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KLOSTER BANZ

Faszination alte Bäume: KIS-Führung im Banzer Forst

Faszination alte Bäume: KIS-Führung im Banzer Forst
Diese mächtige Buche mag wohl an die 250 Jahre alt sein, schätzt Hermann Hacker. Foto: Monika Schütz

„Ich liebe die wilde Natur“, beginnt Hermann Hacker, Förster im Ruhestand. Viele Waldbesitzer sähen den Baum allerdings als reines Wirtschaftsgut und versuchten, möglichst viel Profit damit zu machen: „Sobald ein Baum nicht mehr wächst, gilt er als hiebsreif. Man stelle sich das mal vor: Da wäre bei uns Menschen mit 20 Jahren das Leben schon vorbei!“

Eine ungewöhnliche Begrüßung. Eine zehnköpfige Gruppe aus Frauen, Männern und Kindern startet am Treffpunkt nahe des großen Parkplatzes in Banz. Es ist Sonntagnachmittag und heiß. Richtig heiß.

Unterwegs im Eigentum der Wittelsbacher

Nach einer kurzen Gehstrecke in Richtung Neubanz biegt der ehemalige Förster in einen Waldweg ein. Fast schlagartig ist es ruhig geworden, der Verkehr der nahen Straße so gut wie nicht mehr zu hören. Angenehme Kühle trifft die Haut. Gezwitscher kommt aus vielen Metern Höhe. Man ist versucht, hinaufzusehen und einen Blick auf den kleinen Sänger im Federkleid zu erhaschen.

Viele Buchen stehen hier. Baumriesen, 250 Jahre alt und älter. Schatten spendend und Ehrfurcht gebietend. Das alles gehört den Wittelsbachern – eine Fläche von 800 Hektar Wald in einer Hand, erklärt Hacker. „Sie wollen das erhalten“, ist er stolz. Hainbuche, Rotbuche, Eiche dominieren, dazwischen versucht sich etwas Naturverjüngung Platz zu schaffen. Dunkelgrüner Efeu rankt sich an den Baumriesen hoch. Es stört sie wohl nicht.

„Jeder Botaniker weiß seit 200 Jahren: In Banz gibt's die Pimpernuss.“
Hermann Hacker, Förster im Ruhestand

Nicht alles, was hier wächst, war schon immer hier. Einiges hat der Mensch gezielt angepflanzt. Hacker schreitet zu einem sonderbaren Strauch. Helle Kügelchen wachsen an den Ast-Enden. Das ist die Pimpernuss, auch Klappernuss, erklärt er und öffnet eine Strauchfrucht. Das kleine Kügelchen darin verwendeten die Mönche für ihre Rosenkränze. „Jeder Botaniker weiß seit 200 Jahren: In Banz gibt's die Pimpernuss.“ Damit reicht er eine kleine runde Kugel herum. Anfassen erlaubt.

Nächster Halt: „Wasserloch“. Im Übergangsbereich einer mächtigen Hainbuche in den Waldboden hat sich eine sogenannte Phytothelme gebildet. Ein Kleinstgewässer, in dem sich viele Insekten aufhalten. So etwas sieht man nicht jeden Tag.

Auch kerngesunde Prachtexemplare haben keinen besonderen Schutz

Der Rundgang, den Hermann Hacker seit vielen Jahren jeden Sommer als KIS-Wanderung anbietet, regt zum Nachdenken an. Der ein oder andere blickt von den imposanten Wurzeln zur Krone hinauf, legt den Kopf tief in den Nacken und fragt sich: „Wie alt mag der sein?“ Sogar mit einer Verletzung durch Blitzeinschlag könne eine 200-jährige Buche wohl noch weitere 100 Jahre überstehen, meint der Forstexperte.

Er kraxelt einen kleinen Hügel hoch – die Gruppe neugierig hinterher. Hacker deutet auf die Stelle, wo 1911 ein gewaltiger Hangrutsch das „Gesicht“ des Banzer Berges verändert hat. Zehn Hektar Wald samt Boden seien damals abgerutscht. Schon im Folgejahr sei wieder mit dem Aufforsten begonnen worden. Rund 100 Jahre ist der Bestand in diesem Areal also schon alt. Doch selbst ein kerngesundes Prachtexemplar unterliegt keinem besonderen Schutz. „Es gibt da keine Handhabe.“ Niemand könne den Eigentümer zwingen, so einen Baum zu erhalten, der – wirtschaftlich gesehen – nutzlos sei.

Faszination alte Bäume: KIS-Führung im Banzer Forst
im Winter hat ein Blitzeinschlag den Baum nahezu gesprengt. Dieser Buchenstamm darf jedoch stehenbleiben und bietet jetzt Lebensraum für wohl an die 100 Käferarten. Foto: Monika Schütz

Ein Baum ist ein Lebewesen – spürt er Berührungen?

Es müsse mehr Wald aus der Nutzung genommen und zu Schutzgebiet gemacht werden, fordert Hacker. Ob er der einzige ist, der so denkt? „Bitte macht das zum Naturschutzgebiet, das ist längst überfällig“, wünscht er sich sehnlichst.

Als Naturdenkmale gelten die Baumriesen im Banzer Wald nicht. Sie erhalten lediglich eine Anerkennung als „Biotopbaum“, bestätigt durch eine kleine Plakette mit einem Specht-Symbol an der Rinde.

„Ein Baum ist ein Lebewesen“, unterstreicht der ehemalige Forstmann. Eines, über das es noch viel zu forschen gäbe. Ein Baum könne exakt die Temperatur um ihn herum feststellen. Er treibe erst bei bestimmten Graden aus. Er habe auch so etwas wie ein Gleichgewichtsorgan. Hat ein Baum etwa Sinnesorgane? „Merkt er, wenn Du ihn anfasst und umarmst?“, fragt Hermann Hacker eines der Kinder. Es kommt ein zaghaftes „Ja?“.

Kleine Tümpel, gebrochene Steine, ausgetretene Pfade

Nun, man wisse es nicht. Zwar schon, dass der Baum auf vielerlei Reize reagiert – aber es sind doch eher chemische Prozesse maßgebend. Oder nicht? Hacker denkt laut. Die Mitwanderer blicken derweil zum nächsten faszinierenden Riesen.

Zurück läuft die Gruppe über den sogenannten Quellhorizont. Vorbei an einem kleinen Tümpel, gebrochenen Steinen und auf kleinen, ausgetretene Pfaden kommen die Wanderer zurück zum Ausgangspunkt. Zwei Stunden Natur, zwei Stunden faszinierende Bäume.

 

Von Monika Schütz

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