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BAD STAFFELSTEIN

Erstes „Mitfahrbänkla“ von Bad Staffelstein steht

Erstes „Mitfahrbänkla“ von Bad Staffelstein steht
Zum Probesitzen auf der neuen Bank : Anne Schulte und GeorgMüller; (stehend, v. li.) Katja Brade , Walter Mackert und NadjaMotschmann mit weiteren Helfern der Projektgruppe. Foto: Monika Schütz

„Was lange währt, wird endlich gut“, brachte es Katja Brade auf den Punkt. In der Tat sind seit der ersten Idee 2016 bis zur Realisierung im Juli 2020 glatte vier Jahre vergangen. Nun konnte am Mittwoch die Leitung des Quartiersmanagements „In der Heimat wohnen“, Katja Brade und NadjaMotschmann, mit einigen Gästen endlich die neue Mitfahrbank einweihen.

„Wir haben uns ja schon lange überlegt: An wen können wir uns wenden? Wer finanziert?“
Walter Mackert, Seniorenbeauftragter

In der Viktor-von-Scheffel-Straße nahe der Hausnummer 10 steht sie nun: leuchtend bunt lackiert, mit genug Platz für bis zu vier Personen und mit einem deutlich sichtbaren Schild, auf dem man anzeigen kann, wohin man gerne mitgenommen werden möchte. Dieses Schild hängt zwar aktuell noch etwas zu hoch, wird aber, so versprach Stadtrat Harald Konietzko im Vorfeld, noch tiefer gehängt werden und somit leichter zu bedienen sein. Als Ziele zeigen die Schilder Bahnhof, Bamberger Straße und Lichtenfelser Straße an.

Seit der Fertigstellung und dem Bezug der Wohnanlage 2016 wurde über solch ein „Mitfahrbänkla“ ernsthaft nachgedacht. Doch nichts passierte. Georg Müller, früherer Bürgermeister von Bad Staffelstein und damals als Stadtrat tätig, legte im Mai 2018 Bürgermeister Jürgen Kohmann eine entsprechende schriftliche Anregung vor, mit dem Wunsch um Behandlung und Stellungnahme. Auch Walter Mackert saß da im Stadtrat, damals wie heute fungiert er auch als Seniorenbeauftragter.

Dass der Wunsch nach einer Mitfahrbank nun erfüllt wurde, ist der Josephstiftung Bamberg zu verdanken. Sie hatte Gelder zur Verfügung und alle ihre Standorte befragt. Bad Staffelstein kam dann zum Zug. „Wir haben uns ja schon lange überlegt: An wen können wir uns wenden? Wer finanziert?“, rekapitulierte Walter Mackert. „Und: Wo kommt sie hin?“, ergänzte Nadja Motschmann.

Spende für ein weiteres „Bänkla“ statt großes Geburtstagsfest

Diese eine und erste Bank soll ein Impuls sein: Vielleicht kommt ja noch eine weitere Bank dazu, vielleicht finden sich ja noch Spender? Das hofft zumindest Mackert. Angesichts dessen machte Georg Müller einen guten Vorschlag: In wenigen Tagen feiert er seinen 70. Geburtstag. Wegen Corona wird die Feier aber deutlich kleiner als geplant. Dafür kann er sich gut vorstellen, einen Betrag (er nannte die Summe von 200 Euro) als Zuschuss für ein weiteres „Bänkla“ zu spenden.

Große Unterstützung kam auch von der„Projektgruppe“, einer Gruppe ehrenamtlich tätiger Bürger aus Bad Staffelstein, die sich regelmäßig treffen und austauschen, die wissen, „wo der Schuh drückt“ und die die Lebensqualität für Senioren in dieser schönen Stadt steigern wollen. Anne Schulte, die sich auch dort engagiert, möchte aber noch mehr. Die Seniorin ist oft zu Fuß in der Stadt unterwegs und sieht sich mit offenen Augen um: Einkaufszentren mit vielen, meist älteren Kunden, die schwer bepackt oder auf einem Rad schiebend ihre Einkäufe nach Hause bringen. Sie selbst ist mit ihren 82 Jahren noch gut zu Fuß, dennoch wünscht sie sich herzlichst, dass es mehr Bushaltestellen in der Stadt gibt: „Nur am Bahnhof und in der Horsdorfer Straße ist zu wenig“.

In den Großstädten fahren Busse, S- und U-Bahnen im Minutentakt. Auf dem Land hingegen herrscht häufig nur ein eingeschränkter öffentlicher Personen-Nahverkehr (ÖPNV). Teilweise fahren lediglich Schulbusse durch die kleinen Orte und Gemeinden, die Einwohner sind am Wochenende, an Feiertagen oder in den Schulferien zwangsläufig auf das Auto angewiesen. Vor allem für Senioren, die keinen Führerschein haben oder nicht mehr fit genug sind, um selbst mit dem Auto zu fahren, kann das problematisch werden: Wer nicht Auto fahren kann, sitzt mehr oder weniger zu Hause fest.

Mehr Mobilität auch ohne eigenes Auto

Die Mitfahrbank soll den ÖPNV ergänzen und den Einwohnern mehr Mobilität ermöglichen. Fahrziel auswählen, hinsetzen und warten, bis ein Auto hält – so einfach funktioniert es. Die einheitlich und auffällig bunt markierten Bänke stehen am Straßenrand für jeden bereit. Direkt neben der Bank ist in der Regel ein Pfeiler, an dem unterschiedliche Schilder zur Auswahl hängen. Durch das Aufklappen des entsprechenden Ziels wird Autofahrern mitgeteilt, in welche Richtung die Fahrt gehen soll. Ein leeres Schild signalisiert, dass man nicht mit genommen werden möchte. So kann die Bank auch als Sitzgelegenheit zum Ausruhen genutzt werden. In Ebensfeld funktioniert es gut, in Neuendettelsau und in Bremen auch. Vielleicht auch bald in Bad Staffelstein.

Von Monika Schütz

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