Jahrzehnte lang Glocken herstellte. Sie war während des Zweiten Weltkriegs schon zum Einschmelzen vorgesehen, kehrte aber vom „Glockenfriedhof“ zurück. Eine Kostbarkeit ist die große Evangelistenglocke: Sie ist inschriftlich auf 1314 datiert und zählt damit zu den ältesten Glocken in ganz Franken.

Von Günter Dippold

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