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EBENSFELD

Geplante Kelbachtrasse scharf kritisiert

Das Banner mit dem unverblümt-direkten Spruch hielten auch BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt (li.), BN-Ortsgruppenvorsitzender Ludwig Wendler (2.v.re.) und Otto Weidner (4.v.li.), einer der Initiatoren des jüngsten Bürgerbegehrens und Ebensfelder Gemeinderat. Foto: Mario Deller

„Wer Straßen säht, wird Verkehr ernten“, machte Anton Reinhardt, der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz (BN), seinem Unmut Luft bei einer gemeinsamen Aktion des BN und Vertretern des Bürgerbegehrens „2 statt 4 – eine Verkehrslösung für alle Ebensfelder Gemeindebürger“ im Vorfeld der Ebensfelder Gemeinderatssitzung.

„Doch diese Straßenbaumassierung auf engstem Raum – ich hätte fast gesagt: Straßenbauorgie – ist aufs Schärfste zu verurteilen.“
Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender

Vor Ort bei der Informationsveranstaltung am Feldweg unterhalb der Küche des Bezirksklinikums waren auch der Ebensfelder BN-Ortsgruppenvorsitzende Ludwig Wendler sowie der zu den Initiatoren des genannten Bürgerbegehrens zählende Gemeinderat Otto Weidner. Die Sprecher prangerten hiermit die Pläne zum Neubau der Staatsstraße 2187 vehement an.

Aus dem Lageplan eines im Zuge der Neubaupläne des Bezirksklinikums Obermain beauftragten Landschaftsarchitekturbüros ergebe sich, dass zwei „Finger“ des Klinikneubaus so weit Richtung Tal reichten, dass der Abstand zur planfestgestellten Neubautrasse nur noch rund 100 Meter betrage, betonte Reinhardt.

Drei Straßen auf engstem Raum angesiedelt

In ihren weiteren Ausführungen, der auch interessierte Bürger lauschten, welche von der Aktion erfahren hatten, erläuterten die Sprecher, warum diese Information für sie eine solche Brisanz aufweise: Rechne man nämlich die geplante Umfahrung des neuen Klinikkomplexes und den vorhandenen Feldweg, auf dem die Infoveranstaltung stattfand, hinzu, so wäre praktisch drei Straßen auf engsten Raum angesiedelt.

Bund Naturschutz und die Initiatoren des Bürgerbegehrens sprachen sich dafür aus, den nach ihrer Auffassung sich mit der nahen großen Gesundheitseinrichtung in Kutzenberg unvereinbaren Staatsstraßenneubau noch zu stoppen. Schriftliche Anfragen bei der Bezirksregierung sowie beim bayerischen Gesundheitsministerium seien ins Leere gegangen.

Geplante Kelbachtrasse scharf kritisiert
Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Klinikneubaupläne kritisierten Ortsgruppenvorsitzender Ludwig Wendler (re.) und Kreisvorsitzender Anton Reinhardt vom Bund Naturschutz in Kutzenberg den geplanten Neubau der Staatsstraße 2187 scharf. Foto: Mario Deller

„Das Konzept des Klinikneubaus ist gut gestaltet, da gibt es gar nichts“, hob Reinhardt hervor und sagte, dass die Kritik rein gar nichts mit der Klinik an sich zu tun hätten. Aber im selben Atemzug redete er dann Tacheles: „Doch diese Straßenbaumassierung auf engstem Raum – ich hätte fast gesagt: Straßenbauorgie – ist aufs Schärfste zu verurteilen.“ Die geplante Neubautrasse stünde „in keinem Verhältnis zu dem, was man kaputt macht“. Reinhardt wies auf die wunderschöne Gegend mit Han- und Veitskirche hin. „Wer Straßen säht, wird Verkehr ernten, dieser Spruch hat auch hier seine Gültigkeit“, meinte er nachdenklich.

Vergeblich Hoffnung auf positives Votum des Gemeinderats gehegt

Geplante Kelbachtrasse scharf kritisiert
Nahe des Feldwegs unterhalb von Kutzenberg entsteht noch eine Umfahrung am künftigen Neubau des Bezirksklinikums (grüne Wiese rechts) sowie unweit entfernt im Tal der Neubau der Staatsstraße 2187. Der BN spricht von „Straßenmassierung“. Foto: Mario Deller

Gemeinsam hielten BN-Vertreter, Initiatoren des Bürgerbegehrens und einige Bürger ein großes Banner hoch mit dem Spruch „Straßenbau ist Landschaftsklau“. Mit der Aktion verbunden war eigentlich die Hoffnung, im Hinblick auf die am selben Abend beginnende Sitzung und der dabei auf der Tagesordnung stehenden Abstimmung über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens noch etwas zu bewegen. Das Bürgerbegehren hatte ja auch den Stopp des Staatsstraßenneubaus zum Ziel.

Die Konsequenzen aus der Gemeinderatssitzung, in der aufgrund rechtlicher Probleme das Gremium sich mehrheitlich gegen die Zulassung eines Bürgerentscheids aussprach (siehe separater Bericht), haben Anton Reinhardt, Otto Weidner und die übrigen Mitstreiter von Bund Naturschutz und des Bürgerbegehrens nun erst einmal zu verdauen.

Von Mario Deller

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