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BAD STAFFELSTEIN

Die Staffelbergsage vom Raben

Die Adelgundiskapelle auf dem Plateau des Staffelbergs. Foto: Andreas Motschmann

Raben gibt es in Märchen und Sagen. Wer kennt nicht das Märchen von den sieben Raben? Auch in unseren heimischen Volkssagen am Obermain sind die Rabenvögel vertreten. Die Burg Niesten bei Weismain hat in einer Geschichte Raben, ebenso der Staffelberg. Diese Rabenerzählung verdient es, so bekannt zu werden wie die Sagen von den Querkerla, dem Zwergenvolk auf dem Berg der Franken.

Die Erzählung berichtet vom Bau der Adelgundiskapelle, der mühselig war: Der Sand musste, wie alle Baumaterialien, von weither zum Staffelberg transportiert werden. Einem Maurer fiel auf, dass häufig ein Rabe zur Baustelle kam, der aus seinem Schnabel Sand rieseln ließ. Der Arbeiter folgte dem Vogel und sah ihn zum Querkerlesloch fliegen. Der Mann forschte nach und fand am Boden der Höhle Dolomitsand. Er berichtete den Bauleuten von seinem wichtigen Fund. Der Baumeister ließ weiter graben, sie fanden reichlich gelben Sand. Wegen dieses Sandvorkommens konnte man sich den mühsamen Transport vom Maintal herauf ersparen. Der Baumeister soll damals gesagt haben: „Des Raben Bild sollst du über der Türe des Kirchleins anbringen, damit es unsere Kinder daran erinnere, wie Gott der Herr hier geholfen hat.“ Das Bild des Raben finden wir über der seitlichen Eingangstür der Kapelle. Im Buch „Sagen und Legenden des Lichtenfelser Landes“ von E. u. K. Radunz ist diese Rabenerzählung eine der vierzehn Sagen rund um den Staffelberg.

Gotteshaus mit langer Tradition

Auf dem Hoch-Plateau des Staffelbergs steht die Adelgundiskapelle. Um 800 soll schon eine christliche Kapelle auf dem Staffelberg über den Resten eines heidnischen Kultbaus errichtet worden sein. Die erste urkundliche Erwähnung einer Adelgundiskapelle stammt aus dem Jahr 1419. In den Bauernkriegen wurde die Kapelle zerstört, am 8. Juli 1654 folgte eine Neueinweihung. 1866 wurde die heutige Orgel im Gotteshaus installiert. Fünf Jahre später bekam die Adelgundiskapelle einen Turm.

Das Bild des Raben ist in der Kapelle zu sehen. Foto: Andreas Motschmann

Der Staffelsteiner Pfarrer Jakob Winkelmann sorgte für die Einrichtung einer Einsiedlerklause zur Betreuung der Kapelle. Einem der Eremiten, Ivo Hennemann, setzte Viktor von Scheffel in seinem Lied ,Wohlauf, die Luft geht frisch und rein...‘ ein Denkmal. Zwei umfassende Renovierungen von 1967 bis 1969 und von 2002 bis 2004 zum 350-jährigen Weihejubiläum ließen die Adelgundiskapelle wieder erstrahlen. Die Namensgeberin, die heilige Adelgundis, war eine Grafentochter aus dem Hennegau. Sie starb um das Jahr 684 als Äbtissin in ihrem selbstgegründeten Kloster Maulberge in Frankreich.

Rabe wichtiger Vogel bei den Kelten

Die Beziehung der Raben zu den Menschen hat eine lange Tradition. Der Rabe, die Sagenfigur auf dem Staffelberg, hat von der Geschichte her keine erkennbare Beziehung zu den früheren Bewohnern auf dem Staffelberg. Zu vermerken ist: Der Rabe war ein wichtiger Vogel bei den Kelten. In den Vorstellungen der Druiden galt er als übernatürlich. Raben konnten, so dachte man, in die Vergangenheit und in die Zukunft blicken. Er diente als Bote zwischen den zwei Welten. Das Tier galt bei den Kelten als Überbringer von Heilung; man sah in ihm den Vogel der Göttin des Todes.

Vorbote von Tod und Pestilenz

Das Verhältnis der Menschen zu Rabenvögeln ist zwiespältig. In der Antike wurden Raben als magische und göttliche Vögel verehrt. Im alten Testament ist es Noah, der einen Raben aus der Arche entsendet um zu erfahren, ob die Flut ein Ende hat. Mit dem Aufkommen des Christentums und dem Rückgang der Naturreligionen veränderte sich das Ansehen der Vögel. Das Auftauchen großer Schwärme galt im Mittelalter als Vorbote von Tod, Unheil und Pestilenz. Raben sind Aasfresser, daher vermutlich ihr schlechter Ruf. Beim Aasfressen unterscheiden sie naturgemäß nicht zwischen Mensch und Tier. Nach einer Schlacht mit vielen Toten war der Tisch reich gedeckt. Raben taten sich auch gütlich am Fleisch gehenkter Zeitgenossen; daher das Wort „Galgenvogel“. Im Mittelalter galten sie als Begleiter von Hexen. Abergläubisch wurde eine Frau schon als Hexe verteufelt, wenn ihr eine Krähe oder ein Rabe zu nahe gekommen war.

Kommen wir zu den heimischen Sagen zurück. In der Geschichte auf der Burg Niesten wurden die Vögel mit dem Herzog und seinen Zauberkünsten in Verbindung gebracht. Auf dem Staffelberg ist dagegen der Rabe ein hilfsbereiter Geselle beim Bau des Gotteshauses. Vielleicht erinnern sich die Besucher auf dem Berg der Franken an diese Geschichte und werfen in der Adelgundiskapelle einen Blick auf den Raben.

 

Von Andreas Motschmann

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