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NEUDORF

Ebensfeld: Wenn der Stachelritter Hilfe braucht

Ebensfeld: Wenn der Stachelritter Hilfe braucht
Hier sind die Stachelritter gut aufgehoben: Marion Damm kümmert sich in Neudorf bei Ebensfeld bereits seit über 15 Jahren um verwaiste, verletzte und unterernährte Tiere. ( Foto: Marion Nikol

Er hat seine Spuren hinterlassen, der viel zu trockene Sommer 2022. Auch wenn die lang ersehnten Niederschläge nun seit einigen Tagen endlich eingetroffen sind, zeigen sich die Auswirkungen der Dürre sowohl in den Wäldern und auf den Feldern als auch in den heimischen Gärten. Betroffen davon sind insbesondere Wildtiere wie Igel, die während der Hitzemonate kaum Nahrung in den vertrockneten Böden finden konnten. Schottergärten ohne Unterschlupfmöglichkeiten, Mähroboter und Laubsauger setzen den stacheligen Säugetieren außerdem zu.

Doch es gibt auch gute Neuigkeiten: Jeder kann im eigenen Garten zum Schutz von Igeln beitragen. Gerade jetzt sind viele Jungtiere unterwegs und können mit einfachen Mitteln vor Verletzungen, Stürzen und dem Hungertod bewahrt werden. Wie das geht, weiß Marion Damm, Vorsitzende der LBV-Kreisgruppe Lichtenfels und passionierte Tierschützerin. Seit mehr als 15 Jahren ist sie im Landkreis eine wichtige Anlaufstelle, wenn es darum geht, verwaiste oder unterernährte Igel zu retten. In dieser Saison hat sie wieder alle Hände voll zu tun.

Von 43 auf 400 Gramm aufgepäppelt

Nicht einmal 50 Gramm wogen die vier Igelbabys, die Marion Damm Ende Juli in ihrer kleinen Igel-Pflegestation in Neudorf bei Ebensfeld aufnahm. Es folgten anstrengende Wochen, während der die „Waisenkinder“ mit dem Fläschchen gefüttert, gehegt und gepflegt werden mussten. Drei davon haben es geschafft: Sie bringen bereits über 400 Gramm auf die Waage und werden schon bald wieder in die Freiheit entlassen. „Wir dürfen bei aller Tierliebe nicht vergessen, dass der Igel ein gesetzlich geschütztes Wildtier ist, das nicht eingesperrt sein will und auch ohne triftigen Grund nicht aus der Natur entnommen werden darf“, erklärt die Tierschützerin.

Ebensfeld: Wenn der Stachelritter Hilfe braucht
Wohl genährt und munter darf sich dieser junge Igel darauf freuen, schon bald wieder durch Wiesen und Felder zu streifen, um sich ein Quartier für den Winterschlaf zu suchen. (Bild: Marion Damm) Foto: Marion Nikol

In dieser Hinsicht sei auch wichtig zu wissen, dass Igeljunge bereits mit sieben Wochen erste Entdeckungstouren machen und alleine unterwegs sein können. Wer kleine Igel im Garten entdecke, solle deshalb nicht sofort eingreifen, sondern erst einmal einen Tag abwarten und beobachten, ob ein Muttertier in der Nähe ist. „Wer merkt, dass die jungen Tiere auch tagsüber umherirren und offensichtlich nach Futter oder einem Unterschlupf suchen, dann sollte gehandelt und das Tierheim oder ein Tierarzt kontaktiert werden. Gleiches gilt für offensichtlich unterernährte Tiere,“ so Marion Damm.

