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KUTZENBERG

Kein Sprung ins kalte Wasser für Pflegekräfte in Kutzenberg

Kein Sprung ins kalte Wasser für Pflegekräfte in Kutzenberg
Daumen hoch! Für die Pflegekräfte Simon Förtsch und Corinna Nitzsche hat sich der Einstieg in die Welt der Psychiatrischen Pflege gelohnt. Foto: red

Corinna Nitzsche und Simon Förtsch finden das Traineeprogramm „Psychiatrische Pflege“ prima: Das Programm, das am Bezirksklinikum Obermain vor etwa neun Monaten angelaufen ist, war eine große Hilfe, um mit dem neuen Aufgabengebiet und seinen speziellen Anforderungen warm zu werden.

Ihr staatliches Pflegeexamen haben beide Pflegekräfte nach drei Jahren Ausbildung am Klinikum Bamberg und Klinikum Coburg absolviert. Während dieser Zeit lag ihr Schwerpunkt auf der Versorgung somatisch erkrankter, also an vorwiegend körperlichen Erkrankungen leidender Patienten. Sechs Wochen Ausbildungszeit verbrachten sie dabei auf psychiatrischen Klinikstationen. Doch das ist schon länger her.

Professionelle Beziehungsarbeit und Spezialkenntnisse

Den Zugang zu einer professionellen Beziehungsarbeit und Spezialkenntnisse bei der Pflege psychisch kranker Menschen in einem Krankenhaus konnten sie sich während ihrer drei- bis fünfmonatigen Trainee-Zeit vertieft erarbeiten. Allein gelassen wurden sie dabei nicht. Die Unterstützung durch ihre Pflegepaten und Stationsteams war ihnen sicher, das Traineeprogramm zudem ein wichtiger Rückhalt im Pflegealltag.

Und das bei vollem Gehalt und in einer relativ komfortablen Arbeitsatmosphäre: Beim Personaleinsatz im Bezirksklinikum Obermain werden die Trainees nicht mitgerechnet. Das kommt den Stationsteams und der Patientenpflege zugute.

Theorie und Praxis im Wechsel statt Blockseminar

„Bereits am Anfang, aber auch besonders während unserer Traineezeit haben wir uns an mehreren Nachmittagen fortbilden können, um uns Spezialwissen der psychiatrischen Pflege anzueignen,“ erläutert Simon Förtsch. Die Lerneinheiten wurden bewusst nicht als ein einzelnes Blockseminar angeboten: Theorie und Praxiseinsätze wechselten sich ab, um Gelerntes zu vertiefen und Know-how mit dem Stationsalltag abzugleichen. „Auch unsere Kolleginnen und Kollegen auf Station waren sehr hilfsbereit und haben uns viel beigebracht. Wir konnten von ihren langjährigen Erfahrungen profitieren,“ ergänzt Corinna Nitzsche.

Alle Stationen kennenlernen. Genügend Zeit haben, um sich mit den speziellen Erfordernissen bei unterschiedlichen Erkrankungen auseinanderzusetzen. Für sich eine breite Basis schaffen. Auch darum geht es in der Trainee-Phase. Beide Pflegekräfte konnten sich innerhalb mehrerer Monate einen Überblick verschaffen, Teams und natürlich Patienten kennenlernen.

Flexible Einarbeitung und Stationsauswahl

Die psychiatrischen Stationen am Bezirksklinikum Obermain sind nach Krankheitsbildern differenziert. Zum Beispiel Depressionen oder Suchterkrankungen. Zudem befasst sich eine Adoleszenz- beziehungsweise Transitionsstation, die die Übergangsphase zwischen Jugend- und Erwachsenenalter im Blick hat, mit der Diagnostik und Behandlung von psychischen und psychosomatischen Störungen bei Jugendlichen und Heranwachsenden. Zwei Stationen widmen sich psychischen Erkrankungen bei älteren Menschen. Für Corinna Nitzsche und Simon Förtsch war die Traineephase eine hilfreiche Zeit, die sie nicht missen möchten: „Wir haben wertvolle Erfahrungen gesammelt, die uns die Einarbeitung leichter machten, als wir es uns zuerst vorgestellt haben.“

Eine weitere Besonderheit des Kutzenberger Traineeprogramms ist sicherlich, dass sein Zeitrahmen individuell angepasst werden kann. Will der neue Mitarbeiter Schwerpunkte setzen, erhält er die notwendige Zeit, um gewisse Bereiche noch intensiver kennenzulernen. Das dient nicht nur der praktischen Einarbeitung. Auch Stationspräferenzen bilden sich oft erst dann entscheidungssicher heraus. Corinna Nitzsche und Simon Förtsch haben sich für die beschützende Station 3b entschieden, eine Station der Akutpsychiatrie.

Dreitägige Fortbildung mit Deeskalationstrainer

Akutpsychiatrische Patienten befinden sich oft in einer schwierigen Krisensituation mit hohem Leidensdruck. Dies benötigt einen speziellen, deeskalierenden und professionellen pflegerischen Beziehungsaufbau, der hohe Anforderungen an das zuständige Pflegepersonal stellt. Alle Traineeteilnehmer und Neueinstellungen in der Psychiatrie werden zum Erlernen der Anforderungen durch einen Deeskalationstrainer zeitnah in einer dreitägigen Fortbildung geschult.

Schon daher erfordert die Tätigkeit der dort arbeitenden Pflegekräfte höchste Aufmerksamkeit. Förtsch und Nitzsche: „Für uns beide war die Station 3b unsere Wunschstation. Es ist höchst interessant und lehrreich, gerade in den ersten Tagen des Patientenaufenthalts die Veränderungen zu erleben und dabei mithelfen zu können.“

„Wir haben wertvolle Erfahrungen gesammelt, die uns die Einarbeitung leichter machten, als wir es uns zuerst vorgestellt haben.“
Corinna Nitzsche und Simon Förtsch, Pflegekräfte

Dass gerade Pflegende, die bisher mehrheitlich somatisch tätig waren, eine Station mit diesem Anforderungsprofil gewählt haben, spricht nicht nur für die Teamchemie auf Station, sondern unterstreicht letztendlich die Qualität des Traineeprogramms bei der Einarbeitung. Ein Programm, um kontinuierlich in sein neues Tätigkeitsfeld hineinwachsen zu können. Für all diejenigen Pflegekräfte, die sich vorstellen können, in der psychiatrischen Pflege zu arbeiten.

„Mehrere Grundkurseinheiten während der Traineezeit, vielfältige Rotationsmöglichkeiten über verschiedene Stationen hinweg und nicht zuletzt die Unterstützung durch Paten und Stationsteams sind die Erfolgsbasis unseres Programms. So kann die Entscheidung des neuen Mitarbeiters reifen, auf welcher Station er gerne arbeiten möchte“, betont Julia Tandetzky, die als Pflegebereichsleitung das Traineeprogramm federführend begleitet. (red)

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