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BAD STAFFELSTEIN

Chris de Burgh in Bad Staffelstein im Kurpark

Chris de Burgh in Bad Staffelstein im Kurpark
Glücklich auf der Bühne: Chris de Burgh scheint sein Publikum umarmen zu wollen. Foto: Werner Diefenthal

Die Stimmung war erwartungsvoll. War doch mit Christopher John Davison, bekannt als Chris de Burgh, ein absoluter Weltstar im Rosengarten zu Gast. Der Sohn eines britischen Diplomaten wurde in Argentinien geboren, lebt aber seit 1960 in Irland und hatte von da seinen Weg in die Kurstadt gefunden. Alle Plätze waren besetzt und es war jedes Alter vertreten, schätzungsweise von acht bis weit über 80 reichte die Spanne. Chris de Burgh scheint zeitlos zu sein.

Kurz vor 19 Uhr war es so weit. Orchesterklänge setzten ein, Nebel waberte über die Bühne. Und dann kam er, beinahe schon ein wenig schüchtern wirkte er, als er vor sein Publikum trat, das ihn begeistert empfing. Eine Bühne, die außer einem Piano und einer Gitarre nichts weiter aufwies. Und mehr braucht Chris de Burgh auch nicht. Zwei Instrumente und seine Stimme, die trotz einer kürzlichen Infektion mit Corona kraftvoll und glasklar aus den Lautsprechern drang und der man seine fast 74 Jahre nicht anhörte.

Der Weg zurück zur individuellen Freiheit

„Road to Freedom“, intonierte er, ein Song, der auch der Namensgeber der Tour ist. Nach einer Begrüßung auf Deutsch und einem fröhlichen „Servus“ spielte er sich fast zwei Stunden lang immer weiter in die Herzen der Besucherinnen und Besucher. Wobei er mit dem Ortsnamen so seine Schwierigkeiten zu haben schien. Allerdings hatte er seine Freude daran, wenn man ihn immer wieder aus dem Publikum korrigierte.

Der Weg zur Freiheit – für Chris de Burgh bedeutet er auch den Weg zurück zur individuellen Freiheit. Nach Lockdown und strengen Restriktionen, gerade im Kulturbereich, heißt es für ihn wieder auf Tournee zu gehen, sein Publikum zu treffen. Und er liebt sein Publikum, das spürte man. Während viele Stars seines Kalibers eher zurückhaltend sind, so ist er immer noch bodenständig, geht auf sein Publikum ein.

„Die Bühne könnte etwas höher sein … oder ich etwas größer. Ich bin nun einmal ein bisschen klein.“
Chris de Burgh, Sänger
Chris de Burgh in Bad Staffelstein im Kurpark
Nur die Gitarre und seine Stimme, mehr braucht Chris de Burgh nicht. Foto: Werner Diefenthal

Gekonnt spielte er mit ihm und überraschte es gerne. So, als er die Frage stellte, ob man ihn auch von hinten sehen könnte. „Die Bühne könnte etwas höher sein … oder ich etwas größer. Ich bin nun einmal ein bisschen klein“, flachste er, bevor er fragte, ob denn auf den hinteren Rängen jemand Geburtstag habe. Denn für ein Geburtstagskind habe er extra zwei Plätze in der ersten Reihe freigehalten. Es fand sich auch jemand, und unter „Happy Birthday“ nahm das Geburtstagskind seinen Platz ein.

Wenn er hinter seinem Piano beinahe verschwand und dort zeigte, welche Virtuosität in ihm steckte, gingen die Hände im Publikum in die Höhe. Man schwenkte die Arme, das ein oder andere Feuerzeug oder Handylicht beleuchtete die Szenerie, die von der langsam hinter dem Horizont verschwindenden Sonne in ein rötliches Licht getaucht wurde.

„Waiting for the Hurricane“, „Natasha Dance” und weitere Stücke seiner langen Karriere begeisterten das Publikum.

Glücklich auf der Bühne und mit seinem Publikum

Die Lacher hatte Chris de Burgh auf seiner Seite, als er davon erzählte, dass er gerade den ersten Band einer Reihe mit fast 300 Büchern lese über das größte Mysterium auf Erden: „Wie man Frauen versteht“. Sein Fazit: „Sag ihr einfach, dass du sie liebst.“

Selbstverständlich durfte auch der Hinweis auf sein gerade erschienenes neues Album nicht fehlen, „The legend of Robin Hood“, das während seiner Arbeit am gleichnamigen Musical entstanden ist und 2022 uraufgeführt werden soll.

Er wirkte glücklich auf der Bühne und mit seinem Publikum. Sichtlich gut aufgelegt scherzte er: „Heute Abend ist es schon fast wie auf einem Festival. Aber wisst ihr, was fehlt? Bier! Auf einem Festival trinkt man doch immer Bier.“ Aber da hatte Chris de Burgh wohl das oberfränkische Publikum falsch eingeschätzt, denn bereits wenige Minuten später kam ein Mann aus dem Publikum zu ihm und reichte ihn eine Flasche Gerstensaft nach oben. Das quittierte er mit einem spitzbübischen Lachen und stieß natürlich auch auf die Gäste an.

Ein Star, der seine Social- Media-Accounts selbst pflegt

Chris de Burgh in Bad Staffelstein im Kurpark
Fangeschenk: ein Bier zum „Festival“. Foto: Werner Diefenthal

Berührungsängste hat er keine, im Gegenteil. Er scheint zu den Stars zu gehören, die regelmäßig ihre Social-Media Accounts selbst pflegen und lesen, was ihre Fans schreiben. Wie sonst könnte man es sich erklären, dass er darauf hinwies, dass es ja bereits kurz vor Weihnachten wäre. Man könne die Lebkuchen in der Sonne genießen, und er wäre wohl der Erste, der allen eine fröhliche Weihnacht wünsche.

Und da wusste jeder im Publikum, was kommen würde, hatte man doch auf seinem Facebook-Kanal unter seinen Posts zum Auftritt in Bad Staffelstein immer wieder ein spezielles Lied gewünscht. „A spaceman came travelling“ sang er und das Publikum sang begeistert mit.

Ein letzter Schluck Bier und ein Versprechen zum Abschluss

Fehlen durften natürlich auch nicht seine Welthits. „Lady in red“ lud zum Träumen und Kuscheln ein, bei „Don?t pay the ferryman“ oder „High on emotion“ hielt es niemanden mehr auf den Stühlen. Und dann war es ein Festival, Corona schien vergessen. Die Menschen drängten nach vorne Richtung Bühne, aber ließen den Platz genau davor frei, hielten Abstand zu ihm.

Mit einem letzten Schluck aus der Bierflasche verabschiedete sich der irische Songschreiber und Sänger mit dem Versprechen, wieder nach Bad Staffelstein zu kommen.

Von Werner Diefenthal

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