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BAD STAFFELSTEIN

James Bond trifft Beethoven in Bad Staffelstein

James Bond trifft Beethoven in Bad Staffelstein
Mit meisterlich gespielten Werken und Anekdoten von Ludwig vanBeethoven begeisterte Florian Kaplick am Piano dasPublikum. Foto: Monika Schütz

Der eine hat „Die Lizenz zum Töten“, der andere die zum Komponieren. Der eine ist James Bond, ein Superheld, der die Welt rettet. Der andere kein geringerer als Ludwig van Beethoven. Der weltberühmte Komponist und Musiker, der heuer seinen 250. Geburtstag hätte, steuerte – sozusagen posthum – die Titelmelodie zu dem Actionfilm bei. Aus dem Werk „Für Elise“ stammt sie, 1810 vom Meister komponiert. Es waren erstaunliche Geschichten, die rund 100 Besucher des Fränkischen Theatersommers bei der Aufführung von „Roll on Beethoven“ am Donnerstagabend im Kurpark zu hören bekamen.

In vielen anderen Melodien und Stücken tauchen immer wieder Sequenzen des in Bonn geborenen und in Wien verstorbenen Musikgenies auf. Die bekannte Tonfolge „Ta ta ta taaaa“ aus der neunten Sinfonie etwa in Boogie-Woogie und Rock?n ?Roll und die „Ode an die Freude“ kommt als Europahymne Millionen Menschen auf Anhieb in den Sinn. Es ist diese neunte Sinfonie – genau so unvergessen wie der löwenmähnige Künstler mit dem Gehörproblem selbst.

„Die Frage ist nicht, hält das Wetter, sondern: reichen die Stühle?“
Jan Burdinski, Theatersommer-Intendant

„Die Frage ist nicht, hält das Wetter, sondern: reichen die Stühle?“, sagte Intendant Jan Burdinski sichtlich erfreut wegen des Zulaufs. Auf der WetterApp hatte er gesehen, dass der angekündigte Regen einen Bogen um Bad Staffelstein machen würde. Gut für Künstler und Ensemble, die ein gut zweistündiges Musiktheater unter freiem Himmel angekündigt hatten. Mit leichter Jacke, teils auch mit Sitzkissen bewaffnet, strömten Kulturliebhaber aus allen Regionen in den Park.

James Bond trifft Beethoven in Bad Staffelstein
Intendant Jan Burdinski (li.) und sein Helfer müssen viele weitere Stühle aufstellen. Im Hintergrund stehen noch einige Besucher inder Warteschlange. Foto: Monika Schütz

Siglinde aus Erlangen ist spontan hergefahren. Telefonisch hatte sie sich erkundigt, ob die Veranstaltung stattfindet. Die junge Frau kennt die meisten Spielorte der mobilen Landesbühne, war auch schon in Burgkunstadt und auf Gut Kutzenberg mit dabei. Auch Brigitte aus Lichtenfels kam wetterbedingt spontan. „Unter freiem Himmel spielen, das find ich klasse“, betont sie. Besonders gut gefällt ihr – kein Scherz – die Bestuhlung. Corona-bedingt standen die Stühle mit größerem Abstand zueinander. „Es sitzt einem niemand im Weg“, lobt Brigitte und schwärmt von der Nähe zu den Künstlern und zur Bühne. Eine Konzertbestuhlung wie auf der Seebühne erlaube das nicht.

Einen Piccolo zum Kunstgenuss

Bei angenehmen 22 Grad, leicht bedecktem Himmel und lauem Sommerabendlüftchen machten die Gäste es sich auf ihrem Stuhl inmitten der Wiese gemütlich. Eine Dame zündete sich einen Zigarillo an, eine andere öffnete eine Piccolo-Flasche.

Unter dem Motto „Roll on, Beethoven“ hatte der Musiker und Komponist Florian Kaplick ein wunderbar unterhaltsames und erstaunlich abwechslungsreiches Programm zusammen gestellt. Immer wieder verknüpfte er Vergangenheit – Beethoven wurde 1770 geboren – mit der Gegenwart, etwa der Spieldauer einer CD, die mit 74 Minuten 1982 auf den Markt kam. Das entspricht der Spieldauer von Beethovens Neunter Sinfonie.

Mondschein-Sonate inspiriert Beatles

James Bond trifft Beethoven in Bad Staffelstein
Faszinierende Geschichten rund um Beethoven erzählte Pianist Florian Kaplick: Auch die Titelmelodie zum James-Bond-Film "Lizenz zum Töten" ist nach einem Motiv des Komponisten geschrieben worden. Foto: Monika Schütz

„Roll Over Beethoven“ ist der Titel eines 1956 von Chuck Berry komponierten Hits und die Beatles ließen sich von der „Mondschein-Sonate“ Opus 27 inspirieren. Heinz Erhardt zitierte den Altmeister der Klassik in seinen Gedichten und Friedrichs Dürrenmatts schwarze Komödie „Die Physiker“ beginnt mit einem Mord und Beethovens „Kreutzersonate“ Opus 47.

Nicht nur Birgit aus Weismain und Sandra aus Buch am Forst sind begeistert. Die beiden Stammgäste des Fränkischen Theatersommers sitzen in der ersten Reihe. Sie hatten ihre Tickets schon lange zuvor im Vorverkauf gesichert. „Das ist total spannennd – Beethoven hatte ich noch nie so auf dem Schirm“, schwärmt Sandra. „Roll on, Beethoven, es ist noch lange nicht vorbei“, verabschiedete Florian Kaplick die Besucher augenzwinkernd. Die ließen ihn aber erst nach zwei groovigen Zugaben gehen. Natürlich von Beethoven.

Von Monika Schütz

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