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EBENSFELD

Ebensfelder Gemeinderat vertagt Beschluss über Nahwärmenetz

Ins Nahwärmekonzept am ehemaligen Neuner-Areal eingebunden werden wohl die Gastwirtschaft (re.), das heute als Wohnhaus genutzte Gebäude Hauptstraße 49 (li.) und die geplante Tagespflegeeinrichtung im hinteren Bereich des Areals. Ob Kirche und Jugendheim angeschlossen werden, steht allerdings in den Sternen. Foto: Mario Deller

An einem Strang ziehen, um beim anvisierten Nahwärmekonzept rund um das „Neuner-Areal“ in der Ebensfelder Hauptstraße gemeinsam moderne Energieformen zu nutzen – das hört sich zunächst sehr vielversprechend und vernünftig an. Doch der entscheidende Schritt zur Konkretisierung des Vorhabens wurde in der Gemeinderatssitzung nicht vollzogen. Es gibt noch Klärungsbedarf.

Fundiert wie detailliert stellten Jörg Franke vom Planungsbüro Messmer & Franke Emskirchen sowie Sascha Wollsiefer vom TGA Planungsbüro für Gebäudetechnik Erlangen ein mögliches Konzept vor. Dieses sieht einen Mix aus Geothermie und Pelletheizungsanlage vor. Auf der Tagespflegeeinrichtung, die im hinteren Bereich des Areals entstehen soll, empfehlen die Planer ergänzend die Installation einer Photovoltaikanlage.

Die beauftragten Planer plädierten bei der Umsetzung eines Nahwärmkonzepts im Bereich Hauptstraße 49/51 für die Erdwärme-Nutzung. Sascha Wollsiefer (Bild) ging auf hierfür notwendige Bohrungen ein. Foto: Mario Deller

Langlebig und nachhaltig

Um die Erdwärme nutzen zu können, wären laut der Experten 15 Tiefenbohrungen nötig. Aus Untersuchungen gehe hervor, dass auf dem Areal 75 Meter tief gebohrt werden kann. Die Erdsonden hielten rund 100 Jahre und damit viel länger als herkömmliche Heizanlagen, nannten die Planer einen aus ihrer Sicht wichtigen Aspekt in Sachen Nachhaltigkeit.

Mit der Gastwirtschaft, dem heute als Mietwohnung genutzten früheren Apothekengebäude (Hauptstraße 49), der alten Brauerei, dem Tagespflege-Neubau, dem Jugendheim und der Kirche könnten bis zu sechs Gebäude an eine Energiezentrale angeschlossen werden.

Die Investitionssumme beläuft sich auf rund 1,1 Millionen Euro, nach Ab-zug der Förderung bleibt für die Kommune ein Eigenanteil von rund 860.000 Euro. Der Investkosten-Anteil der Kirche wäre nicht förderfähig. Beim Thema Kosten ergänzte Bürgermeister Bernhard Storath, dass durch die Gründung eines „Betriebes gewerblicher Art“ die Mehrwertsteuer geltend gemacht werden könne und somit nicht zu tragen wäre.

„Wenn die Kirche nicht will, ist sie halt draußen.“
Bernhard Storath, Bürgermeister

Den Heizbedarf aller sechs Gebäude schätzen die Planer auf 493.000 Kilowattstunden jährlich. Die Umstellung auf die oben genannten Energiegewinnungsformen brächte eine Kostenersparnis von jährlich knapp 37.000 Euro. Dies bedeute, dass sich das vorgestellte Nahwärmekonzept in zwölfeinhalb Jahren amortisiert.

Eigentlich sah die Tagesordnung vor, im Anschluss an die Präsentation, für die Bürgermeister Storath den Planern sehr dankte, über die Umset-zung der Maßnahme abzustimmen. Doch es gibt mindestens zwei „Aber“, die dies verhinderten: Zum einen konnte sich die Kirche (noch?) nicht durchringen, mit ins Energie-Boot zu steigen. Sie will erst zuverlässige Zahlen haben, wieviel die Kilowattstunde bei einem Anschluss ans Nahwärmenetz kosten wird.

Rund um Eggenbach könnten Maßnahmen im Zuge des vom Amt für ländlichen Projekts "Boden:ständig" Positives bewirken in Sachen Erosions- und Gewässerschutz.Rund um Eggenbach könnten Maßnahmen im Zuge des vom Amt für ländlichen Projekts „Boden:ständig“ Positives bewirken in Sachen Erosions- und Gewässerschutz. Foto: Berthold Köhler

Zwei große „Aber“

Christian Böhmer (Freie Wähler) plädierte dafür, die Entscheidung zu vertagen, bis zwei separate Kostenaufstellungen mit beziehungsweise ohne Beteiligung der Kirche vorliegen. Bürgermeister Storath signalisierte an diesem Punkt Beharrlichkeit: „Wenn die Kirche nicht will, ist sie halt draußen.“ Des Weiteren wurde seitens des Gremiums auch die Variante ins Spiel gebracht, voll auf Pellets zu setzen.

Anstelle in eine Abstimmung über das Konzept der Planer mündete das Ganze schließlich in einen – wenn-gleich einstimmig gefassten – sehr vagen Beschluss, wonach das Vorhaben Nahwärmekonzept Hauptstraße 49/51 „weiterverfolgt wird“, außerdem Gespräche mit der Kirche geführt werden und auch die Alternative einer Pelletheizung-Lösung ohne Geothermie geprüft werde.

 

Von Mario Deller

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