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KLOSTER BANZ

Drei Apfel-Mädchen auf der Obstwiese

Mmh, der schmeckt gut: Der Nikolausapfel ist ein Geheimtipp der drei Schwestern (v. li.) Charlotte, Marlene und Konstanze. Foto: Corinna Tübel

Sauer. Noch nicht fertig. Mein Lieblingsapfel. Mit solchen Urteilen streifen Marlene, Charlotte und Constanze Stromer am Sonntagnachmittag beim traditionellen „Obstpflücken für jedermann“ durch die Banzer Obstwiese. Zwar hat ihnen ihr Vater Michael Stromer, Kreisfachberater des Landkreises Lichtenfels, einiges über Obst und deren Baumpflege beigebracht. Das Wichtigste erfahren und erleben sie jedoch selbst: „Die Äpfel hier in der Natur schmecken viel besser als im Supermarkt“, erklärt die sechsjährige Marlene. „Und sind wahrscheinlich auch gesünder.“ An dieser Stelle fügt Michael Stromer hinzu: Die rund 80 Apfelsorten am West-Hang unterhalb von Kloster Banz wurden sicherlich noch nie gegen Schädlinge gespritzt. „Sie sind nochmal frischer und knackiger als beim Kauf anderswo.“

Flanieren und probieren

Dazu können sich die Gäste, wie man sie im Angesicht der malerischen Kulisse von Kloster Banz im Rücken nennen könnte, selbst ein Urteil bilden: Gleich zu Beginn der Obstwiese haben Michael Stromer und Rudi Morgenroth einen Tisch mit verschiedenen Obstsorten zum Probieren aufgebaut. Gleichzeitig beraten sie zu verschiedenen Sorten, deren Reifegrad und die Lagerung. Den „Pflückern“ raten sie zur Ungezwungenheit: „Gehen Sie einfach durch, probieren sie und finden selbst heraus, was Ihnen schmeckt und ob eine Sorte reif ist oder noch nicht.“ Oftmals bleibt der Griff nach dem Obst ein Rätsel-Raten, doch alle „Pflücker“ sind sich einig: Hier schmeckt es besser als anderswo!

Für leckeren Saftgenuss sorgen Helmuth Reinhardt und Georg Beßlein. Foto: Corinna Tübel

as erklärt, warum die drei Apfel-Mädchen sich zwischen vielen Frauen und Männern ihren Weg bahnen müssen. Am Ende des Tages lassen sich wohl zwischen 600 und 700 Teilnehmende zählen. Das Trio springt an zwei Seniorinnen vorbei. Diese haben wohl – dem sonnigen Wetter angepasst – ihre besten Hüte aus dem Schrank geholt und pflücken fachmännisch mit Teleskop-Apfelpflücker von zwei ausgewählten Bäumen. Am Baum „nebenan“ sammelt eine Frau mittleren Alters, bunt gekleidet, gerade Fallobst ein. „Hallo“, rufen die Mädchen ihr zu wie alte Bekannte.

Nikolaus-Apfel als Geheimtipp

Ihr Weg endet am „Nikolaus-Apfel-Baum“ am unteren Rand der Wiese. Hierhin verirren sich nicht viele Pflücker. „Das ist unser Lieblingsapfel“, verraten Marlene und Constanze. Charlotte nennt nicht die Alkmene, sondern einen „Tigerapfel“ ihren Favoriten. Die drei Mädchen vergleichen die verschiedenen Sorten nach Größe, Form und Farbe. Auch Birnentypen können sie unterscheiden. „Aber diese hier würde ich nicht essen“, die sind recht bitter.