Das passende Futter ist wichtig

Zusätzlich zu den drei bereits aufgepäppelten Tieren, hat die Igelexpertin aus Ebensfeld schon wieder Zuwachs bekommen: Vier Jungtiere im Alter von etwa sechs Wochen benötigen derzeit Zuwendung, Wärme und vor allem reichlich Nahrung. Unterstützt wird Marion Damm dabei erfreulicherweise durch Futter- und Geldspenden von Mitbürgerinnen und Mitbürgern: „Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken, denn auf diese Weise kann ich die Tiere mit allem versorgen, was sie brauchen.“

Anders als es in vielen Kinderbüchern suggeriert wird, sind Igel übrigens keine Obstesser. Aufgrund des Aufbaus ihres Magen-Darm-Traktes können sie pflanzliche Nahrung nicht verdauen und verwerten. Wer also in seinem Garten ein Tier entdeckt, das am Genick oder an den Flanken eingefallen ist, sollte mit dem passenden Futter Unterstützung leisten. Optimal geeignet sind Katzen- oder Hundedosenfutter mit hohem Fleischanteil, durchgegartes Rinderhack, gekochtes Geflügelfleisch oder gekochte Eier. Zusätzlich können Haferflocken oder Igeltrockenfutter als gut verdauliche Ballaststoffe untergemischt werden.

So sieht ein igelfreundlicher Garten aus

Um es für die kleinen Stachelritter so sicher und angenehm wie möglich zu machen, braucht es im Garten nicht viel Aufwand: Reisig- oder Laubhaufen bieten das ganze Jahr über einen optimalen Unterschlupf, alternativ kann ein Igelhaus aufgestellt werden. Ebenfalls hilfreich sind durchlässige Gartenzäune, damit die Tiere für die Nahrungssuche umherwandern können. „Wer die ein oder andere unaufgeräumte Ecke im Garten hat, tut den Igeln und anderen Tieren etwas Gutes. Und jetzt im Herbst darf das Laub gerne unter Sträuchern und Hecken angesammelt werden“, fügt Marion Damm hinzu.

Ebensfeld: Wenn der Stachelritter Hilfe braucht
Mit nur 43 Gramm kamen Ende Juli vier Igelbabys in der Pflegestation an, die viel Pflege, Wärme und vor allem Nahrung benötigten. (Bild: Marion Damm) Foto: Marion Nikol

Oftmals verkannt werden potenzielle Gefahren wie beispielsweise Lichtschächte, die unbedingt abgesichert werden sollten, da sie zu Todesfallen für Igel werden. Ähnliches gilt für Kellertreppen, die ganz einfach mit Pflastersteinen oder Holzstücken versehen werden können. Auf diese Weise lassen sich die Stufen verkürzen und heruntergefallene Tiere schaffen es, wieder nach oben zu gelangen. Gelbe Säcke und herumliegende leere Futterdosen, in denen sich die Tiere verfangen können, stellen ebenfalls ein Risiko dar.

Laubbläser stören den Winterschlaf

Ein rotes Tuch sind für die „Igel-Ziehmutter“ aus Ebensfeld zudem Mähroboter und Laubbläser: „Anders als von den Herstellern behauptet, fügen Mähroboter den Igeln schlimme Verletzungen zu. Tiefe Schnittwunden im Gesicht und am Körper sowie verletzte oder abgerissene Pfoten sind keine Seltenheit. Laubbläser wiederum reißen nicht nur mit ihrem Lärm Igel oder Siebenschläfer aus dem Winterschlaf, sondern nehmen dem Boden das, was ihn lebendig hält und anderen Tieren als Nahrung dient, etwa Käfer, Asseln, Tausendfüßler und Spinnen.“

Wie auch immer der eigene Garten nun winterfest gemacht wird, besondere Vorsicht sollte den Tieren zuliebe bei der Arbeit geboten sein. Die Mutter der vier jüngsten Igelwaisen, die von Marion Damm aktuell gepflegt werden, verlor ihr Leben aufgrund von unachtsamen Holzaufräumarbeiten. Wer zudem seinem Rasen noch einen letzten Schnitt verpassen möchte, sollte beim Mähen mit der Motorsense vor allem unter Hecken und Gebüschen sicherstellen, dass dort kein Igel seinen Tagschlaf hält.

 

Von Marion Nikol

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