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EBENSFELD

Grüne kritisieren kollidierende Großprojekte in Kutzenberg

Grüne kritisieren kollidierende Großprojekte in Kutzenberg
Ortstermin unterhalb des Standorts für den Kutzenberger Klinikum-Neubau mit Blick ins Kellbachtal sowie Veits- und Staffelberg. Foto: red

Als Schildbürgerstreiche kritisieren die Ebensfelder Grünen die planfestgestellte Neubautrasse der Staatsstraße quer durch das Kellbachtal zwischen Ebensfeld und Prächting sowie die Neubaupläne für ein Zentralklinikum in Kutzenberg. Regelrecht geschockt reagierten bei zwei Ortsterminen in Kutzenberg die Landtagsabgeordnete Ursula Sowa sowie Bezirksrat Mathias Söllner auf die ihrer Meinung nach kollidierenden Großprojekte. Dass weder die Planungsbehörden noch die Entscheidungsgremien Bezirkstag und Landtag über das jeweilig andere Projekt informiert wurden, sei ein Skandal.

Seit einigen Wochen rollen im Kellbachtal die Baggerarbeiten im Bereich der geplanten Staatsstraßen-Neubautrasse. Mit dem Fahrrad ging es über die sanierungsbedürftige Trasse der Staatsstraße 2187 in Richtung Prächting. Unterwegs gaben Gemeinderat Otto Weidner und BN-Ortsvorsitzender Ludwig Wendler einen Überblick über mehrere Jahrzehnte Überlegungen, die Verbindungsstraße in den Kellbachgrund zu verbessern und eine landschaftsschonende Anbindung an die Autobahn A 73 zu schaffen. Massiven Druck hätten Landrat Christian Meissner und Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner aufgebaut, um die über vier Millionen Euro teure Trasse zu bauen.

Eine Staatsstraße direkt am Klinikumneubau vorbei

Regelrecht im Halse stecken blieb Uschi Sowa das Lachen, als sie erfuhr, dass auf der seit Jahrzehnten in Gemeindehand befindlichen Abkürzungstrasse der Doppelkurve bei der Presslermühle nun eine Ausgleichsfäche geplant ist und somit eine Sanierung der alten Trasse, die dann in die Baulast der Marktgemeinde fallen soll, blockiert wurde. Auf der Verbindungsstraße Richtung Hankirche erhielten alle einen ersten Eindruck von der auf einem Damm durch die Talaue geführten Trasse.

Grüne kritisieren kollidierende Großprojekte in Kutzenberg
Vorbereitungsarbeiten für die Ausgleichsmaßnahmen zur Umsiedlung geschützter Tierarten im Bereich der geplanten Straßentrasse. Foto: red

Warum am nordöstlichen Rand von Kutzenberg der für über 100 Millionen Euro veranschlagte Neubau des Klinikums gebaut werden soll, stieß auf Unverständnis. Zumal knappe 150 Meter entfernt von einem Krankenhaus für Menschen mit psychischen Problemen in Zukunft laut Prognose des Straßenbauamts etwa 1200 Fahrzeuge vorbeirollen sollen. Dass alle beteiligten Behörden bei Nachfrage vorgaben, nichts vom jeweilig anderen Bauprojekt zu wissen und die Entscheidungsgremien im Bezirk und im Landtag auch nicht darüber informiert wurden, lasse eine bewusste Täuschung der Mandatsträger vermuten. Uschi Sowa und Mathias Söllner zeigte sich schockiert und waren spontan bereit, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um eine Lösung zu finden.

Planungen ohne ein Gesamtverkehrskonzept

„Da der Ziel- und Quellverkehr vom Kellbachgrund nach Ebensfeld weiter auf der alten Trasse bleiben wird, handelt es sich bei der Neubautrasse um eine Luxus-Trasse für wenige Nutzer“, kritisierte der Kreisvorsitzende des BN Anton Reinhardt. Gleichzeitig werde die Landschaft verschandelt und die Wohn- und Lebensqualität der Patienten durch steigendem Lkw-Verkehr verschlechtert.

Für weitere Verwirrung sorgte eine Pressemitteilung des Bezirks, in der die Erdarbeiten für die zukünftige „Umsiedlung“ geschützter Tierarten an der Neubautrasse fälschlicherweise als Baustraße für den Klinikneubau bezeichnet wird.

Gemeinderat Weidner fordert, auch im Hinblick auf die zukünftige Weiterentwicklung des Ebensfelder Gewerbegebiets müsse alles unternommen werden, um die Kellbachgrundanbindung mit einer Entlastung des Ortskerns in Einklang zu bringen. Das sei mit der geplanten Trasse direkt am Klinikum vorbei nicht zu schaffen. (red)

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