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BAD STAFFELSTEIN

Ein Ehrenamts-Vorbild: Benedikt Hofmann aus Bad Staffelstein

Es geht auch ohne moderne Übersetzungs-Apps via Smartphone: Benedikt Hofmann hat im Deutsch-Unterricht für Ukrainerinnen auf seine eigenen Sprachkenntnisse und manchmal „Hände und Füße“ zurückgegriffen. Foto: Corinna Tübel

Vokabeln an die Tafel schreiben, Unterlagen für das Arbeitsamt ausfüllen und auch mal eine Wohnung streichen helfen: Echte Integration bedeutet nicht nur Grammatik pauken, sondern vor allem in den Alltag eintauchen. So hat das Benedikt Hofmann gemacht. Der 28-Jährige hat sich ein halbes Jahr lang mehrere Stunden in der Woche für die Ukraine-Hilfe engagiert. Einen Großteil seiner Zeit verbrachte er dabei mit dem Deutsch-Unterricht für Ukrainerinnen zwischen 16 und 70 Jahren, doch auch die Wohnungssuche und Umzüge sowie das Vermitteln eines Jobs bildeten Aufgaben.

Der Student liegt derzeit in den letzten Zügen seines Studiums Europastudien mit Ausrichtung auf Kulturwissenschaften an der TU Chemnitz. Gerade verfasst er seine Bachelorarbeit und arbeitet noch an einem weiteren Projekt von zu Hause aus. Nach drei Jahren ist er im Frühjahr wieder in seine Heimat Bad Staffelstein-Wiesen gezogen. Auf der Suche nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung war er auf ein Inserat der Aktiven Bürger aufmerksam geworden. Der Verein suchte zu dieser Zeit Ehrenamtliche für die Ukraine-Hilfe.

Ein völlig neues Aufgabenfeld für den Studenten

„Zwei Tage später saß ich in der Sprechstunde und hatte einen Job für den Deutsch-Unterricht“, blickt er zurück. Zunächst sollte er einige Kursstunden seines Vorgängers begleiten. Dieser fiel jedoch kurzfristig aus, und Benedikt Hofmann übernahm kurzerhand den Unterricht alleine. Zwar hatte er bereits Erfahrung als Dozent im Rahmen eines Nebenjobs in Chemnitz sammeln können, doch bildete der Deutsch-Unterricht ein völlig neues Aufgabenfeld.

Ein spannendes. „Ich spreche gerne mit und vor Leuten, und musste mich am Anfang eher ein bisschen zurückhalten“, lacht er. Die Teilnehmerinnen wechselten häufig. Oft waren auch deren Kinder anwesend. So wiederholte er immer wieder das richtige Schreiben der Buchstaben und Zahlen, Alltagssätze und wichtige Vokabeln.

Mit Englisch, Polnisch und Händen und Füßen

Seine guten Englisch-Kenntnisse kamen ihm dabei zugute. So konnte er Sachverhalte oft denjenigen Schülerinnen, die diese Sprache ebenfalls beherrschten, übersetzen. Sie gaben sie dann wiederum in ihrer Heimatsprache an die übrigen Schülerinnen weiter. Auch seine Polnisch-Kenntnisse, die er im Rahmen seines Studiums gesammelt hat, haben ihm in manchen Situationen geholfen. Eine Übersetzungs-App auf dem Smartphone hat er dagegen nicht gebraucht. Das wäre auch nicht möglich gewesen. Sein „antikes Handy“, wie er es selbst betitelt, verfügt nur über mäßiges Internet.

Ein halbes Jahr lang hat der Bad Staffelsteiner Benedikt Hofmann Deutsch-Unterricht für Ukrainerinnen gegeben. Foto: privat

Die Kursinhalte bereitete er mit Hilfe von Deutsch-Büchern und Arbeitsheften vor. Oft verlief der Unterricht aber dann ganz anders, weil jemand eine Frage hatte oder ein Thema aus dem Alltag plötzlich Raum einnahm. „Dann lief die Verständigung auch mit Händen und Füßen und einem gewissen Improvisationstalent“, lächelt er.

„Ich habe gemerkt, dass die Integration funktioniert, wenn sie von beiden Seiten ausgeht. Das macht mich glücklich.“
Benedikt Hofmann, ehrenamtlicher Deutschlehrer

Durch sein Studium hat Benedikt Hofmann die Kulturen und Länder Mitteleuropas erforscht und ein tiefes Verständnis für Menschen auf der Flucht entwickelt. Schon in Chemnitz war er in einem Verein für Flüchtlingshilfe aktiv und ist regelmäßig zu Demonstrationen gegangen. „Wir können diese Leute nicht einfach im Stich lassen“, fordert er. Diese Verantwortung hat er in Bad Staffelstein in der Adam-Riese-Schule, wo der Unterricht stattfand, ein Stück weit gelebt: „Ich habe gemerkt, dass die Integration funktioniert, wenn sie von beiden Seiten ausgeht. Das macht mich glücklich.“

Dazu gehöre auch eine gewisse Unkompliziertheit: Einer Familie hat der Student spontan beim Renovieren ihrer Wohnung geholfen, alle waren sehr dankbar. Danach sei die Mutter kurz rausgegangen und mit Pizza für alle wiedergekommen. „Diese wenigen Stunden waren so viel wert!“ Gleichzeitig hatte er viel Spaß an seinem Ehrenamt. Er erinnert sich etwa eine 20-jährige Schülerin, die innerhalb kürzester Zeit so fit in Deutsch geworden ist, dass sie Benedikt Hofmann selbst in seiner Grammatik korrigiert hat. Der Kontakt zu ganz unterschiedlichen Menschen, gegenseitige Unterstützung und die Region am Obermain sind Benedikt Hofmann wichtig.

Projekt für Kinder und Jugendliche in Bad Staffelstein

Deshalb plant er derzeit auch schon für die Zeit nach seinem Studienabschluss ein Projekt in Bad Staffelstein für Kinder und Jugendliche, das seine kulturpädagogische und politische Arbeit vereinen wird. Doch mehr wird noch nicht verraten – nur, dass dort auch das Thema Ehrenamt eine wichtige Rolle spielen soll.

Benedikt Hofmann hat´s vorgemacht. Viele können es nachmachen. „Man braucht kein pädagogisches Vorwissen für den Deutsch-Unterricht oder andere Aufgaben in der Ukraine-Hilfe. Learning-by-doing ist die Devise, Offenheit und Herzblut“, fasst Benedikt Hofmann zusammen.

Informationen auch unter www.aktive-buerger-lichtenfels.de oder info@aktive- buerger-lichtenfels.de. (red)

 

Von Corinna Tübel

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