Hier wird das Obst gewogen: Fallobst und Pflückobst separat. Foto: Corinna Tübel

Mitten in der Obstwiese befindet sich eine Feuerstelle, an der Kathrin Stromer Stockbrot über einer Feuerglut für kleine und große Gäste bäckt. Kurz legen die drei Töchter eine Pause ein und lassen sich die leckere Teig-Speise schmecken. Dann geht es auch schon wieder weiter: Vorbei an einem Baum, den unsere Autorin gar nicht beachtet hätte. In ihm hängen weder rote noch grüne Äpfel, eher „verschrumpelte Blüten“, so ihr erster Eindruck. Doch Marlene belehrt mich eines Besseren: „Das sind Mispeln. Die kann man erst essen, wenn sie reif und teigig sind.“ Das edle Holzschild neben dem Baum bestätigt dessen Namen. Nebenan stehen Bäume, die mit einem roten Band gekennzeichnet sind. „Da darf man nichts abpflücken“, so Charlotte. Die kleinen runden Chips an jedem Baum tragen eine Nummer. Anhand dieser können die über 230 Bäume auf der Obstwiese in einem Lageplan und in einer Sortenliste gut identifiziert werden.

Saftpresse und Kuchengenuss

Dann geht es wieder einen kleinen Hang hinauf – zur Saftpresse. Die schweißtreibende Arbeit für Helmuth Reinhardt und Georg Beßlein lohnt sich: Jeder Gast, der den süßen Saft probiert, ist begeistert. Die Mädchen grinsen.

Sorten zum Probieren von den Fachmännern gab es bei Michael Stromer (li.), Kreisfachberater des Landkreises Lichtenfels, und Rudi Morgenroth. Foto: Corinna Tübel

Ein Stück weiter lockt der nächste Gaumenschmaus: Auf einer langen Tafel haben die Mitglieder des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege Lichtenfels e.V. zahlreiche Apfelkuchen-Variationen und Apfelstrudel gebacken. Auch die Küche der Hanns-Seidel-Stiftung hat aus den Äpfeln der Wiese leckere Apfelstrudel beigesteuert.

Gestärkt und von Apfelduft begleitet zeigen die Mädchen unserer Autorin noch den Weg Richtung Waage. Dort werden Pflück- und Fallobst getrennt voneinander nach Gewicht bezahlt. Ersteres ist mit einem Euro, letzteres mit 50 Cent pro Kilogramm ebenfalls ein gesundes Schnäppchen. Am Ende des Tages werden Körbe, Taschen oder Rucksäcke voller gesunder Leckereien nach Hause gefahren Deren Namen haben die meisten schon wieder vergessen, die Mädchen dagegen nicht. Sie zählen den „Alexander Lucas“ auf, den „Roten Bellefleur“ oder die „Ingrid Marie“.

Abenteuer Streuobstwiese

Doch die Streuobstwiese, deren Wurzeln wohl bis in die Barock-Zeit zurückreichen und die der Kreisverband in den 90er Jahren von Wildwuchs freigelegt hat, hat noch einiges mehr für Abenteurer und Familien zu bieten. Viele der Bäume laden zum Klettern, Verstecken und Träumen ein. Charlotte macht es in ihrem „Beulenbaum“ vor – im Kopf vielleicht schon die Gedanken an einen leckeren Apfelkuchen, Apfelbrei oder einen Apfelsaft.

Zahlreiche selbstgebackene Apfelkuchen-Variationen und Apfelstrudel hatten die Mitglieder des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege Lichtenfels e.V. und der Hanns-Seidel-Stiftung gespendet. Foto: Corinna Tübel

Manche Dinge bleiben wohl immer gleich. Vielleicht ist der Apfelduft, der für viele Menschen den Herbst einleitet. Vielleicht ist es die malerische Kulisse des Klosters Banz, das das fränkische Heimatgefühl stärkt. Vielleicht ist es die Natürlichkeit der Kinder, die einen solchen Tag voller Genuss, Natur und Entdeckungen zu etwas ganz Besonderem machen. Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr!

Sie haben wohlklingende Namen wie „Grahams Jubiläumsapfel“ oder „Ingrid Marie“. Foto: Corinna Tübel
Sie haben wohlklingende Namen wie „Grahams Jubiläumsapfel“ oder „Ingrid Marie“. Foto: Corinna Tübel

Von Corinna Tübel

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