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ALTENBANZ

Christian Montag über Wüstenerfahrungen im Pandemiejahr

Christian Montag betreut als Geistlicher den Seelsorgebereich „Gottesgarten“. Foto: red

Christian Montag betreut als Pfarrer den Seelsorgebereich „Gottesgarten“. Was bedeutet die Pandemie für seine Arbeit?

„Was war das für ein Jahr? Die Corona-Pandemie dauert jetzt schon zwölf Monate an und hat natürlich auch Auswirkungen auf das Pfarreileben vor Ort. Hätten Sie mir vor einem Jahr gesagt, was auf uns zukommt, ich hätte es Ihnen nicht geglaubt.

Durch die Corona-Pandemie wurde unser Leben auf den Kopf gestellt. Unsere persönlichen Beziehungen mussten wir auf Abstand bringen, Besuchsverbote in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Kitas, Schulen, Geschäfte und Gastwirtschaften mussten schließen. Betriebe schickten ihre Beschäftigte in Kurzarbeit. Der ein oder andere musste bereits Insolvenz anmelden und nicht zuletzt, die Angst der Menschen. Existenzängste und Angst, sich mit dem Virus anzustecken.

Was hat diese Corona-Pandemie mit uns gemacht und wie soll es weitergehen?

Den Blick für Gott und die Mitmenschen nicht verlieren

Wir befinden uns in der Fastenzeit. 40 Tage, so wie Jesus einst durch die Wüste gegangen ist, begehen auch wir diese 40 Tage, um unser eigenes Leben zu reflektieren und zu überdenken. Dabei ist es wichtig, auf uns selbst zu schauen und den Blick für Gott und für unsere Mitmenschen nicht zu verlieren.

Auch wir haben in diesem Pandemiejahr Wüstenerfahrungen machen müssen.

Seit September 2019 bin ich im Seelsorgebereich Gottesgarten tätig. Vorwiegend für die Pfarreien Altenbanz, Banz und Nedensdorf. Voller Elan und Schaffenskraft bin ich in meine erste Pfarrstelle gestartet. Viele Pfarrgemeindemitglieder waren motiviert anzupacken und Kirche von morgen mitzugestalten. In den ersten Wochen und Monaten konnten wir bereits Vieles umsetzen und Neues etablieren.

Und dann, ich kann mich noch genau daran erinnern, es war der 13. März 2020. Alles aus und vorbei. Gottesdienste durften nicht mehr gefeiert werden, gerade das Osterfest musste abgesagt werden. Der persönliche und seelsorgliche Kontakt wurde auf das Nötigste reduziert. Keine Besuche bei den Menschen vor Ort waren mehr möglich, Trauernde begleiten war schwierig. Beerdigungen waren nur auf den engsten Familienkreis reduziert und duften nicht öffentlich gemacht werden.

Taufen und Hochzeiten wurden abgesagt oder verschoben. Es war ein sehr ungewohntes und befremdliches Gefühl so hilflos dazustehen.

Es mussten neue Ideen geschaffen werden. Eine ganz neue Herausforderung für Gemeindeleben und auch für mich als Seelsorger vor Ort.

In diesem ersten Lockdown der Corona-Pandemie fanden vermehrt Telefonate und Videokonferenzen statt. Wir erstellten eine Internetseite um Informationen und Impulse weiterzugeben.Die Menschen waren nicht allein, aber es war schon eine sehr große Umstellung für alle.

Am 10. Mai 2020 kehrte ein wenig Normalität zurück. Gottesdienste unter Beachtung der Abstands- und Hygieneregeln waren wieder erlaubt. Die Gremien vor Ort haben sich dafür entschieden, alle Gottesdienste im Freien zu feiern, was sehr gerne angenommen wurde. So konnten wir lebendige Familiengottesdienste mal anders auf dem Sportplatz in Altenbanz feiern. Wir nutzten auch die neuen Medien und haben zum Beispiel einen Onlinegottesdienst aufgezeichnet, uvm.

Im Herbst/Winter kam der zweite Lockdown. Im Gegensatz zum ersten Lockdown durften wir aber weiter unsere Gottesdienste feiern. Aufgrund der Wetterverhältnisse sind wir dann mit den Gottesdiensten in die Kirchen umgezogen. Auch diese wurden unter Einhaltung der Abstands- und Hygienemaßnahmen gerne angenommen, wobei man schon feststellen konnte, dass weniger Gläubige kamen.

So viel entfällt wegen der Pandemie

Viele Veranstaltungen liegen seit März 2020 auf Eis. Auch sind seit einem Jahr keine Ministranten- und Jugendaktionen, keine Seniorenveranstaltungen, kein Musikunterricht, keine Chorproben, etc. mehr möglich. Das wird sicherlich auch Auswirkungen nach dieser Corona-Krise haben. Wer kommt dann noch?

Diese Wüstenerfahrungen, die wir seit circa einem Jahr erfahren, kann auch etwas Positives haben. Die Corona-Pandemie ermöglicht es zum Beispiel, uns selbst besser kennenzulernen und dabei unsere Fähigkeiten und Talente neu und vielleicht auch erstmalig zu entdecken und wahrzunehmen. Wir können neue Kommunikationsfähigkeiten entfalten, unser Durchhaltevermögen und unsere Geduld wurden gestärkt. Wir haben auch gelernt, wie wertvoll der menschliche Kontakt, ein Händedruck, eine Umarmung, ein gemeinsamer Abend mit Freunden ist und wir können vielleicht auch besser unterscheiden, was wir wirklich zum Leben brauchen.

In diesem Jahr durfte ich miterleben, dass der Zusammenhalt in unseren Pfarreien stärker ist denn je. Und das freut mich sehr als Seelsorger vor Ort. Ich wünsche mir sehr, dass der Zusammenhalt, die Begeisterung für Neues, die aufgeblühte Kreativität und das Engagement vieler vor Ort bleibt.

Zum Glück gibt es positive Überraschungen

Das vergangene Jahr war sicherlich für viele ein schmerzliches Jahr mit Verlusterfahrungen und Zumutungen, keine Frage. Aber es war für mich auch ein Jahr positiver Überraschungen und kreativer Wege, die mich das Pfarreileben ganz neu entdecken ließen.

Ich wünsche uns allen, dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen und das bewahren, was uns als Menschen ausmacht - unser Mitgefühl und unsere Herzlichkeit füreinander.“

Von Christian Montag

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