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BAD STAFFELSTEIN

Corona: Bad Staffelsteiner Unternehmer schreiben Brandbrief

Corona: Bad Staffelsteiner Unternehmer schreiben Brandbrief
1. Vorsitzender Frank Mirsberger (li.) und 2. Vorsitzender Sven Düber mit dem Brandbreif, mit dem die Unternehmer aus Bad Staffelstein ihrem Unmut Luft machen. Foto: Michael Böhm

Die Mitglieder der Adam-Riese-Unternehmergemeinschaft leiden schwer unter der Corona-Pandemie. Lange hofften die Geschäftsleute darauf, wieder ohne große Einschränkungen Kunden begrüßen und beraten zu dürfen. Längst aber ist die Inzidenz im Landkreis Lichtenfels wieder deutlich über dem Schwellenwert von 100. Nun haben die Vorsitzenden Frank Mirsberger und Sven Düber zusammen mit Schriftführerin Susanne Mayr einen Brandbrief an alle politischen Mandatssträger der Region formuliert. Es ist ein Hilferuf.

Darin heißt es: „Wir alle müssen viel lernen in diesen ungewöhnlichen und herausfordernden Zeiten, aber wir sollten auch die richtigen Schlüsse ziehen, wenn wir merken, dass ein Regularium an den Realitäten vorbeiläuft.

Die Freude über die Perspektiven zur Öffnung währte nur kurz

Unsere Unternehmen in Bad Staffelstein haben sich sehr über Ihre Öffnungsperspektiven im März 2021 gefreut. Doch leider wurde diese Erwartung – bedingt durch die wechselnden Inzidenzwert im Landkreis Lichtenfels, nicht erfüllt. Gerade die Organisation der Betriebsabläufe für kleine und mittlere Unternehmen können dieses Auf und Ab beziehungsweise Öffnen und Schließen nicht bewältigen. Diese zusätzlichen Mehrbelastungen führen unsere Unternehmer, nach fast drei Monaten Stillstand, an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Unsere Unternehmer können in absehbarer Zeit die anhaltenden Entnahmen aus ihren Privatvermögen und somit die Abschmelzung des Eigenkapitals nicht mehr leisten.

Wir appellieren heute an Sie, folgende Szenarien zu bedenken, die gerade in kleinen Landkreisen, Städten und Gemeinden zu einer wesentlichen Verbesserung der Situation und sicherlich zu keiner Verschlechterung der Infektionslage beitragen würden.

Durch die Berechnung der Inzidenzwerte benachteiligt

Die kleinen Landkreise, Städte und Gemeinden werden durch die Berechnung der Inzidenzwerte benachteiligt. Diese sind sicherlich ein präzises wissenschaftliches und mathematisches Mittel der Bewertung, spiegeln aber in diesem Fall nicht die vorhandenen Realitäten.

Die Erkrankung von 100 Personen bei 60 000 oder 40 000 Einwohnern hat vor Ort eine andere Auswirkung als die Erkrankung von 100 Personen bei 1 472 000 Einwohnern.

Damit die unternehmerische Infrastruktur in kleinen Landkreisen, Städten und Gemeinden eine Chance zum Überleben bekommt, möchten wir Sie heute bitten, die aktuell angewandten Regelungen zur Berechnung der Inzidenzwerte in diesem Zusammenhang zu überdenken und den vorhandenen Gegebenheiten anzupassen. ,Call & Meet‘ oder auch ,Privatshopping‘ in unseren kleinen Unternehmen scheint uns aus Infektionsschutzgründen angebrachter, als die Menschenmassen an den Angebotstischen von Aldi, Rewe oder Edeka.

Diese Nach- und Feinjustierung im Bereich der Überwachung zum Wohle unserer Gesellschaft scheint uns mehr als angebracht zu sein.

In diesem Zusammenhang möchten wir unseren Hinweis auf die Eigenkapital- und Liquiditätsprobleme der Unternehmen nochmals erwähnen. Es ist dringend erforderlich, den kleinsten und kleinen Unternehmen eine schnelle und unbürokratische finanzielle Hilfe zukommen zu lassen. Viele Steuerberater, über die die Anträge gestellt werden, kritisieren die Definition zwischen Solo-selbstständigen und kleinsten beziehungsweise kleinen Unternehmen. Diese bestehen in der Regel nur aus einer Person, hier greifen jedoch die entsprechenden Gewerbeordnungen – da es keine Freiberufler oder Künstler sind. Die zuletzt genannte Gruppe kann jedoch unkompliziert einen Antrag ohne Steuerberater stellen. Eine Identifizierung könnte einfach über die Steuernummer oder die Steueridentifikation erfolgen. Ein schneller Mittelzufluss kann hier die größte Not ohne viel Aufwand mindern.

Bedenken Sie bitte auch, dass bei den kleinsten und kleinen Unternehmen das Thema ,Digitalisierung von Vertriebswegen‘ bisher keine Rolle gespielt hat und somit das technische Equipment und Wissen nicht vorhanden ist. Alternativen wie ,Click & Collect‘ oder auch ,Click & Delivery‘ sind nicht umsetz- oder einsetzbar. Auch bietet es ihnen keine Möglichkeit die Zielgruppe ihrer Kunden anzusprechen.

Wir appellieren an Sie unsere Hinweise und Vorschläge zu prüfen.“

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