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Karikaturen zum Klimaschutz in Vierzehnheiligen

Die Besucherin Irmgard Malter aus Erlangen findet die Karikaturen der Ausstellung „sehr treffend.“ Foto: Corinna Tübel

Fische, die mit gepackten Koffern die Meere verlassen. Urlauber, die mit dem SUV zum Naturfreundehaus fahren. Oder ein Land, das seine Abfälle an Nachbarländer abgibt. All das sind Szenen auf hochkarätigen Karikaturen, wie sie gerade in der Ausstellung „Mit Volldampf in die Katastrophe“ im Diözesanhaus Vierzehnheiligen gezeigt werden. Oder zeigen sie die Realität aus dem Alltag, aus der weltweiten Umwelt- und Klimakrise?

Johannes Löhlein, Bildungsreferent in den Bildungs- und Tagungshäuser Vierzehnheiligen, ist stolz, diese Ausstellung präsentieren zu dürfen. Foto: Corinna Tübel

Die 77 Karikaturen aus 18 Ländern der Wanderausstellung, die vom Osteuropa-Hilfswerk Renovabis und dem Referat Weltkirche des Erzbistums Bamberg organisiert und betreut wird, sprechen Politiker, Unternehmer und jeden einzelnen an.

Lachen und Bestürzung angesichts der überspitzen Darstellung

Vitaly Mukhin aus Russland prangert unter anderem den fehlenden Schutz der Tierwelt in Osteuropa an. Foto: Corinna Tübel

Vielen Besucherinnen und Besuchern entfährt ein kurzes Lachen beim Betrachten der überspitzen Darstellungen, etwa bei Margarita Yanchevas Karikatur, in der eine Qualle zwischen vielen durchsichtigen Plastiktüten nach „Mama?“ ruft. Es geht darum, was jeder einzelne für Nachhaltigkeit und die Umwelt tun kann. Es geht um die weit verbreitete „Scheinheiligkeit“ bei diesen Themen, die zwar öffentlich benannt, aber wenig gefördert werden. So zeigt Bela Weisz aus Ungarn etwa eine „wirksame Kampagne gegen Müll“, bei der Hunderte Flyer mit der Aufschrift „Nicht wegwerfen“ symbolischen Charakter haben.

Auch die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg fehlt in der Ausstellung nicht – Anton Heurung hat sie verewigt. Foto: Corinna Tübel

Doch auch die Unterschiede zwischen Ost- und Europa werden verdeutlicht. Während es in Deutschland schon ein gewisses Verständnis für die aktuelle Problematik gebe, so Bildungsreferent in den Bildungs- und Tagungshäuser Vierzehnheiligen Johannes Löhlein, so kämpfe Osteuropa gerade mit existenzielleren Themen:

Kritik an Deutschland übt Gatis Šluka aus Lettland. Foto: Corinna Tübel

„Die Luftverschmutzung, die Umweltzerstörung und die Auswirkungen auf die Gesundheit sind starke Themen dort.“ Auch die Kriegsschäden und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Umwelt nennt er als Problematik. Hinzu kommen immer noch spürbare Nachwirkungen der Tschernobyl-Katastrophe in Form hoher Strahlenverseuchung in Weißrussland und der Ukraine, Mülldeponien in Albanien, die Abholzung der Wälder und ungeklärte Abwässer.

„Es geht um bewusste Kritik und ein Bewusstsein für diese globale Herausforderung, die Klima- und Umweltkrise betrifft nicht nur ein Land“, so Johannes Löhlein, der sich freut diese Ausstellung, für die über 2000 Karikaturen eingereicht wurden, in Vierzehnheiligen zeigen zu dürfen.

Ja, Schuldzuweisungen an die westlichen Länder, stehen im Raum. So prangert beispielsweise Gatis Šluka aus Lettland die Entsorgung alter Autos nach Osteuropa an. Sie werden zwar durch den Wechsel in der Abfolge von Karikaturen mit einfachen Alltagssituationen abgemildert – jedoch nicht vergessen. Lediglich die Anordnung der Werke an Wänden in einem langen, ringförmigen Flur dämpft deren Wirkung etwas.

Dagegen bezieht auch die Katholische Kirche klar Stellung: Die Karikatur von Thomas Plaßmann zeigt einen weiß gekleideten Mann, der einen Kühlturm besteigt: Papst Franziskus hält ein Banner mit der Aufschrift „Schöpfung bewahren!“

„Wenn man das alles sieht, da möchte man doch gleich irgendetwas Sinnvolles tun, oder?“
Manfred Bunte, Lichtenfels
!Instagram vs. Reality“ aus den Händen von Annika Frank, Deutschland. Foto: Corinna Tübel

Die Besucherinnen und Besucher sind begeistert: Irmgard Malter aus Erlangen findet die Karikaturen „sehr treffend. Ich sage beim Betrachten oft: Ja, das stimmt!“ Auch Manfred Bunte aus Lichtenfels verrät: „Wenn man das alles sieht, da möchte man doch gleich irgendetwas Sinnvolles tun, oder?“

Vielleicht ist es das, was die Zeichner, unter ihnen auch die in Deutschland bekannten Horst Haitzinger und Thomas Plassmann, erreichen wollen: Ein Bewusstsein für die Problematiken und ein ehrliches Handeln.

„Wann gehen wir unter“, fragt Slobodan Buti aus Kroatien. Foto: Corinna Tübel

Die Umweltkatastrophe durch die kürzlichen Überschwemmungen in Deutschland haben die Notwendigkeit für Klima- und Umweltschutz wieder ins Bewusstsein gerufen. Und auch, wenn in dieser Ausstellung Unglücke dieser Art nicht viel Raum einnehmen und keine regionalen Schwerpunkte, etwa für Franken, gesetzt werden, erinnern die Karikaturen doch daran: Da ist noch mehr – mehr zu tun, für jeden einzelnen.

Die Ausstellung „Mit Volldampf in die Katastrophe„ ist noch bis zum 12. September im Diözesanhaus Vierzehnheiligen zu sehen. Ein Ausstellungskatalog kann erworben werden.

 

Von Corinna Tübel

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